Die Einzelhaltung von Kaninchen ist laut dem Tierschutzverein Esslingen ein No-go. Zudem brauchen die Tiere viel Platz. Foto: dpa

Das Tierheim Esslingen nahm im Jahr 2025 fast 200 Tiere auf – viele davon, weil Halter überfordert sind. Besonders zu Ostern warnt der Tierschutzverein vor unüberlegten Geschenken.

Ein süßes Häschen für die Kinder zu Ostern? Diese Überlegung geht mit mehr Arbeit und Verantwortung einher, als sich die meisten Menschen bewusst sind. „Ein Tier ist kein Geschenk. Es gibt nicht mehr zu sagen“, sagt Vivian Salzburg, Vorstand für Öffentlichkeitsarbeit des Tierschutzvereins Esslingen. Der Verein betreibt auch das Tierheim Esslingen.

 

Insgesamt 184 Tiere wurden dort im vergangenen Jahr aufgenommen. Die Gründe dafür sind vielfältig: Tod des Herrchens oder Frauchens, steigende Tierarztkosten sprengen die finanziellen Möglichkeiten der Halter oder durch neue Lebensumstände kann man dem Tier nicht mehr gerecht werden.

Aber es gibt eben auch die theoretisch leicht vermeidbaren Fälle, wie Salzburg sagt: Wenn Tiere wegen Überforderung abgegeben werden, weil man sich im Vorfeld nicht richtig erkundigt hat. Bei Tiergeschenken sei dies häufig der Fall, weil sich die beschenkte Person nicht selbst dafür oder dagegen entscheiden kann, für mehrere Jahre Zeit, Fürsorge und auch Geld zu investieren.

Mensch und Tier müssen zusammenpassen

„Mensch und Tier müssen zusammenpassen“, sagt Salzburg. Viele Eltern würden zu Ostern den Kindern ein Kaninchen schenken. „Anfangs ist das total interessant, dann wird es aber vielleicht irgendwann langweilig“, sagt die Sprecherin des Vereins. „Kinder entwickeln mit der Zeit andere Prioritäten. Das ist völlig ok, es sind Kinder.“ Aber man müsse sich bewusst sein: Die Verantwortung könne ein Kind nicht allein tragen, die bleibt immer bei den Eltern hängen.

Zudem müsse man wissen, wie man die Tiere hält. „Käfighaltung ist nicht tiergerecht“, sagt Salzburg. Laut dem Merkblatt der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz beträgt die Käfigmindestgröße für zwei Kaninchen sechs Quadratmeter. „Außerdem brauchen sie täglich Frischfutter, nicht dieses Trockenfutter“, erklärt Salzburg. Die Tiere hätten einen Stopfdarm, was bedeute, dass sie permanent Stroh oder Heu für eine funktionierende Verdauung fressen müssen. Zudem dürfen Kaninchen nicht allein leben, sondern brauchen immer Gesellschaft. „Viele vergessen auch Plan B: Was passiert, wenn ich nicht mehr da bin? Beispielsweise im Urlaub oder es passiert mir etwas.“

Frisches Futter und immer mindestens mit einem anderen Kaninchen: Darauf legt das Tierheim Esslingen Wert. Foto: Tierschutzverein Esslingen

Das Tierheim Esslingen bietet Beratungsgespräche an

Zwar gebe es im Tierheim vor Ostern keinen Abgabestopp wie beispielsweise vor Weihnachten, aber es werde genau geschaut, wer in dieser Zeit mit dem Wunsch ans Tierheim herantritt, ein Tier zu adoptieren. „Oft kursieren in den sozialen Medien Vorurteile wie: ‚Ich habe kein Tier bekommen, die wollen gar keines abgeben:‘ aber das stimmt nicht.“ Es werde nur strikt darauf geachtet, ob die Lebensumstände und Vorstellungen der Interessenten mit den Bedürfnissen des Tiers vereinbar seien – das gelte natürlich für jede Vermittlung und nicht für Kaninchen in der Osterzeit.

„Viele Haustiere werden optisch ausgesucht. Aber letzten Endes wird niemand glücklich, wenn man dem Tier nicht gerecht werden kann. Im schlimmsten Fall sitzt es nach drei Monaten wieder im Tierheim.“

Für Menschen, die sich überlegen, sich ein Tier zu holen, seien unverbindliche Beratungsgespräche im Tierheim immer möglich. Und es sei auch schon vorgekommen, dass Menschen mit dem festen Wunsch, ein bestimmtes Tier zu adoptieren, gekommen seien. Nach einer Beratung seien sie aber mit einem anderen Tier gegangen und zusammen glücklich geworden.

Mehr Informationen zum Verein und dem Tierheim: https://www.tierheim-esslingen.de/