Wanderer kämpfen sich gegen den Sturm auf den Brockengipfel. Am Vormittag war das Sturmtief Kirsten über die höchste Erhebung des Harzes gezogen. Dort erreichte der Sturm in Böen über 100 Kilometer pro Stunde. Foto: dpa/Klaus-Dietmar Gabbert

Sturmtief „Kirsten“ und seine Ausläufer ziehen über Deutschland. In vielen Regionen hat das den Verkehr gestört und Schäden verursacht. Ein Problem: mangelnde Widerstandskraft der Bäume.

Offenbach - Sturmtief „Kirsten“ und seine Ausläufer haben am Mittwoch für ungemütliches Wetter in großen Teilen Deutschlands gesorgt. Teils mussten Straßen und Bahnstrecken gesperrt werden, einzelne Menschen wurden von herabfallenden Ästen und Bäumen verletzt.

Da die Bäume derzeit noch voller Laub sind, bieten sie dem Wind eine große Angriffsfläche, hatte der Deutsche Wetterdienst (DWD) schon vor der „ersten herbstlichen Sturmlage des Jahres“ erklärt. Während im Winter Bäume im Allgemeinen erst ab Windstärke 10 klein beigeben, reiche im Sommer dafür oft schon Windstärke 9 mit etwa 80 Kilometern in der Stunde. Dazu komme in einigen Regionen die Trockenheit der vergangenen Wochen, die die Wälder sehr geschwächt habe.

Der DWD rechnete für Mittwoch mit stürmischen Böen oder Sturmböen in nahezu ganz Deutschland, die sich mit bis zu 89 Kilometern in der Stunde bemerkbar machen sollten. Im Bergland sowie in einzelnen Tallagen seien durch „Kirsten“ auch schwere Sturmböen möglich, in exponierten Gipfellagen Orkanböen, hieß es am Morgen.

Baum stürzt auf Stadtbahn

In Karlsbad bei Karlsruhe stürzte am Vormittag ein Baum auf eine Stadtbahn. Weder der Fahrer noch die Fahrgäste seien dabei verletzt worden, sagte ein Sprecher der Polizei. Vermutlich sei der rund 40 Zentimeter dicke Baum von einer Sturmböe erfasst worden.

In Nordrhein-Westfalen sorgten umgestürzte Bäume bereits am Morgen für Bahnstreckensperrungen bei Köln, Ennepetal und Dortmund. Bei Dortmund-Aplerbeck ließ die Deutsche Bahn nach eigenen Angaben einen Nahverkehrszug evakuieren. Rund 100 Reisende mussten demnach den Regionalexpress verlassen, weil er wegen eines auf dem Gleis liegenden Baumes nicht weiterfahren konnte. Auch in Mittelfranken und Oberbayern blockierten umgestürzte Bäume einzelne Zugstrecken.

Im niederrheinischen Hünxe erlitt eine Autofahrerin leichte Verletzungen, als ihr ein Baum auf die Motorhaube fiel. In Kleve wurde ein Motorradfahrer laut Polizei durch einen herabfallenden Ast verletzt. Auch wurde ein herumfliegendes Trampolin gesichert. Auf der Autobahn 44 kippte ein Lastwagen auf der Autobahn um, die Strecke in Richtung Aachen wurde gesperrt.

Tief „Kirsten“ im Norden harmlos

Wegen der erhöhten Gefahr durch umstürzende Bäume blieben unter anderem der Zoo in Wuppertal und Wildparks in Köln und Düsseldorf aus Sicherheitsgründen zu. In verschiedenen Städten sperrte die Verwaltung Friedhöfe, unter anderem in Erfurt, Würzburg und München. Auch in Hannover wurden Freiflächen und der Tiergarten geschlossen.

Der Norden kam zunächst glimpflich davon: Obwohl „Kirsten“ vor allem in Ostfriesland und an der dortigen Nordseeküste kräftig wehte, sei die Feuerwehr nur vereinzelt wegen umgestürzter Bäume ausgerückt, hieß es. Bis zum frühen Nachmittag waren die Wetterfolgen in Niedersachsen und Bremen aus Sicht von Polizei und Feuerwehr überwiegend harmlos.

Trotz des Windes setzten große Fähren an der Nordseeküste zunächst ohne Einschränkungen zu den Ostfriesischen Inseln über. „Wir fahren planmäßig. Wir kommen bei der Sturmstärke zwar an die zehn dran, das ist aber nichts, was wir nicht gewöhnt sind“, sagte Fred Meyer, Sprecher der Reederei Norden-Frisia, die Fahrten nach Norderney und Juist anbietet. Nur die kleinen Aluminium-Schnellboote der Reederei sollten - ebenso wie bei Töwerland-Express mit seinen Fahrten nach Juist und Baltrum - für diesen Tag im Hafen bleiben. Die AG Ems stellte Fahrten mit dem leichteren Katamaran nach Borkum ein.

Erneut wechselhaftes Wetter ab Freitag

An diesem Donnerstag soll sich das Wetter in Deutschland nach den ersten herbstlichen Stürmen wieder beruhigen. Tief „Kirsten“ zieht Richtung Baltikum, wo es sich weiter abschwächt, wie der Deutsche Wetterdienst mitteilte. In der Nordhälfte Deutschlands werden Temperaturen zwischen 17 und 21 Grad erwartet, dazu kann es vereinzelt Schauer geben. Nach Süden hin bleibe es trocken und zumeist freundlich. Bei Temperaturen bis 25 Grad komme häufiger die Sonne durch.

Bereits am Freitag bringt Tief „Lynn“ laut DWD erneut wechselhaftes Wetter nach Deutschland, allerdings mit deutlich weniger Wind.

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