Tierschützer helfen nicht nur Tieren Mit Saatbomben Igel retten

Von Franziska Kleiner 

Die Igelkinder sind wenige Wochen alt und haben ihr weißes Stachelkleid verloren. Foto: factum/Granville
Die Igelkinder sind wenige Wochen alt und haben ihr weißes Stachelkleid verloren. Foto: factum/Granville

Igel werden dieses Jahr vier Wochen früher geboren, als gewöhnlich. Sie sind ihrer Zeit weit voraus. Für die Vorsitzende des Ditzinger Tierschutzvereins ist das kein gutes Zeichen. Sie sieht die Tierschützer in der Pflicht, um die Kulturlandschaft zu retten.

Ditzingen - Tierschützer protestieren gegen Nerzmäntel und Massentierhaltung? Bisweilen machen sie auf Landes- oder Bundesebene öffentlichwirksam auch dies. In den Ortsvereinen aber kümmern sie sich um Katzen, ausgesetzte Hunde und helfen, die Taubenpopulation einzudämmen. Die Ditzinger wiederum haben sich nun ausdrücklich der Pflege der Kulturlandschaft verschrieben – und bauen deshalb Saatbomben.

„Es ist ganz einfach“ sagt die Vereinsvorsitzende Giesela Mayer. Beim Nachhaltigkeitsmarkt und beim Maislabyrinth zeigte die Jugendgruppe wie aus einem Esslöffel Samen, Wasser, dazu etwas Mehl und Tonerde kleine Samenkugeln entstehen. Diese lassen Klatschmohn, Kornblumen, Salbei, Glockenblume und Blaukissen erblühen – und sorgen dafür, dass Insekten im Frühjahr bis zu einem halben Meter über dem Boden Nahrung finden. Die Insekten wiederum sind unabdingbar als Nahrungsgrundlage zum Beispiel für Singvögel oder Igel. Die ersten Igel haben bereits ihren Nachwuchs. Mayer weiß von Welpen, die bereits drei Wochen alt sind. „Sie sind vier Wochen früher dran, als sonst.“ Im Ludwigsburger Tierheim sind die ersten kleinen stacheligen Kinder schon abgegeben worden.

Nicht nur der Igel ist auf die Insekten angewiesen

Ursächlich für diese Verschiebung sei laut Mayer die Hitze dieses Sommers gewesen, die Natur sei in ihrer Entwicklung deshalb weiter als sonst. Der Start ins Igelleben ist in diesem Jahr besonders hart: Der Boden ist trocken, vielerorts der Rasen verbrannt. Es wächst wenig, was die Feuchtigkeit im Boden speichern könnte. Damit fehlt die Lebensgrundlage für Insekten.

Der Regen der vergangenen Tage täuscht nicht darüber hinweg, dass es viel zu trocken ist – auch den Igeln. „Mit einer Wasserschale im Garten ist es nicht getan“, sagt Mayer. Den Tierschützern geht es nicht nur um die Igel, die darauf angewiesen sind, wenige Zentimeter über dem Boden Nahrung zu finden. Von den Wildbienen abgesehen finden auch Singvögel dort ihre Lebensgrundlage. „Spatz, Amsel, Meisen und auch Rotkehlchen holen sich aus der Wiese ihre Insekten“, sagt Mayer. Ob dies Würmer, Käfer, Larven oder Asseln sind, die Wiese oder Baumlaub nutzen.

Ein Schädlingsbekämpfer

Nicht nur weil das Gesetz den Menschen dazu verpflichtet, nehmen sich die Ditzinger der Igel an. „Er ist ein Schädlingsvernichter.“ Wer keine Schnecken im Garten haben möchte, sollte sich über jeden Igel im Beet freuen. Er fresse nämlich den Schneckenlaich, also die abgelegten Eier.

Zu kurz gegriffen wäre es laut Mayer, würde man die Tierschützer darauf reduzieren, sich allein der Igel oder aber Singvögel anzunehmen. Die Ditzinger Vereinsvorsitzende sieht vielmehr den Gesamtzusammenhang: Die Tiere haben ihren Platz im Kreislauf der Natur. Was das Insekt für den Igel, ist der Igel für Dachs und Raubvogel.

Lesen Sie jetzt