Ernährung per Einwegspritze: Ruppig, der Feldhase aus Stuttgart ist ein Waisentier Foto: Gottfried Stoppel

Karin Sailer, Tierfreundin aus den Berglen nahe Winnenden im Rems-Murr-Kreis, päppelt immer wieder Waisentiere auf. Derzeit nimmt sie sich eines Feldhasen an, der beim Funkhaus in Stuttgart gefunden wurde. Ruppig, so hat sie ihn getauft, gedeiht prächtig.

Berglen - Wie der Minifellknäuel an seinen Fundort gekommen ist, darüber kann Karin Sailer nur spekulieren. Sicher ist, dass der kleine Feldhase vor kurzem eines schönen Tages am Haupteingang des Rundfunkhauses in Stuttgart gesessen ist. Das Häsle, das zu diesem Zeitpunkt gerade mal 40 Gramm gewogen hat, muss Straßen und womöglich sogar Gleise der Stuttgarter Stadtbahn überquert haben.

Der umsichtige Finder sammelte das Hasenbaby mit dem braun-schwarz gesprenkelten Pelz an der Pforte des Sendegebäudes ein und brachte es ins Tierheim, das sich im Stuttgarter Stadtteil Botnang befindet.

Hier kommt nun Karin Sailer ins Spiel. Seit vielen Jahren päppelt die Tierfreundin aus Berglen nahe Winnenden im Rems-Murr-Kreis Wildtiere mit viel Geduld und Zeitaufwand auf, um sie nach ihrer Genesung wenn möglich wieder in die Freiheit zu entlassen. Die Brutzeit hat schon bei vielen Wildtieren begonnen – und so klingelt dieser Tage wieder regelmäßig das Telefon bei Karin Sailer.

Noch aber ist die Zahl der in Rettersburg, einem Ortsteil von Berglen, abgelieferten verwaisten Jungtiere überschaubar: Zwei kleine Eichhörnchen schlafen selig in einer ausgepolsterten Transportbox, in einem Behälter direkt daneben schlummert ein mausgroßes Siebenschläferkind. Sie alle füttert Karin Sailer mit einem Pulver, das sie mit warmem Fencheltee anrührt. „Eichhörnchen, Hasen, Siebenschläfer oder Dachse bekommen Katzenaufzuchtmilch, Füchse bekommen ein Pulver für Welpen“, erklärt Karin Sailer.

"Sterberate liegt bei 50 Prozent“

Die milchfarbene Flüssigkeit zieht sie in eine Einwegspritze, die mit einem Metallaufsatz, einer Knopfsonde, versehen ist. Aus dieser fließt die Milch – im Fall der Eichhörnchen und Siebenschläfer alle zwei bis drei Stunden, rund um die Uhr.

Der kleine Feldhase ist da etwas leichter zu verpflegen. „Er bekommt morgens, mittags und abends Futter – die Hasenmutter kommt auch nicht öfter“, sagt Karin Sailer, die trotzdem immer etwas Bauchschmerzen bekommt, wenn ein Hasenfindelkind bei ihr landet. Denn: „Die Sterberate liegt bei etwa 50 Prozent.“

Bei den Feldhasen sei es üblich, dass der Nachwuchs vom Muttertier tagsüber allein gelassen werde, sagt Sailer – und zwar bleibt jedes Häschen an einer anderen Stelle zurück, damit ein Feind nicht den ganzen Wurf, sondern allenfalls ein Junges entdeckt. Das Hasenkind aus dem Stuttgarter Osten, dem Karin Sailer den Namen Ruppig gegeben hat, weil es beim Hochnehmen bisweilen beißt und kratzt, gedeiht allen Befürchtungen zum Trotz prächtig. In zehn Tagen hat es sein Gewicht verdreifacht, verschmäht allerdings noch feste Nahrung wie Karotten.

Lange könne es aber nicht mehr dauern, bis auf Ruppigs Speisezettel auch Möhren, Zwieback und Löwenzahn stehen, da ist sich die menschliche Pflegemama sicher: „Sobald er ein Kilo wiegt, darf er raus.“ Allerdings soll Ruppig nicht zurück in den Stuttgarter Schlossgarten ziehen, sondern ein Rems-Murr-Bürger werden. Sie kenne da eine schöne Wiese mitten im Wald, sagt Karin Sailer.

Mehr Informationen unter www.tierstation-arche.de

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