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Tierfreunde über Ponys auf dem Wasen: „Leute, die ein bisschen denken, gehen da nicht hin.“

Stuttgart - Tierschützer würden am liebsten gar nicht hinsehen, wenn Ponys bei Volksfesten ihre monotonen Runden drehen. „Es ist eine traurige Angelegenheit. Das ständige Im-Kreis-Laufen ist unnatürlich für die Tiere“, sagt Martin Pechmann vom Stuttgarter Tierschutzverein.

Wenn am kommenden Samstag das Frühlingsfest auf dem Cannstatter Wasen in Stuttgart beginnt, gehe für die Ponys eine Leidenszeit los, sagen Tierschützer. Der Veranstalter des Volksfests sieht hingegen keinen Anlass zum Handeln. Und auch das Veterinäramt hat keine Einwände, solange es den Tieren nicht sichtbar schlecht geht.

"Leute, die ein bisschen denken, gehen da nicht hin!"

„Leute, die ein bisschen denken, gehen da nicht hin!“ Ursula Gerickes Stimme klingt aufgebracht, wenn sie über Ponyreitbetriebe auf Volksfesten spricht. Sie ist die Leiterin des Ludwigsburger Tierheims.

Ponys auf Volksfesten müssten nicht nur stundenlang angebunden im Kreis laufen, sie seien auch noch dem Lärm der umliegenden Fahrgeschäfte ausgesetzt. Vor rund 15 Jahren habe das Tierheim in Ludwigsburg daher Ponys aus solchen Betrieben auf dem Cannstatter Wasen freigekauft.

"Kaputt und verhaltensgestört“

Darunter war auch die Stute Bella. „Sie ist auf unserer Koppel zwei Jahre lang nur im Kreis gelaufen. Das Pferd war kaputt und verhaltensgestört“, sagt Gericke.

Auch die Tierrechtsorganisation Peta kritisiert das Ponyreiten auf dem Frühlingsfest. „Kindern wird ein völlig falsches Bild von Pferden vermittelt. Und viele Eltern wissen wahrscheinlich gar nicht, was sie den Tieren antun, wenn sie ihre Kinder auf ein solches Pony setzen“, betont Carola Schmitt.

"Die Tierbetriebe kommen ganz gut an. Sonst würde es sie nicht geben"

Die Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart beschäftigt sich seit Jahren mit dieser Kritik. „Natürlich wird in der Richtung angemahnt. Aber wir haben andere Aufgaben“, sagt Geschäftsführer Andreas Kroll.

Zu einem Frühlingsfest gehöre das Ponyreiten seit vielen Jahren dazu. Und bislang sei es noch nie Thema gewesen, bei Festen auf dem Cannstatter Wasen auf Tierbetriebe zu verzichten.

„Die Tierbetriebe kommen ganz gut an. Sonst würde es sie nicht geben“, betont Kroll. Und solange die gesetzlichen Bestimmungen erfüllt seien, hätten die Veranstalter auch keine Handhabe, um das Ponyreiten abzusagen.

"Festgestellt, dass die Tiere an den Lärm gewöhnt sind"

Vor Ort kontrolliert das Stuttgarter Veterinäramt jedes Jahr zu Beginn des Fests den Gesundheitszustand der Ponys. Das Amt achte etwa darauf, ob ein Tier lahmt oder Schmerzen hat. „Und wir haben festgestellt, dass die Tiere an den Lärm gewöhnt sind“, sagt Veterinär Thomas Stegmanns.

Sollte es zu Beanstandungen durch das Amt kommen, werde eine Nachkontrolle veranlasst. Ansonsten seien die Lebensmittelkontrolleure auf dem Cannstatter Wasen angehalten, gelegentlich bei den Pony-Betrieben vorbeizuschauen.

Tierschützer tröstet das jedoch wenig. Die Tierrechtsorganisation Peta will auch in diesem Jahr mit Flugblättern auf Missstände beim Ponyreiten aufmerksam machen.

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