Obwohl das Spiel VfB Stuttgart gegen Dynamo Dresden ausverkauft war, war es für die Tickethändler am Stadio kein guter Tag. Foto: Lichtgut/Michael Latz

Die Händler vor dem Stadion schimpfen auf die Ticketbörsen im Internet – und haben Schwierigkeiten, ihre Kontingente unters Volk zu bringen.

Stuttgart - Für Schwarzmarkthändler, die ihre Tickets für das Zweitligaspiel VfB Stuttgart gegen Dynamo Dresden am Sonntag gewinnbringend veräußern wollten, war kein wirklich guter Tag. Zumindest am Ort des Geschehens nicht: Die hohe Polizeipräsenz bei dem Hochrisikospiel mache es schwierig, dass Angebot und Nachfrage zusammenkommen, hieß es.

„Suche Karten“, steht auf dem Schild eines vermeintlichen Interessenten, der aber, wenn man ihn fragt, auch Karten zum Verkauf anbietet. Sein Ziel: Karten günstig einkaufen und sie an wirkliche Interessenten teuer weiterverkaufen. Da nicht legal ist, was er tut, gibt der Mann zwar keine persönlichen Informationen preis. Aber warum es für ihn „heute nicht so gut läuft“, ist er gerne bereit zu erzählen.

Polizei sieht andere Prioritäten

„Durch das riesige Polizeiaufgebot heute haben die Leute Angst, dass sie erwischt werden könnten“, sagt er. Damit scheint der Händler recht zu haben: Wer vor der Mercedes-Benz-Arena Karten sucht, schaut sich lieber noch mal um, bevor er in die Verhandlungen geht. So ist es bei einigen zu beobachten, die ihr Glück kurz vor Anpfiff noch schnell versuchen.

Dabei ist die Sorge bei Risikospielen wie diesem vielleicht nicht wirklich begründet. „An einem solchen Tag haben wir ganz andere Prioritäten“, sagt Stefan Keilbach, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Stuttgart. Was nicht heiße, dass Verstöße nicht geahndet würden. Der Fokus der Beamten sei aber auf die Sicherheit gerichtet.

Im Internet teurer als auf der Straße

Ein Problem, das einem anderen Händler zu schaffen macht, ist das Internet. „40 bis 50 Euro – für mehr bekomme ich meine Tickets hier nicht los“, sagt er. Viel zu verdienen sei damit nicht. Beim offiziellen Ticketshop des VfB Stuttgart liegen Plätze in den gleichen Kategorien nicht weit darunter.

Doch nicht nur vor dem Stadion, sondern auch im Internet gibt es einen Eintrittskartenmarkt. Bei der umstrittenen Ticketbörse Viagogo kam es am Samstagmittag zu Verzögerungen beim Laden der Seite. Es wurde vermeldet, dass ziemlich viel los sei und darum mit Verzögerungen gerechnet werden müsse. Wer da noch an Tickets kommen wollte, musste – je nach Block – mit 50 bis 70 Euro rechnen. Das ist zwar mehr, als die Fußballtickets auf der Straße kosten. Aber offenbar fühlen sich viele in der Anonymität des Internets wohler und schlagen darum lieber dort zu.

VfB-Tickets bis zu 180 Euro

Die letzten Tickets, die es dort für VfB-Spiele in dieser Saison gibt, können teurer werden: Am Donnerstagabend wurde auf Viagogo eine Karte in der Cannstatter Kurve für die Begegnung Stuttgart – Würzburg, das letzte Spiel, für 180 Euro angeboten.

Aber auch beim nächsten Heimspiel des VfB gegen Karlsruhe neigt sich der Vorrat dem Ende zu. Nur noch um die hundert Karten werden bei der Börse angeboten.

Der VfB hält sich in aller Regel etwas bedeckt, wenn er mit Viagogo konfrontiert wird. Zwar sagt der Verein, dass er gegen die Ticketbörse vorgehen wolle. Aber bei Details hält er sich zurück – und verweist darauf, seine Strategie nicht öffentlich preisgeben zu können. Der Händler vor dem Stadion hat eine andere Theorie: „Das ist denen doch egal. Hauptsache, die kriegen ihre Karten verkauft – egal, wie die dann weiterverkauft werden.“

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