Die beiden Katzenwelpen wissen nichts von den finanziellen Sorgen der Tierschützer. Foto: Gottfried Stoppel

Die Schorndorfer Einrichtung bietet jedes Jahr 350 Hunden, Katzen und Kleintieren in Not eine Zuflucht. Das ist kostspielig, daher ist und bleibt die Finanzierung für den örtlichen Tierschutzverein ein Dauerthema.

Schorndorf - Hätten wir den Bau nicht machen können, hätten wir das Tierheim über kurz oder lang schließen müssen“, sagt Heinz Wutzke mit Blick auf das neue Hundehaus, das der Tierschutzverein Schorndorf gerade errichtet. Bis vor Kurzem hat Wutzke als Vorsitzender die Geschicke des Vereins geleitet, nun hat er das Amt an seinen Nachfolger Thomas Wabo übergeben – mit einer Sorge weniger. Denn dank eines Zuschusses, den man aus dem Tierheimfördertopf des Landes bekomme, könne das dringend notwendige neue Hundehaus endlich gebaut werden. Ein Drittel der Baukosten von 60 000 Euro übernehme das Land, ein weiteres müsse von kommunaler Seite getragen werden und das dritte müsse der Verein als Bauherr schultern – auch keine leichte Aufgabe. Trotzdem sind Wutzke und Wabo froh.

Das Tierheim braucht ein neues Haus

Denn das Tierheim Schorndorf braucht das neue Haus, um die veränderten gesetzlichen Bestimmungen für die Haltung von Hunden erfüllen zu können. „Bis zu einer Schulterhöhe von 50 Zentimetern müssen Hunde sechs Quadratmeter zur Verfügung haben, bei einer Größe von 50 bis 65 Zentimetern acht und alle darüber zehn Quadratmeter“, erklärt Wutzke. Die alten Zwingeranlagen böten diesen Platz nicht. Somit hätte das Tierheim keine Hunde mehr aufnehmen dürfen, ergänzt Wabo: „Dadurch wäre wiederum ein wesentlicher Teil des mit Schorndorf abgeschlossenen Vertrags hinfällig geworden.“

In diesem sichere die Stadt dem Tierschutzverein als Träger des Heims zu, 50 Cent pro Einwohner jährlich dafür zu zahlen, dass dieser ihr die Versorgung von Fundtieren abnimmt. Zudem beteiligen sich auch die Nachbarkommunen Winterbach, Remshalden und Rudersberg finanziell mit 40 Cent pro Einwohner. Dabei sei man froh, dass man es vor drei Jahren überhaupt geschafft habe, eine solche vertragliche Bindung zu vereinbaren. Zuvor habe der Tierschutzverein, der seit dem Jahr 1958 besteht, lediglich einen kleinen Zuschuss im Rahmen der üblichen Vereinsförderung erhalten. Abgedeckt seien die Kosten für Fundtiere allerdings auch jetzt von den Kommunen nicht vollständig, sonder nur zu 60 Prozent. „Aber mehr war nicht auszuhandeln, und wir waren froh, dass wir überhaupt einen Einstieg bekommen haben“, sagt Wutzke.

Die Niedrigzinsphase wirkt sich auch auf den Tierschutz aus

Ansonsten finanziere man die Unkosten, von denen ein wesentlicher Teil Tierarzt- und Personalkosten sind – „schließlich brauchen wir verlässliche, ausgebildete Mitarbeiter, das schreibt das Veterinäramt vor“ – über Mitgliedsbeiträge und Spenden. Jedoch stehe hinter Letzteren ein immer größeres Fragezeichen, berichtet Wabo. Die Auswirkungen der anhaltenden Niedrigzinsphase bekomme auch das Tierheim zu spüren. „Wer nichts zusammensparen kann, kann auch nichts spenden.“ Derweil werde der Tierarzt nicht billiger, ebenso wenig die Lohn- und die Heizkosten – im Gegenteil.

Doch die Köpfe lassen die beiden Tierschützer deswegen nicht hängen. Schließlich werden sie von ihren Schützlingen gebraucht. 350 Tiere nimmt das Tierheim im Jahr durchschnittlich auf. Davon sind rund 50 Hunde, 150 bis 160 Katzen und die übrigen Kleintiere, wie Kaninchen, Meerschweinchen, Vögel. Aber auch Hängebauchschweine und Exoten wie Bergagamen hat die Einrichtung schon beherbergt. Letztere versuche man an größere Tierheime in Stuttgart oder München weiterzureichen, da man auf deren Haltung eigentlich nicht eingerichtet sei, erklären die beiden.

Halbwilde Katzen zählen auch zur Klientel des Tierheims

Zudem kümmere man sich um frei lebende Katzen. Damit diese sich nicht noch mehr vermehren und sich das Katzenelend auf den Straßen weiter zunimmt, fangen die Tierschützer sie ein, um sie medizinisch zu versorgen, zu impfen, mit Mikrochips zu markieren – und vor allem um sie zu kastrieren. Dann werden sie wieder in die Freiheit entlassen, bekommen aber von den Vereinsmitgliedern Futterstellen und frostfreie Schlafplätze angeboten. Denn vermitteln lassen sich diese halbwilden Samtpfoten, die nicht auf den Menschen geprägt sind, nicht, allenfalls ihre Jungen.

Kürzlich ist eine ganze Rasselbande solcher Katzenstraßenkinder im Tierheim eingezogen. Eine Familie habe den Verein um Hilfe gebeten, nachdem eine frei lebende Katze, die sich immer am Futternapf des Stubentigers des Hauses gütlich getan habe, plötzlich auch ihre große Kinderschar mitgebracht habe, erzählt Wutzke: „Die alle mitzufüttern, ist den Leuten dann doch zu viel geworden.“

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