Carolin Müller aus Deizisau erhält ein Stipendium für einen Auslandsaufenthalt. Ihr Traum: Afrikas Tierwelt hautnah erleben. Was plant sie dort?
Es riecht nach Stall und nach Tier, und zwar so sehr, dass sich der Geruch unweigerlich in der Kleidung festsetzt und den ganzen Tag über darin hängen bleibt. Carolin Müller macht das nichts aus. Hier im Giraffenhaus der Wilhelma fühlt sie sich pudelwohl. Schon als Kind hatte sie Freude daran, im Kuhstall herumzuspringen, wie sie sagt. „Wir waren viel im Schwarzwald auf dem Bauernhof, das war sehr erfüllend für mich.“ Und die Wilhelma war „der Zoo meiner Kindheit“.
Heute ist genau hier Stallarbeit Teil ihres Jobs. Ihres Traumjobs. Carolin Müller hat im Stuttgarter Zoo im vergangenen Jahr ihre Ausbildung zur Tierpflegerin abgeschlossen. Aktuell hat sie einen Jahresvertrag in der Wilhelma und ist dort unter anderem für die afrikanischen Huftiere zuständig. An diesem Morgen hat die 1,60-Meter-Frau bereits mit den bis zu 4,50 Meter großen Giraffen trainiert, später hat sie deren Stall gesäubert und frisches Futter gebracht. Körperliche Arbeit macht ihr nichts aus, wie sie sagt. „Ich bin der Typ, der gern mistet.“
Stipendium der IHK bekommen
Der Traum der 24-Jährigen aus Deizisau: Den Tieren, mit denen sie täglich arbeitet, in ihrem natürlichen Lebensraum zu begegnen. Carolin Müller wünscht sich, nach Afrika zu reisen, am liebsten nach Südafrika. Vor Ort möchte sie verschiedene Arten beobachten und dafür mit einer Organisation zusammenarbeiten, die den Artenschutz vorantreibt. „Das ist die Basis von Zoos.“ Tatsächlich soll dieser Traum schon ganz bald wahr werden. Carolin Müller ist einer von vier jungen Menschen, die in diesem Jahr ein Stipendium über die Jubiläumsstiftung der IHK Region Stuttgart für einen zwei- bis sechsmonatigen Auslandsaufenthalt bekommen haben.
Bis zu 6000 Euro werden Jahr für Jahr an herausragend gute Ausbildungsabsolventinnen und -absolventen vergeben, die internationale Berufserfahrung sammeln möchten. Die Jubiläumsstiftung wurde 1980 zum 125-jährigen Bestehen der IHK Region Stuttgart ins Leben gerufen. Seither wurden 183 Stipendien vergeben und in Summe bereits 732 000 Euro an Fördermitteln ausbezahlt, teilt die IHK mit. Die beliebtesten Ziele sind die USA und Großbritannien, gefolgt von Kanada, Frankreich und Australien.
Erfahrungen international sammeln
Für die Förderung ausgewählt werden besonders begabte Absolventinnen und Absolventen einer Berufsausbildung, deren Abschluss weniger als zwei Jahre zurückliegt. Voraussetzungen: hervorragende Prüfungsleistungen, Fremdsprachenkenntnisse, ein Motivationsschreiben und die Empfehlung des Ausbildungsbetriebs oder des Arbeitgebers. Christoph Nold, der leitende Geschäftsführer der IHK-Bezirkskammer Esslingen-Nürtingen, teilt hierzu mit: „Berufliche Bildung endet nicht an Landesgrenzen. Mit dem Stipendium der IHK-Jubiläumsstiftung ermöglichen wir jungen Talenten wie Carolin Müller aus Deizisau, die als Landesbeste die Ausbildung zur Tierpflegerin in der Fachrichtung Zoo abschloss, internationale Erfahrungen zu sammeln und diese in ihre Arbeit vor Ort einzubringen.“
Erfahrungen in der afrikanischen Savanne machen
Tatsächlich – Carolin Müller geht es darum, möglichst viele Erfahrungen im Lebensraum afrikanische Savanne zu sammeln und nach Stuttgart mitzunehmen, um die Haltung der Tiere vor Ort so artgerecht wie möglich zu machen. „Ich habe mir schon so oft anhören müssen, im Zoo ist es nicht wie in der Wildnis“, sagt sie, hier wolle sie ihren Beitrag leisten. Fix geplant sei die Reise noch nicht. Aktuell suche sie noch nach einer Organisation, mit der sie vor Ort zusammenarbeiten könne. Das finanzielle Polster durch das Stipendium mache ihr die Suche aber freilich leichter.
Und bis dahin gibt es ja noch die Tiere in der Wilhelma, um die sie sich kümmern muss. Die Erdmännchen etwa freuen sich an diesem kalten Morgen über eine Extraportion Mehlwürmer und kommen dafür sogar unter der Wärmelampe hervor. Am liebsten aber hat Carolin Müller die Huftiere, die Giraffen, Zebras, Wildesel, Okapis, Antilopen und Gazellen. Schon in der Ausbildung habe sie sich bei denen am wohlsten gefühlt. „Es sind Tiere, zu denen man eine Beziehung aufbauen kann“, sagt sie. Die Bongos etwa – große und massige afrikanische Antilopen mit weißen Querstreifen – seien besonders menschenbezogen und ließen sich aus der Hand füttern. Und ja, bei so viel tierischer Zuneigung ist es wohl auch nicht schlimm, nach dem Stallbesuch etwas zu riechen.
Tierpflegerin in der Wilhelma
Die Wilhelma
nimmt fünf Azubis pro Jahr. Die Ausbildung zur Tierpflegerin oder zum Tierpfleger dauert drei Jahre. Sie läuft dual, kombiniert also die Arbeit im Ausbildungsbetrieb mit dem Besuch der Berufsschule, in dem Fall der Bertha-von-Suttner-Schule in Ettlingen. Dort werden drei Fachrichtungen angeboten: Tierheim und Tierpension, Zoo sowie die Fachrichtung Klinik und Forschung.
Ausbildung
Die Ausbildung in der Wilhelma ist beliebt. Laut dem Ausbildungsleiter Jürgen Mayer bewerben sich pro Jahr etwa 200 junge Leute im Stuttgarter Zoo um einen Ausbildungsvertrag. Genommen werden pro Ausbildungsjahr fünf. Bewerben muss man sich bis zum 31. August des Vorjahres. Voraussetzungen: mindestens ein guter Hauptschulabschluss, zudem sind Praktika von Vorteil