Die Tierrettung Rems-Murr hatte schon fast 100 Einsätze. Dieser winzige Stieglitz wurde in Rudersberg aufgefunden. Foto: Tierrettung Rems-Murr

Seit knapp zwei Monaten rückt die Tierrettung Rems-Murr aus, wenn Tiere in Not sind. Der Anfang gestaltet sich schwer: Einsätze bei Tag und Nacht zehren an den Nerven – und Finanzmittel und Zahl aktiver Helfer sind äußerst knapp.

Allmersbach - Im Moment sieht es nicht gut aus“, sagt Sybille Impagliatelli. Seit knapp zwei Monaten rückt die Tierrettung Rems-Murr, die sie ins Leben gerufen hat, zu Einsätzen aus. Und schon jetzt ist der Verein in seiner Existenz bedroht, die Helfer sind am Limit des Leistbaren. „In den sieben Wochen hatten wir bislang 96 Einsätze“, erzählt Impagliatelli. Meist fahre sie selbst los, weil aktive Mitglieder fehlen, die unter der Woche tagsüber Rettungseinsätze fahren. „Meinen Job habe ich inzwischen aufgegeben“, erzählt die 59-Jährige.

Der Verein ist inzwischen für den ganzen Rems-Murr-Kreis zuständig. Die Tierrettungen Unterland und Mittlerer Neckar, die vorher Teile des Kreises abgedeckt hatten, haben sich zurückgezogen – „in Absprache mit uns“, betont Impagliatelli. Die Arbeit wird dadurch nicht weniger.

Von den 1000 Facebook-Fans fördern nur 22 die Tierrettung finanziell

Die Idee hinter der Tierrettung: Wo immer ein Tier in Not ist, können Behörden und Privatleute den Verein kontaktieren. Die Tierrettung kann den Vierbeiner dann erstversorgen und zum Tierarzt oder einer Päppelstelle bringen. Auch, wenn es sich um eine Taube oder ein verletztes Wildtier handelt. „Wenn wir in solchen Fällen nicht ausrücken, verstoßen wir gegen unsere Satzung. Dann wären wir keine Tierrettung mehr“, sagt Impagliatelli.

Die Tierrettung zu betreiben – das hat sie sich anders vorgestellt. Das Geld ist äußerst knapp. Der Grund seien weniger die Tierarztkosten, erzählt die Vorsitzende. „Das Auto muss abgezahlt werden, die Versicherungen, Visitenkarten – und ohne Arbeitskleidung geht es auch nicht“, erklärt Impagliatelli. Der Verein könne sich finanzieren, wenn mehr als 200 Mitglieder ihren Jahresbeitrag von 50 Euro zahlten. Doch von den fast 1000 Mitgliedern der Facebookgruppe der Tierrettung zahlen bislang nur 22. „Wenn ich das anspreche, werden wir als Bettelverein bezeichnet.“

Einsätze rund um die Uhr – nicht alle gehen gut aus

Ständig trudeln Einsätze auf dem Notfallhandy ein. Etwa der Fall einer vermeintlich trächtige Katze, die in der vergangenen Woche jemandem in Großaspach zugelaufen war. Das Tier entpuppte sich als wohlgenährter Kater, der dank seines Mikrochips und einer Registrierung beim Netzwerk „Tasso“ seiner glücklichen Besitzerin zurückgebracht werden konnte – in Heilbronn, rund 24 Kilometer Luftlinie entfernt. „Wie er es geschafft hat, dahin zu kommen, wird wohl für immer sein Geheimnis bleiben“, schreibt die Tierrettung auf ihrer Facebook-Seite.

Oft bleibt den Helfern aber nichts anderes übrig, als einen Vierbeiner von seinem Leid erlösen zu lassen. Etwa den schwer verletzten Dachs, der vergangene Woche in einem Bachbett bei Backnang-Maubach entdeckt worden war. Die Polizei hatte die Tierrettung um Hilfe gebeten – am Ende konnte aber nur der Jagdpächter verhindern, dass das angefahrene Tier noch länger leiden musste.

Säugende Hündin wurde mutmaßlich ausgesetzt

Ein Einsatz ist Impagliatelli besonders im Gedächtnis geblieben: Mitte August wurde in Backnang ein Hund aufgegriffen – ein weibliches Tier mit Milch im Gesäuge, vermutlich ausgesetzt und verwahrlost. Die Besitzerin meldete sich bei der Tierrettung. „Die Welpen hatte sie auf eBay verkauft, die Mutter war wohl lästig geworden.“ Obwohl die Frau den Behörden wegen solcher Dinge bekannt sei, durfte sie die Hündin wieder mitnehmen. „Dagegen konnten wir nichts machen“, sagt Impagliatelli. Sie hofft nun, dass sich mit der Zeit neue Mitstreiter melden, um auch in Zukunft Tierbeinern in Not zu Hilfe eilen zu können.

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