Zwischen 600 und 800 Tiere werden in der Einrichtung an der Furtwänglerstraße versorgt. Foto: Archiv Achim Zweygarth

In den vergangenen vier Wochen sind auf dem Konto des Tierheims rund 200.000 Euro eingegangen. Das Tierheim kann sich daher bis Ende Oktober über Wasser halten.

Stuttgart-Botnang - Die Spendenbereitschaft für das Tierheim in Botnang ist ungebrochen. Auch rund vier Wochen, nachdem der Tierschutzverein seine finanziell prekäre Situation öffentlich gemacht hat, ist noch nicht in Sicht, wann und wo das Spendenbarometer stehen bleiben wird. „Wir haben jetzt fast die Grenze von 200.000 Euro erreicht“, sagt die Vorsitzende des Tierschutzvereins, Angelika Schmidt-Straube. „Wir haben unheimlich viele gigantische Zuwendungen bekommen.“ Die Bandbreite der Einzelspenden reiche von 5 bis 25.000 Euro.

Auch die Viertklässlerinnen aus der Kirchhaldenschule Janna Seemüller, Florentine Weber und Katharina Schmidt waren in den vergangenen Tagen aktiv, um Geld für das Tierheim zu sammeln. „Wir haben in der Zeitung gelesen, dass die Einrichtung vielleicht bald pleite ist und schließen muss“, sagt die zehnjährige Janna. „Das darf nicht sein, haben wir uns gedacht. Da müssen wir etwas unternehmen“, ergänzt die ein Jahr jüngere Florentine. Mit dem Einrad fuhren die beiden Mädchen durch die Bauernwaldstraße in Botnang, baten Leute um Spenden und verteilen selbst gestaltete Flugblätter, die auf die Misere des Tierheims aufmerksam machen sollten. Zudem haben Janna und Florentine noch gemeinsam mit ihrer zehn Jahre alten Freundin Katharina ein kleines Benefizkonzert in der Ortsmitte gegeben. „Wir haben Flöte und Gitarre gespielt und dazu noch gesungen“, sagt Florentine. Insgesamt haben die drei Mädchen 110 Euro gesammelt, die sie am Freitag in der Einrichtung an der Furtwänglerstraße abgegeben haben. „Ich finde es toll, dass die kranken, ausgesetzten Tiere hier betreut und gepflegt werden beziehungsweise hier Unterschlupf finden“, sagt Janna. „Und ich bin sowieso eine große Tierfreundin.“

Zwei bis drei Monate länger, als zunächst gedacht

Aufgrund der großen Spendenbereitschaft der Bevölkerung kann sich das Tierheim mittlerweile bis Ende Oktober über Wasser halten, sagt Schmidt-Straube. Das seien zwei bis drei Monate länger, als zunächst gedacht, ehe auch die letzte eiserne Reserve aufgebraucht sei. Derzeit überweist die Stadt Stuttgart jährlich 200.000 Euro an den Tierschutzverein, damit er die kommunale Aufgabe übernimmt, die sogenannten Fund- und Verwahrtiere – also die ausgesetzten und beschlagnahmten Tiere – zu versorgen. Allerdings hat man beim Tierschutzverein errechnet, dass die Stadt pro Jahr zwischen 700.000 und einer Million Euro für diese Dienstleistung aufbringen müsste. „Kein Gewerbetreibender könnte eine solche Geschäftsbeziehung lange überleben“, sagt Schmidt-Straube.

Der Tierschutzverein habe offensichtlich die Stadt über einen langen Zeitraum aus Vereinsmitteln mit schätzungsweise jährlich 500.000 bis 750.000 Euro indirekt subventioniert. Das sei nur möglich gewesen, weil der Verein über Jahrzehnte hinweg immer wieder von großen Erbschaften profitiert habe, die nun aber ausgeblieben seien. „Aber unsere Dienstleistung hat ihren Preis, und den wollen wir uns künftig auch bezahlen lassen“, sagt Angelika Schmidt-Straube. Ein Angebot habe man der Stadt schon unterbreitet. „Die eleganteste Lösung wäre, wenn wir zwischen 80 Cent und 1 Euro pro Einwohner bekommen würden. Das seien zwischen 500.000 und 600.000 Euro. Derzeit entspreche die Aufwandspauschale umgerechnet aber nur 32 Cent pro Einwohner.

Bei der Stadt möchte man sich zu diesen Vorschlägen und Angeboten derzeit nicht äußern. „Wir müssen erst einmal genau nachvollziehen können, wo das Defizit des Tierschutzvereins herkommt“, sagt Hermann Karpf, persönlicher Referent von Ordnungsbürgermeister Martin Schairer. „Die Zahlen müssen transparent sein.“ Deshalb habe man noch weitere Unterlagen angefordert, wie zum Beispiel Geschäfts- und Rechenschaftsberichte der Jahre 2009 bis 2012, Gewinn- und Verlustrechnungen, den Wirtschaftsplan 2013 oder die Zahl der aktuell im Tierheim verwahrten Tiere – aufgeschlüsselt nach Arten. Bis zum 5. Juli sollen die Unterlagen bei Martin Schairer eingegangen sein. „Wir werden dann ein paar Tage benötigen, um die Unterlagen anzuschauen und werden dann zu einem ersten Gespräch laden. Das soll auf jeden Fall noch vor der Sommerpause stattfinden“, sagt Hermann Karpf. Auch die Stadt Stuttgart wolle eine vernünftige Lösung herbeiführen. Wie die aussehe, müsse man aber noch klären.

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