Der Comedian Till Reiners kommt mit dem XXL-Programm seiner Show „Mein Italien“ erneut nach Stuttgart. Viel Neues ist nicht dabei – aber das scheint in der vollen Porsche-Arena nichts auszumachen.
Der Saal ist gut gefüllt, als Comedian Filiz Tasdan die Bühne in der Porsche-Arena betritt. „Ich habe Schimmel im Bad“, sagt die 43-Jährige, weil sie ziemlich sicher ist, dass ihr Vermieter an diesem Montagabend in Stuttgart im Publikum sitzt. „Ich komme aus Berlin, und für uns seid ihr alle Vermieter“, sagt sie. Mit Witzen über deutsche Gepflogenheiten beim Wandern, Frauen über 40 (sie ist selber eine) und über ihre eigene Assi-Sprache stimmt sie das Publikum auf Till Reiners ein.
Als der nach circa 20 Minuten aufkreuzt, ist die Bude davon schon reichlich erheitert. Auch er legt mit Gags über das Schwabenland los. Freut sich, dass so mancher im Publikum ein Hemd trägt – „ihr habt doch alle normale Jobs, in Berlin hat das niemand“ – und erzählt, er habe vor der Show ein paar Nachrichten bekommen, er möge doch bitte nicht so lange machen, schließlich müsse man nach der Show noch mal die Mails checken. Für den Job, versteht sich.
Till Reiners: Steuertricks kommen in Stuttgart gut an
Mit dem Programm „Mein Italien“ war er schon mal in Stuttgart. Weil die Tour so gut gelaufen sei, hat er noch ein paar Termine drangehängt. „Mein Italien Grandissimo“ heißt das jetzt. Wobei die Show nur deshalb nach dem südeuropäischen Land benannt sei, weil er einen Italienischkurs macht. Um den von der Steuer absetzen zu können, müsse man nachweisen, dass er etwas mit der Arbeit zu tun hat. Ein Raunen geht durch den Raum. „Steuer gespart – das ist einer von uns!“, legt er den Stuttgartern in den Mund.
Vieles aus dem Programm ist aus der ursprünglichen Show schon bekannt. So erzählt Reiners auch am Montag von seiner freundschaftlichen Beziehung zu Christian Lindner („Ich hätte nicht gedacht, dass mein Programm länger andauert als seine Karriere“). Er gesteht, wie er „Chris“ quasi aus Versehen zu seiner Geburtstagsparty eingeladen hat, wie er sich trotz politisch recht großer Differenzen im Italienurlaub mit ihm getroffen hat und warum er die erste Ausgabe seiner 3sat-Show „Happy Hour“ in einem ausrangierten Anzug von Lindner moderiert hat. Das macht er so witzig, dass man die Geschichte von der unwahrscheinlichen Freundschaft fast schon glauben möchte. Das Publikum lacht, gluckst und kichert munter vor sich hin.
Abgesehen von Freundschaften mit (ehemaligen) Spitzenpolitikern erzählt er von der Erfindung des Buffets (definitiv in Deutschland – nur hier seien „viel und preiswert“ eine eigene Währung), unmoralischen Auftrittsangeboten – 50.000 Euro Gage auszuschlagen stößt beim Stuttgarter Publikum auf Unverständnis – und sein ADHS.
Letzteres versucht er, mit Urlaub in Italien zu bekämpfen. Wobei ihm das mit dem Relaxen am Strand nicht sonderlich behage. „Probeliegen für den Tod“, nennt er das. Wie das mit dem Entspannen eigentlich geht, fragt er seine Freundin deshalb. Bei ihr sei das, leicht konzentriert im Moment zu sein. Da wird ihm klar: So geht’s ihm bei der Arbeit. Und er endet salbungsvoll mit den Worten: „Ihr seid mein Italien!“