Tierschützern zufolge werden die Vorschriften bei Tiertransporten kaum eingehalten.
Stuttgart - Millionen von Schweinen, Rindern, Schafen und Pferden werden jedes Jahr durchs Land gekarrt. Häufiges Ziel der Tiertransporte sind Polen und Russland. Bei den meisten gibt es nichts zu beanstanden, sagt die Polizei. "Die Tierquälerei muss ein Ende haben", fordern hingegen Tierschützer.
Die Menschen essen gerne Schweinefleisch. Das ist keine Frage des Geschmacks, sondern eine statistische Feststellung. In diesem Jahr werden in Deutschland voraussichtlich mehr als 59 Millionen Schweine geschlachtet, eine Zunahme um 2,5 Prozent verglichen zum Vorjahr. Diese Prognose stammt nicht etwa von Tierschützern, sondern von einem Verband, der es am besten wissen müsste: der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands.
Je fetter, desto besser
Doch die vielen Schweine, die geschlachtet werden sollen, müssen auch transportiert werden. Da verwundert es nicht, dass die Interessengemeinschaft stolz verkündet: "Der Export von lebenden Schweinen hat sich in den vergangenen drei Jahren sehr dynamisch entwickelt." In anderen Worten: Die Zahl der transportierten Schweine ist um 35 Prozent gestiegen, jedes 15. Schwein aus Deutschland wird mittlerweile ins Ausland gebracht. Auch andere Nutztiere machen sich gleich nach ihrer Geburt auf die Reise - gezwungenermaßen. Ein Beispiel von vielen: Ein Kalb wird in Bayern geboren, zum Mästen nach Niedersachsen gekarrt und von dort zum Schlachten nach Nordrhein-Westfalen. 2008 exportierte Deutschland mehr als 51.000 Rinder, sagt der Tierschutzbund, im selben Zeitraum seien aber mehr als 61.000 Rinder importiert worden: "Sinnlose Transporte auf Kosten der Tiere", kritisieren die Tierschützer.
Je fetter, desto besser: Nach diesem Motto verfahren viele Viehhändler im Südwesten - zumindest, wenn es um Schweine geht. Denn vor allem in Österreich und Italien seien Schweine aus Baden-Württemberg sehr beliebt, sagt eine Mitarbeiterin der Interessengemeinschaft der Schweinehalter. Warum? Weil die Tiere aus dem Südwesten eine dicke so genannte Fettauflage mit sich herumtragen. "In Deutschland wird eher nach magerem Schweinefleisch gefragt."