Tieren droht der Hungertod Eichhörnchenhilfe schlägt nach Hitzesommer Alarm

Von Alexandra Belopolsky 

Nach dem Rekordsommer mit langen Hitzeperioden droht den Eichhörnchen in Deutschland im Winter das Futter auszugehen. Die Eichhörnchenhilfe Stuttgart ruft dazu auf, Nüsse für die kleinen Tiere zu sammeln.

Vom Wetter verwirrt: Eichhörnchen brauchen Hilfe, um den Winter zu überstehen.Foto: dpa

Stuttgart - „Das Risiko, dass Eichhörnchen den Hungertod sterben, ist sehr hoch“, sagt Fabienne Widera von der Eichhörnchenhilfe Stuttgart. Grund dafür ist der Sommer 2018, der so heiß wie selten zuvor ausgefallen ist. In Folge der Rekordhitze dieses Jahres sind Nüsse früher als sonst reif geworden. Wochen vor ihrer üblichen Reifezeit sind Haselnüsse und Walnüsse bereits am Boden unter den Bäumen zu finden.

Für die Eichhörnchen ist es allerdings noch zu früh, um ans Nüssesammeln für den Winter zu denken – aktuell kümmern sie sich noch um den Nachwuchs. „In der Regel bekommen Einhörnchen zwischen Februar und Ende August Nachwuchs“, sagt Widera. „Wir vermuten aber, dass dieses Jahr, durch die hohen Temperaturen, die Saison für Nachwuchs noch nicht zu Ende ist.“ Bis die Tiere dazu kommen, Wintervorräte zu suchen, können die reif gewordenen Nüsse bereits von der Stadtreinigung weggeräumt sein.

Die Eichhörnchenhilfe Stuttgart ruft die Menschen daher dazu auf, den Eichhörnchen zu helfen. Wer es kann, sollte gefallene Nüsse sammeln, bevor sie in die Mülltonnen entsorgt werden. Diese kann man später an Orten legen, an denen die Eichhörnchen sie wieder finden können.

Dies gelte vor allem Baumhaseln, die häufig in der Stadt wachsen und bereits Früchte tragen, die von den Bäumen fallen. Die grünen, etwas klebrigen Früchte haben im Inneren Nusskerne. Die Eichhörnchen warten meist, bis die Früchte trocken sind, um einfacher an die Kerne zu kommen – bis dahin kann allerdings die Stadtreinigung sie schon entsorgt haben.

Daher sind Bürger aufgerufen, die gefallenen Baumhaselfrüchte zu sammeln, zu Hause zu trocknen und den Eichhörnchen im Winter als Futter hinzulegen. Weil die Früchte kleben, empfehle es sich, die Baumhaseln mit Handschuhen oder einer Tüte zu sammeln. Dabei brauche man keine Angst haben, den Tieren das Futter wegzunehmen, erklärt Widera – man dürfe aber die Bäume nicht leerzupfen.

Wichtig: Das Futter sicher zu platzieren

Bevor die Baumhaselnüsse den Einhörnchen wieder angeboten werden, sollte man sie vorher zu Hause trocknen. Dafür legt man sie flach auf Zeitungspapier oder in eine Kiste. Am besten draußen – auf dem Balkon, der Terrasse oder im Garten. Sobald die Hülle braun und stachelig wird, fallen aus den meisten Früchten die Nüsse von alleine raus. Wenn es nicht passiert, sagt Widera, „kann man einfach drüber laufen, um die Finger zu schützen“. Danach sollte man die Nüsse noch ein bis zwei Tage trocknen lassen. Die Nüsse sollte man an einem kühlen und trockenen Ort lagern – auf keinen Fall im feuchten Keller.

„Optimal wäre, die Nüsse wieder dort hinzulegen, wo man sie gesammelt hat“, sagt Widera. Wenn der Baum aber an einem Ort steht, an dem die Eichhörnchen zunächst eine Straße überqueren müssen, sei es besser, die Nüsse etwas entfernt an einer sicheren Stelle hinzulegen – damit die Tiere nicht auf dem Weg dahin sterben. „Ich sehe wöchentlich überfahrene Eichhörnchen“, sagt Widera. „Sie gucken weder links noch rechts. Je sicherer die Nüsse platziert sind, desto besser“. Mit ihrer empfindlichen Nase würden die Hörnchen schon mitbekommen, wo das Futter liegt.

Freuen würden sich Eichhörnchen auch über die Samen aus Tannenzapfen, Pilzen, Hagebütten, Bucheckern und alles was sie sonst im Herbst an Nüssen und Beeren in der Natur finden. Von Mandeln und Erdnüssen rät Widera jedoch ab – sie seien für die Tiere eher ungesund. Auch Eicheln würden Eichhörnchen, trotz Namen und breitverbreitetem Glauben, so gut wie nie essen.

„Wir freuen uns über jeden, der nicht nur sammelt, sondern auch einen Futterautomaten aufhängt, um unsere Vögel und Eichhörnchen zu versorgen“, sagt Widera. „Wenn die Eichhörnchen dieses Jahr nicht zugefüttert werden und im Winter keine Nahrung finden, besteht ein großes Risiko, dass sie den Winter nicht überleben.“