Tierschützer Gequälte Schweine für billige Schnitzel

Von Katrin Teschner 

 Foto: dpa
Foto: dpa

Tierschutzorganisationen decken skandalöse Bedingungen in europäischen Mastbetrieben auf.

Brüssel - Die Schweine stehen zusammengepfercht in einem dunklen Stall. Der blanke Boden ist mit Kot beschmiert. Einige haben entzündete Gelenke oder verletzte Klauen. Weil sie sich nicht bewegen können, nicht wühlen oder kauen wurde ihnen die Schwänze abgeschnitten; sonst würden sie sich die Stummel aus Langeweile gegenseitig abbeißen. "Was in vielen Schweineställen Europas passiert, ist grausam und verstößt eindeutig gegen europäische Tierschutzbestimmungen", sagt Peter Stevenson vom britischen Fachverband für Nutztierschutz.

Mehrere Monate lang haben europäische Tierschutzorganisationen 74 Schweinehalter in sechs Ländern der Europäischen Union besucht und die Zustände verdeckt gefilmt. Auch 19 Betriebe in Deutschland waren dabei. Das Ergebnis: In fast 90 Prozent der Fälle entsprachen die Ställe nicht den EU-Vorgaben: Es gab weder Stroh oder eine andere Einstreu noch eine ausreichende Beschäftigung. In fast 80 Prozent der besuchten Betriebe waren bei einem Großteil der Schweine die Schwänze kupiert. Nach einer 2003 in Kraft getretenen EU-Richtlinie ist das verboten. In Dänemark, Ungarn oder Spanien stießen die Tierschützer auf ähnliche Zustände.

"Es ist skandalös, dass die meisten Schweinehalter auch sieben Jahre nach dem Inkrafttreten der Gesetzgebung noch immer mehrheitlich gegen die Vorschriften verstoßen", sagt Stevenson. Deshalb haben die Tierschützer Beschwerde bei der EU-Kommission eingereicht. Die will bis Ende des Jahres prüfen, ob die Gesetze überarbeitet werde müssen. Auf jeden Fall müssten sie besser durchgesetzt werden, erklärte eine Sprecherin.

In Deutschland sind in der Regel die Landkreise beziehungsweise die örtlichen Veterinärämter für die Kontrollen der Schweinebetriebe zuständig. Stellen die Amtstierärzte Mängel fest, drohen empfindliche Geldbußen - im Extremfall sogar ein Haltungsverbot. Doch die meisten Betriebe werden nur stichprobenartig oder auf Verdacht hin untersucht.

Für Stefan Johnigk von der Organisation Pro Vieh ist das zu wenig: Die großen Betriebe setzten die kleinen wirtschaftlich immer stärker unter Druck. Auf Holzspaltenböden ließen sich Schweine am leichtesten industriell halten, das spare Zeit und Geld. "Billige Schnitzel werden unter katastrophalen Bedingungen produziert", sagt er. Dabei schaue keiner so genau hin. "Das ist die eigentliche Sauerei."

Lesen Sie jetzt