Tina Dico bei ihrem Konzert im Theaterhaus Foto: Oliver Willikonsky/Lichtgut

Tina Dico ist im Stuttgarter Theaterhaus aufgetreten. Die dänische Singer-Songwriterin hat das Publikum ein ums andere Mal in einen Kokon aus unterschiedlichen Stimmungen eingewickelt.

Stuttgart - Nach knapp fünf Minuten verklingt der letzte Ton von „Fastland“, dem Lied, mit dem Tina Dico ihr Konzert am Mittwochabend im gut besetzten, bestuhlten großen Saal des Theaterhauses eröffnet, und für einen kurzen Moment herrscht im Saal absolute Ruhe. Keiner der Zuhörer traut sich, die soeben geschaffene Stimmung zu zerstören. Wenigstens solange nicht, bis der erste dann doch zu klatschen beginnt und die Übrigen, wie aus einem Traum aufgewacht, mit einsteigen. Diese Szene wird sich bis zum Ende des Konzerts viele Male wiederholen. Mit Liedern über Liebe und Hoffnung aber auch über Besessenheit und Angst wickelt die dänische Singer-Songwriterin das Publikum ein ums andere Mal in einen Kokon aus unterschiedlichen Stimmungen ein.

Folk, Country und Gospel mischen sich mit Clubmusik

Musikalisch bewegt sich Dico dabei zwischen Folk, Country und Gospel. Mit „Fancy“ kommt sogar ein bisschen Club-Stimmung zwischen den sonst eher ruhigen Stücken auf. Unterstützt wird die Sängerin und Gitarristin von ihrer dreiköpfigen Band. Qualitativ ist das, was die Musiker abliefern, von höchster Güte. Aber nicht nur deshalb ist das Publikum der blonden Elfe vom ersten Augenblick an verfallen. Etwas anderes ist dafür entscheidend: die Ehrlichkeit. Denn Dico singt nicht über abgedroschene Klischees, sondern tatsächlich über ihre Gefühle und vor allem ihre Erfahrungen. Sie singt von schwierigen Liebesbeziehungen, davon, auf Tour nicht bei ihrer Familie sein zu können und von der Angst, die sie vor ihrem Umzug nach Island hatte. Zwischen den Liedern geht dabei das Saallicht an und Dico erzählt zu jedem Song eine kleine Geschichte. So bindet die Sängerin das Publikum an sich und macht die Zuhörer quasi zu alten Freunden. Kein Wunder, dass es der Sängerin mühelos gelingt, das Publikum bei „Parked Car“ zum Mitsingen zu bewegen – und zwar vierstimmig.

Am Ende des Abends scheint dann für einige Zeit alles schwerelos zu sein. Beim Hinausgehen klingen die Lieder im Kopf weiter, und ein bisschen Wehmut schwingt mit, weil das erste hupende Auto auf den Stuttgarter Straßen droht, den Zauber wie eine Seifenblase platzen zu lassen.

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