Die Holzfäller in Aktion in Stuttgart. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Bei der Stihl Timbersports Weltmeisterschaft in der Porsche-Arena treten über Sportholzfäller aus der Welt gegeneinander an. Sie messen ihre Kräfte mit Axt und Säge in spektakulären Wettkämpfen. Schon jetzt ist die Veranstaltung ausverkauft.

Stuttgart - Mit einem schnellen, kräftigen Zug lässt Dirk Braun seine Motorsäge an. Sie heult sofort mit einem gewaltigen Dröhnen auf. Es klingt mehr nach einem großen Motorrad als nach einer Kettensäge. Nach einem kurzen Innehalten setzt Braun die 30 Kilogramm schwere Säge ans Holz. Die muskelbepackten Arme sind angespannt. Mit mehr als 250 Kilometern pro Stunde jagt die Kette durch das Holz. Die Späne fliegen. Binnen Sekunden liegt eine runde Scheibe am Boden. Und dann die nächste. Bei seinem Weltrekord sägte der deutsche Meister Dirk Braun drei solcher Scheiben innerhalb von 5,20 Sekunden von einem Holzblock ab. Aber die Säge ist freilich keine normale Kettensäge, sondern eine Spezialanfertigung namens Hot Saw (Heiße Säge). Der Motor hat zwischen 60 und 80 PS – eine handelsübliche Kettensäge hat etwa sieben PS.

Die Szenerie spielt sich jedoch nicht, wie man denken könnte, im Wald ab, sondern auf dem Stuttgarter Schlossplatz. Dort gab die deutsche Nationalmannschaft der Sportholzfäller am Dienstag schon mal einen Vorgeschmack darauf, was sich am 11. und 12. November bei den Stihl Timbersports (Holzsport) Weltmeisterschaften in der Porsche-Arena abspielen wird.

Über 100 Sportler aus mehr als 20 Nationen werden gegeneinander im Einzel- und Teamwettkampf antreten. In insgesamt sechs Disziplinen machen die hünenhaften Männer mal mit der Axt, mal mit der Säge dicke Holzblöcke innerhalb weniger Sekunden zu Kleinholz. Verwendet werden dabei Äxte, Handsägen, handelsübliche Motorsägen und getunte Motorsägen. Die Klingen der Äxte sind so scharf, dass man sich damit rasieren könnte, und so eine Hot Saw klingt auch nicht ganz ungefährlich. Das Verletzungsrisiko scheint hoch, aber den fünf Sportlern des deutschen Nationalteams ist noch nie etwas passiert – „außer mal ein winziger Schnitt in der Hand“, sagt Robert Ebner, deutscher Vizemeister aus Gaggenau-Hörden. „Man hat alles selber unter Kontrolle, und Sicherheit ist der oberste Gebot.“

Wie die meisten der anderen Athleten hat der Lokalmatador auch beruflich mit Holz zu tun: Er ist Forstmeister. Schon als Kind war er im Wald zum Brennholz machen. Die Begeisterung für Holz- und Waldarbeit hat ihn nie losgelassen und ist so neben zum Beruf und auch zum Lieblingssport geworden: „Das besondere an dem Sport ist, dass er tatsächlich aus der alten Tradition der Waldarbeit stammt“, sagt er. Seine Wurzeln hat der Sport nämlich im Australien des 19. Jahrhunderts. Dort begannen sich Waldarbeiter abseits der täglichen Arbeit in Schnelligkeit und Technik beim Fällen und im Zerlegen von Bäumen zu messen.

Der spektakuläre Sport begeistert aber nicht nur die Sportler selber, sondern zieht auch viele Zuschauer an: alle 11 000 Tickets für die beiden Wettkampftage im November sind bereits restlos ausverkauft. Nach 2013 sind die Weltmeisterschaften zum zweiten Mal in Stuttgart.

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