So sieht ein für Eidechsen präparierter Weinberg am Burgberg aus. Foto: Stadt Steinheim

Die Bahn und die Naturschutzorganisation BUND streiten darüber, ob Eidechsen infolge ihrer Umsiedlung von der Stuttgart-21-Baustelle in einen Weinberg nach Steinheim an der Murr mehrheitlich verendet sind oder nicht.

Steinheim - Beim Thema Eidechsen sind der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und die Bahn unversöhnlich. So ist der Disput über die Folgen der Umsiedlung von 106 streng geschützten Zauneidechsen von Baufeldern des Bahnprojekts Stuttgart 21 nach Steinheim/Murr neu entflammt. Dass die Bahn das Aufnahmepotenzial des einstigen Weinbergs bei Steinheim als „nicht voll ausgeschöpft“ sieht, dürfte dabei kaum zur Entspannung beitragen. Derzeit saniert die Bahn dort laut dem Steinheimer Umweltbeauftragten Eric Hirsch 300 Quadratmeter Trockenmauern – als Vorbereitung für eine mögliche weitere Umsiedlungsaktion.

Zuvorderst wehrt sich der Verkehrskonzern jedoch gegen den in dieser Zeitung geäußerten Vorwurf, die Umsiedlung 2013 habe den Tod fast aller Tiere zur Folge gehabt. „Die Behauptung des BUND über eine angeblich misslungene Umsiedlung von Eidechsen nach Steinheim an der Murr entbehrt jeder Grundlage“, widerspricht der bei der Stuttgart-21-Projektgesellschaft für Umweltfragen zuständige Florian Bitzer. Das Gegenteil sei der Fall, das habe die letzte, im Fachjargon Monitoring genannte Überprüfung voriges Jahr ergeben. Conrad Fink, der für den BUND Ludwigsburg als Artenschutzexperte agiert, hatte die Feststellung vom Vorjahr wiederholt, wonach sich auf dem Steinheimer Burgberg praktisch keine Eidechsen mehr befänden. Seine Begründung: unter anderem hätten sich die dort beheimatete Population und die Neuankömmlinge in Revierkämpfen gegenseitig dezimiert. Eric Hirsch wundert sich: „Dort gab es keine bestehende Population.“ Habe es auch nicht geben können, die Steillagen am Burgberg seien ein idealer Lebensraum für Eidechsen, für sie durch angrenzende Straßen und Wege jedoch unerreichbar.

Mit der Umsiedlung und dem Monitoring hatte das Eisenbahnbundesamt das Büro GÖG (Gruppe für ökologische Gutachten) aus Stuttgart beauftragt. Die Bahn zitiert in ihrer Reaktion auf die Kritik des BUND den verantwortlichen GÖG-Gutachter Gunther Matthäus: „Zusätzlich zu mehreren erwachsenen Eidechsen wurden auch Jungtiere gesichtet. Dadurch ist der Nachweis erbracht, dass sich die Eidechsen in ihrem neuen Habitat fortpflanzen. Mit diesem Ergebnis sind wir zufrieden.“ Laut Hirsch seien etwa zwei Drittel der Eidechsen vorhanden. Der BUND hatte beanstandet, dass ausgehend von zwei entdeckten Eidechsen über ein für die Naturschützer fragwürdiges Rechenmodell ein Bestand von 50 Tieren errechnet worden sei.

Die Bahn plant nun, weitere Eidechsen an den Burgberg zu verlegen. „Strukturell sind die Flächen gut für die Zauneidechsen geeignet“, bestätigt ein Projektsprecher. Bereits im Februar seien zwischen den einzelnen Flächen Verbindungskorridore geschaffen worden, auch würde regelmäßig gemäht, die Sanierung der Trockenmauern wiederum erfolge „außerhalb der Zeit der Eiablage“. Von der Zusammenarbeit mit der Bahn habe Steinheim profitiert: „Die Sanierung hätte uns als Stadt überfordert“, sagt Eric Hirsch. Die von Landschaftsschützern geforderte Runderneuerung von Trockenmauern, wie sie auch in Weinbergen entlang des Neckars existieren, ist teuer. Pro Quadratmeter fallen bis zu 500 Euro an, die in Steinheim jetzt die Bahn bezahlt.

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