Ein tödlicher Wildunfall bei Winterbach befeuert die Debatte um die Hundehaltung. Ein Peta-Sprecher erklärt, warum solche Dramen entstehen und wie man sie verhindern könnte.
Auf der B 29 bei Winterbach (Rems-Murr-Kreis) ist es am vergangenen Dienstag zu einem folgenschweren Zwischenfall gekommen. Ein Hund hatte ein Reh auf die Bundesstraße gejagt – mindestens ein Autofahrer musste auf der linken Fahrspur eine Vollbremsung einlegen. Für das Wildtier endete die Flucht dramatisch: Es erlitt so schwere Verletzungen, dass Polizeibeamte es töten mussten.
Nach bisherigen Informationen war der Hund mit einer Frau unterwegs gewesen, bevor er das Reh aufspürte und verfolgte. Die Hundehalterin muss mit einer Anzeige rechnen. Das Polizeirevier Schorndorf ermittelt.
Peta fordert verpflichtenden Hundeführerschein in Baden-Württemberg
Der Vorfall ruft nun die Tierrechtsorganisation Peta auf den Plan. Sie fordert die Landesregierung in Baden-Württemberg auf, einen verpflichtenden Hundeführerschein einzuführen. „Solche Situationen entstehen, weil grundlegendes Wissen über Hundeverhalten, Körpersprache und Verantwortung fehlt“, sagt Björn Thun, Fachreferent bei Peta. Nicht die Hunde seien das Problem, sondern die Unwissenheit der Menschen. Ein Hundeführerschein sei längst überfällig.
Er würde Halterinnen und Haltern die Mittel an die Hand geben, um derartige Vorfälle zu vermeiden, so Thun weiter. Egal, ob er einer ‚Rasse‘ angehört oder ein ‚Mix‘ ist – jeder Hund, der falsch gehalten, missverstanden oder schlecht behandelt wird, kann für Mensch und Tier gefährlich werden.“
Nach Angaben der Tierrechtsorganisation befürworten 68 Prozent der in Deutschland lebenden Erwachsenen einen verpflichtenden Hundeführerschein. Das sei das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage vom August 2023, die im Auftrag der Organisation durchgeführt worden war. Das Konzept: Wer künftig einen Hund halten möchte, soll bereits vor der Anschaffung einen Theoriekurs absolvieren. Dort geht es um Grundlagen einer tiergerechten Haltung, um Körpersprache, Bedürfnisse und Kommunikation von Hunden. Im Anschluss ist ein verpflichtendes Praxisseminar vorgesehen, das Halter und Hund gemeinsam in einer Hundeschule durchlaufen.
Hundeführerschein soll Konflikte verhindern
Ein solcher Nachweis könne dazu beitragen, dass Hundehalter die Signale ihres Tieres besser verstehen und verantwortungsvoll handeln. Nach Ansicht von Peta ist eine verlässliche Kommunikation zwischen Mensch und Hund ein zentraler Baustein, um Konflikte und mögliche Beißvorfälle wie jüngst auf der B 29 bei Winterbach zu verhindern.