Der räudige Fuchs aus Kaltental Foto: privat

In jüngster Zeit werden immer wieder kranke Füchse auf den Fildern gesichtet. Doch wie gefährlich ist die Fuchsräude wirklich für Menschen und Haustiere? Ein Experte aus Aichtal (Landkreis Esslingen) gibt Antworten.

Möhringen - In Sonnenberg hat man sie jüngst gesichtet, dann in Gärten am Kaltentaler Brandenkopfweg und nun auch in Aich: Füchse, die an Fuchsräude leiden. Das Problem dabei: Die Füchse können auch Haustiere, vor allem Hunde, die mit ihnen oder ihrem Bau in Berührung kommen, anstecken. In seltenen Fällen, können sie die Krankheit auch auf Menschen übertragen. Doch wie gefährlich ist die Fuchsräude?

Vor Ansteckungsgefahr warnt auch die Stadt Aichtal auf ihrer Homepage; dort ist ein räudiger Fuchs im Stadtteil Grötzingen gesehen und fotografiert worden. Auf die Nachfrage unserer Zeitung bei der Stadt Aichtal verweist diese auf den Experten Hubert Rau, der auf der Markung zwei Jagdreviere hat und der für die Wildtierschützer Baden-Württemberg spricht. „Seit gut vier Jahren tritt die Fuchsräude immer wieder auf. Auch innerorts sieht man räudige Füchse umherstreifen“, sagt er. Von der Räudemilbe Sarcoptes scabiei, welche die Fuchsräude auslöst, die von Fuchs zu Fuchs übertragen wird und die hochansteckend ist, seien mittlerweile auch Waschbären, Marder und sogar Eichhörnchen befallen.

Weil die Tiere, wenn sie nicht behandelt werden können, in der Regel innerhalb von drei Monaten sterben, sagt er: „Offenbar reguliert sich die Natur auf diese Art und Weise.“ Obwohl sich die Fälle seiner Beobachtung nach häuften, sei es jedoch übertrieben, von einer Epidemie zu sprechen.

Jäger beobachten mehr räudige Füchse

Als ein Fuchsräude-Experte unter den Mitgliedern des Landesjagdverbands Baden-Württemberg gilt der Aichtaler Tierarzt Werner Braun. Weil er selbst Jäger ist, beobachtet er die Natur mehr als die meisten anderen Menschen und weiß, was sich in Wald und Flur tummelt. „In der jüngsten Zeit beobachtet man die Fuchsräude vermehrt“, sagt er.

Die Übertragung auf Hunde komme hauptsächlich durch den direkten Kontakt der Haustiere mit dem Fuchs zustande, wohl aber auch, wenn der Hund den Bau eines vom Parasiten befallenen Fuchses erkunden wolle. Wälze sich ein Hund aber im Fuchskot, bestehe kaum Ansteckungsgefahr. In diesem Falle sei dann eher der Fuchsbandwurm, der im Kot der Tiere vorkomme, ein Thema. „Ich habe durch die gestiegenen Fälle in meiner Praxis den Eindruck, dass die Fuchsräude bei Hunden zugenommen hat“, sagt er.

Die Tiere litten unter starkem Juckreiz, verlören Haare, die Haut entzünde sich. Die Krankheit lasse sich durch Antiparasitika in Tablettenform oder durch Spritzen behandeln. Die entzündeten Hautstellen behandele man mit Antibiotika. „Ich sehe die Krankheit häufig bei Hunden, die viel im Wald unterwegs sind und die immer mal wieder abhauen“, sagt der Veterinär. Ein Herrchen, das bemerke, dass sein Hund unter extremem Juckreiz leide, solle den Tierarzt aufsuchen, damit dieser eine Diagnose stelle.

Der Mensch ist für die Räudemilbe ein Fehlwirt

Früh entdeckt lasse sich die Fuchsräude bei Hunden, die befallen seien, gut behandeln. Die Räudemilbe sei auch, in allerdings sehr seltenen Fällen, auf Menschen übertragbar. „Ich kenne niemanden, der sich mit der Fuchsräude angesteckt hat, aber es gibt belegte Fälle“, sagt der Tierarzt. Allerdings pflanze sich die Milbe im Menschen, der im Gegensatz zu Füchsen und Hunden für die Räudemilbe ein Fehlwirt ist, nicht fort, sondern löse lediglich Pseudokrätze, eine juckende Hautkrankheit, aus. „Deshalb sollte ein Hundehalter, dessen Tier unter Juckreiz leidet, nach der Berührung die Hände waschen“, rät Werner Braun.

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