Der Teenie-Schwarm Tim Bendzko bei seinem Konzert in der Porsche-Arena Foto: Lg/Jan Reich

Nichts kann den Deutschpop-Sänger Tim Bendzko aufhalten – weder ein Infekt noch Böhmermanns Satire: Am Dienstagabend hat er in der Porsche-Arena rund 4700 Fans beglückt.

Stuttgart - Eine Magen-Darm-Grippe ist kein Hindernis, um „nur noch kurz die Welt zu retten“ – so viel steht nun fest. In der fast ausverkauften Porsche-Arena präsentiert Tim Bendzko am Dienstagabend sein drittes und erstmals selbst produziertes Album „Immer noch Mensch“, mit dem er momentan durch Deutschland, Österreich und die Schweiz tourt. Trotz kränkelnden Zustands begeistert er die rund 4700 Besucher mit gefühlvollem Deutschpop und einem fast zweistündigen Bühnenprogramm.

„Ich hab’ alles dabei, was ich brauche“, verkündet er in seinem ersten Song, zunächst versteckt hinter einem weißen Vorhang, und erscheint schließlich mit zehnköpfiger Band auf der schlicht gehaltenen Bühne. Der 32-jährige Berliner startet in eine eher ruhige erste Konzerthälfte mit Songs wie „Du kannst das Leben leicht nehmen“ und „Unter die Haut“, mit Streicher­intros und weichen Gitarrensoli.

Durch die Blume reagiert Bendzko auf Böhmermann

Für Abwechslung sorgt der Reggae­Rhythmus in „Programmiert“ ebenso wie die Interaktion des blonden Lockenschopfs mit dem Publikum.

Unter dem Pseudonym „Jim Pandzko“ hatte der Satiriker Jan Böhmermann in seiner Fernsehsendung „Neo Magazin Royale“ unlängst die „Gefühlsduselei“ im deutschen Pop angeprangert – in den Fokus der Kritik waren dabei auch die Texte Tim Bendzkos geraten. Man ahnt also, worauf Bendzko anspielt, als er betont: „Andauernd werde ich gefragt, ob meine Songs eine tiefere Message haben. Nein, haben sie nicht. Nur weil ich in der Öffentlichkeit stehe, weiß ich nicht mehr über das Leben als andere.“

Auf den Song „Immer noch Mensch“, begleitet von zwei Akustik-Gitarren, folgt nach den vielen Songs der neuen Platte schließlich der Höhepunkt des Abends: „Nur noch kurz die Welt retten“ in einer Disco-Funk-Version. Im Jahr 2011 war dem Singer-Songwriter mit diesem Hit der Durchbruch gelungen, auch jetzt, sechs Jahre später, gibt es bei dem Song in der Porsche-Arena Jubelgeschrei. Zwischendurch hopst Bendzko in seinen weißen Turnschuhen von der Bühne und lässt das Publikum singen - für die textsicheren Zuschauer ein leichtes Spiel. Mit „Nicht das Ende“ kündigt er schließlich den letzten Song an, um sich fünf Zugaben später endgültig von der tanzenden Menge zu verabschieden. Immer noch bestens gelaunt ist er, aber ein wenig erschöpft: keine Maschine eben, sondern ein Mensch aus Fleisch und Blut.

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