Sie rühren sich nicht: Die Gänse stehen wieder an ihrem Platz. Foto: /Ines Rudel

Die Betongänse in Sielmingen stehen wieder auf ihrer Kreuzung. Nachdem die Skulptur Ende letzten Jahres zerstört worden war, ist der Weg zur Reparatur nicht einfach gewesen.

Die Obersielminger und die Gänse: offenbar eine seit Jahrhunderten währende Verbindung von bemerkenswerter Intensität. Schon anno 1851 ist laut dem Filderstädter Stadtarchivar Nikolaus Back berichtet worden, die Sielminger hätten „viele Gänse aufgezogen, die von Neuhäuser Händlern aufgekauft wurden“. Und weil jeder Filderstädter Stadtteil über einen inoffiziellen Necknamen verfügte – die Bonländer wurden offenbar zeitweise „Saisoicher“ genannt –, waren die Obersielminger in der Wahrnehmung ihrer Nachbarn eben die „Gänse“.

 

Sie wehrten sich nicht, ganz im Gegenteil: Im Jahr 1963 beauftragten die Obersielminger ihren Mitbürger Axel Döhler damit, eine Gänse-Skulptur herzustellen. Mit dem entsprechenden Denkmal auf der Verkehrsinsel an der Kreuzung Osterstraße/Lange Straße war Obersielmingen fortan der einzige Filderstädter Ortsteil, der seinen Necknamen in Form einer Skulptur verewigt hatte.

Ein neues Innenleben aus Eisen

Bis Ende 2023. Dann fehlte plötzlich – mutmaßlich wegen Vandalismus – der Kopf der stolz sich reckenden Gans, während ihre Artgenossin, die am Boden pickende Gans, weitgehend unversehrt geblieben war. „Es erwies sich als außerordentlich schwierig, einen geeigneten Künstler zu finden, der eine Ergänzung vornehmen konnte“, teilt die Stadt Filderstadt mit. Aber schließlich wurde eine Lösung gefunden: „Klaus Adam, ein alteingesessener Sielminger, hatte schließlich den richtigen Einfall und fragte Bildhauer Markus Wolf, aufgewachsen in Sielmingen und heute Inhaber des Steinmetzbetriebs Pfeiffer in Plieningen.“ Wolf habe umgehend zugesagt.

Markus Wolf sagt, wenn man ihn fragt, dass das Eisengestänge im Inneren der Gänse „nicht fachgerecht“ montiert gewesen sei und dass es deshalb aufgrund von „Rissen im Halsbereich“ nicht schwer gewesen sei, der Betonplastik den Kopf abzureißen. Wolf setzte also neues Eisen in die Skulptur ein und dübelte ein Stück Muschelkalk darauf. Daraus schuf er bildhauerisch einen neuen Kopf für die stolze Gans. Dabei habe er versucht, dem Original nahezukommen, sagt Markus Wolf. In Ermangelung aussagekräftigen Fotomaterials sei dies jedoch kein einfaches Unterfangen gewesen.

Stabiler als je zuvor

Dennoch stehen die beiden Gänse seit kurzem wieder auf der Verkehrsinsel. Rund 60 Nachbarn hätten sich zu einer kleinen Einweihungsfeier versammelt, teilt die Stadt Filderstadt mit. Der Stadtarchivar war auch da. Ob die beiden schneeweißen Gänse fortan unbehelligt auf ihrem Sockel weilen dürfen? Ob das Kunstwerk von Dauer sein wird? „Das hoffe ich“, sagt der Bildhauer Markus Wolf, „es ist jetzt stabiler, als es jemals war“.