Viele seltene Arten haben sich in der Rohrauer Krebsbauchaue angesiedelt. Die dortige Aussichtsplattform ist jetzt Teil der „Erlebnistour“.
Spießente, Wiedehopf, Uferschnepfe, Bekassine, Wechselkröte und Grasfrosch – die Liste der seltenen Tierarten, die sich im Schatten des Kiebitzes in der Rohrauer Krebsbachaue dauerhaft angesiedelt haben oder dort regelmäßig Rast machen, ist beeindruckend. Wie die Kiebitze bevorzugen sie allesamt ein offenes Gelände mit nur niedrigem Bewuchs samt flachen, mit Wasser gefüllten Mulden. „Der Flussregenpfeifer braucht noch mehr sumpfige Stellen als der Kiebitz und Rohboden im Umfeld“, berichtete der stellvertretende Gärtringer Bauamtsleiter Georg Samsel. Deshalb sei im Herbst im Westen des geschützten Areals unter anderem ein Graben geschlossen und die umliegende Fläche dadurch so vernässt worden, dass es dort auch in trockenen Zeiten Wasser gebe. Dass bereits einige Monate später der erste Flussregenpfeifer gesichtet wird – damit hatte jedoch niemand gerechnet.
Neben der Gemeinde Gärtringen, deren Ökokonto von dem Naturschutzprojekt profitiert, und dort insbesondere das Bauhof-Team sind noch weitere Akteure involviert: Werner Strunk, Inhaber des Landschaftsarchitekturbüros LarS, das Büro für Tier- und Landschaftsbiologie des promovierten Biologen Jürgen Deuschle, der Rohrauer Landwirt Klaus Sindlinger, dessen Galloway-Rinder das Grün auf der Fläche kurzhalten, sowie die Untere Naturschutzbehörde im Böblinger Landratsamt.
Die Tierschützer haben technisch aufgerüstet
Diese treffen sich immer wieder turnusmäßig, wie etwa jüngst zu Beginn der Brutsaison. Alle Beteiligten waren dabei froh darüber, dass es im vergangenen Jahr keine zusätzlichen Notfalltermine gab. Ein Zeichen dafür, dass die technische Aufrüstung des Zauns zur Abwehr von Fressfeinden am Boden erfolgreich war.
Daher ist das Kerngebiet auch jetzt wieder mit einer doppelten Zaunlinie aus Netz- und zusätzlichem Litzenzaun geschützt. Etliche Weidezaungeräte sorgen außerdem dafür, dass überall ausreichende Spannung anliegt. Eine GSM-gestützte Überwachung, die Spannungsabfälle direkt an das Bauhof-Team meldet, komplettiert den Schutz. „Bevor wir den Zaun komplett abgeriegelt haben, haben wir noch den Jäger mit einbezogen“, berichtete Werner Strunk. Mit dem Nachtsichtgerät habe dieser sichergestellt, dass kein Fuchs im Gebiet eingeschlossen werde.
Der Kiebitz – der Vogel mit der charakteristischen Federholle
Im vergangenen Jahr seien bei 16 Brutpaaren 24 Jungvögel flügge geworden, blickte Jürgen Deuschle auf das zweitbeste Jahr seit der Einrichtung des Gebiets vor rund 15 Jahren zurück. Diese positive Entwicklung strahle auch in die Umgebung aus. Da in der Krebsbachaue die Nahrungsquellen endlich seien, würden die Kiebitze inzwischen in geeignete Flächen in der Nachbarschaft, etwa in Nufringen und Holzgerlingen, ausweichen. In diesem Jahr zählen die Experten rund 40 Exemplare. Wegen der Kälte und der Trockenheit seien diese mit der Eiablage aber etwas in Verzug, so Deuschle.
Beobachtet werden können die Vögel mit der charakteristischen Federholle am Hinterkopf und die weiteren Bewohner der Krebsbachaue schon seit längerem von einer Aussichtsplattform aus – auch mit dort vorhandenen Ferngläsern. Sie hat nun jedoch ein neues Gewand in Form eines roten Anstrichs bekommen. Diese Farbe samt gleichfarbigem Fahrradständer signalisiert, dass die Krebsbachaue, sehr zur Freude von Gärtringens Bürgermeister Thomas Riesch, jetzt auch Bestandteil der „Erlebnistour“ des Verbands Region Stuttgart ist. Die Hauptroute dieses Radwegs von Weil der Stadt über Holzgerlingen bis Nürtingen wird aktuell durch mehrere Rundtouren ergänzt.