Das Damwild muss den Tierpark Nymphaea verlassen. Foto: Roberto Bulgrin

Der Esslinger Tierpark auf der Neckarinsel muss sich von ein paar seiner alteingesessenen Bewohner trennen. Doch eine Anschlussunterkunft ist im Tierpark Tripsdrill gefunden. Nur der Abtransport ist nicht ganz so einfach.

Die unangefochtenen Stars im Esslinger Tierpark sind sie nicht. Dieser Logenplatz in der Besuchergunst gebührt den Ziegen, meint der für die Öffentlichkeitsarbeit zuständige Christoph Kässer. Aber zu den Publikumslieblingen gehören sie in Nymphaea auf jeden Fall – allein schon wegen der Tatsache, dass sie gefüttert werden dürfen. Nun muss sich das Publikum von seinen Lieblingen verabschieden: Das Damwild verlässt die Neckarinsel.

 

Männchen hat noch eine Gnadenfrist

Noch tummeln sie sich in ihrem Freigehege. Doch den Tieren steht ein Umzug ins Haus. Wohl am Montag, 27. März, wird laut Christoph Kässer ein Tierpfleger kommen und die Weibchen mitnehmen. Das männliche Tier erhält noch eine Gnadenfrist. Es werde sein bis zu 70 Zentimeter langes Geweih im März oder April abwerfen, weiß Christoph Kässer. Dann sei es weniger angriffslustig und eine geringere Gefahr für die Tierpfleger. Zudem sei die Verletzungsgefahr für den Bock kleiner. Bei einem Transport mit Geweih könne er sich verhaken.

Die neue Heimat des Nymphaea-Damwilds ist der Tierpark beim Freizeitpark Tripsdrill bei Cleebronn im Landkreis Heilbronn. Ob es zu Revierkämpfen mit dort bereits lebenden Tieren kommen wird, ist laut Christoph Kässer schwer zu sagen. Damwild sei von seiner Wesensart her unter seinesgleichen eher friedlicher Natur. Zudem würden die Tiere außerhalb der Paarungszeit meist nach Geschlechtern getrennt leben. Die Weibchen würden sich mit ihren Jungtieren zu einer Gruppe zusammenschließen und seien vor allem mit der Aufzucht des Nachwuchses beschäftigt. Die jüngeren Männchen würden sich in Junggesellenteams zusammenfinden, während die älteren Tiere in einer Art Senioren-WG leben würden.

Eine neue Heimat

Die Nymphaea-Crew ist froh, ihrem Damwild eine neue Heimat bieten zu können. Der Kontakt zu Tripsdrill habe immer bestanden, sagt Christoph Kässer. Der dortige Tierpark habe schon einmal Jungtiere aus Nymphaea übernommen. Man kenne sich in der Branche, und ein Mitglied des Aquarien- und Terrarienvereins als Träger von Nymphaea habe gegenüber den Verantwortlichen in Tripsdrill erwähnt, dass man sich von dem Damwild trennen wolle. Dort habe Bedarf bestanden – und somit sei allen gedient.

Durch den Umzug möchte Nymphaea seinen Publikumslieblingen Stress ersparen. Das Aufzuchthaus auf dem Gelände des Tierparks stammt aus den 1960er Jahren, der Zahn der Zeit nagt an ihm, das Gebäude ist marode. Nur noch wenige Tiere leben dort, sagt Christoph Kässer. Ein paar Kleinsäuger seien dort untergebracht. Auch sie werden bald in andere Gehege verlegt. Denn das Aufzuchthaus wird abgerissen und durch ein neues, modernes Gebäude ersetzt. Die Baumaßnahme sei mit Lärm und Umtriebigkeit verbunden. Für die Zufahrt der Fahrzeuge müsse eine Baustraße angelegt werden, die quer durch das Hirschgehege führt. Das wollte man den Tieren nicht zumuten.

Gutes Übernahmeangebot

Bis Baubeginn wäre noch etwas Zeit gewesen. Doch die Verantwortlichen wollten die Gunst der Stunde nutzen, das Übernahmeangebot von Tripsdrill annehmen und so den Tieren eine gute Unterkunft bieten: „In den Tierparks in Deutschland herrscht nicht gerade ein Mangel an Damwild.“

Über Start, Zeit und Kosten der Baumaßnahme kann Kässer noch keine Angaben machen. Aber der Neubau des Aufzuchthauses sei das größte Projekt in der Geschichte von Nymphaea. Welche Tiere dort untergebracht werden, müsse noch geklärt werden. Kehrt das Damwild zurück? Auch diese Entscheidung steht in den Sternen. Das Publikum wird seine Lieblinge aber vermissen.