Roland Bernhard: Der Böblinger Landrat macht sich für das THW stark. Foto: Simon Granville

Der Böblinger Landrat Roland Bernhard fordert von der neuen Bundesregierung, Gelder für das Technische Hilfswerk freizugeben. Davon würde auch das Leonberger THW profitieren.

Pünktlich zum anstehenden Maibockfest des Leonberger Ortsverbandes des Technischen Hilfswerks (THW) könnte Bewegung in ein Thema kommen, das den Verantwortlichen bei den freiwilligen Helfern schon lange auf den Nägeln brennt: die Frage, wie es in Sachen Unterkunft weitergeht. Eine neue Bleibe ist seit Jahren geplant und wird dringend benötigt, da der aktuelle Standort an der Mollenbachstraße im Süden Leonbergs inzwischen aus allen Nähten platzt.

 

Neue THW-Unterkunft: Landrat schreibt an die Verantwortlichen

Nun hat sich der Böblinger Landrat Roland Bernhard mit einem Schreiben an die Präsidentin des Technischen Hilfswerks (THW), Sabine Lackner, und die Bundestagsabgeordneten der künftigen Regierungsparteien, Jasmina Hostert (MdB) und Marc Biadacz (MdB) gewandt. Hintergrund: Den Bau, über den seit langer Zeit immer wieder gesprochen und diskutiert wird.

Das THW Leonberg selbst hatte frühzeitig in Abstimmung mit Stadt und Landkreis nach einer besseren Unterkunft gesucht. Als die Straßenmeisterei des Landkreises 2024 vom Areal im Niederhofen nach Magstadt verlegt wurde, war eine ideale Liegenschaft frei – weitläufig und zentral gelegen, sodass nicht nur genügend Platz zur Verfügung steht, sondern das Gelände auch für Jugendliche gut erreichbar ist.

Die Fläche der Ex-Straßenmeisterei gehört dem Land

Das Land Baden-Württemberg als Eigentümer hatte sich in der Angelegenheit grundsätzlich bereit erklärt, die Liegenschaft dem Bund zu übertragen. Erste Baugrunduntersuchungen wurden gestartet. Dann stockte der Prozess aber, weil alle Liegenschaftsprojekte des THW mit Blick auf die prekäre Haushaltslage des Bundes gestoppt wurden. „Meines Wissens standen ungefähr 300 Projekte auf der Liste und alles wurde gestrichen, wenn es nicht sowieso schon im Bau war“, sagt Daniel Lok, seit Anfang des Jahres Ortsbeauftragter in Leonberg. Der Umzug seines Ortsverbandes war auf jener Liste nicht zu finden.

„Landrat Roland Bernhard sieht nun eine Chance in der Änderung des Grundgesetzes mit Blick auf Kreditaufnahmen für Ausgaben für Verteidigung sowie Zivil- und Bevölkerungsschutz“, heißt es in einer Pressemitteilung des Landkreises Böblingen. „Die künftige Bundesregierung bekennt sich im Koalitionsvertrag klar zum THW, welches gestärkt werden und in dessen Fähigkeiten und Ausstattung nachhaltig investiert werden soll“, wird Bernhard zitiert. Sollte somit auch dem Neubau und Umzug des THW Ortsverbands Leonberg nichts mehr im Wege stehen? Der Landrat fordert: „Das Projekt einer neuen Unterkunft in Leonberg sollte freigegeben werden im Vorgriff auf die in Kürze ergehende Haushaltsgesetzgebung des Bundes.“

Ölschäden: Die THW-Fachgruppe ist in Leonberg ansässig und landesweit im EInsatz (wie hier in Rudersberg). Foto: THW Leonberg

Die Zahl der Ehrenamtlichen, und damit verbunden auch der Fähigkeiten, Zuständigkeiten und Gerätschaften ist ungewöhnlich hoch in Leonberg. „Wir sind in den vergangenen Jahren extrem gewachsen“, betont auch Daniel Lok. Der Ortsverband hat derzeit 90 aktive Helfende und 25 Mitglieder in zwei Jugendgruppen. Hinzu kommen etwa zehn Mitglieder der Alters- und Ehrengruppe. Die Leonberger Jugendgruppe hat sich in zahlreichen Landes- und Bundeswettbewerben einen Namen gemacht.

Der ganze Ortsverband hat stetig an Aufgaben hinzugewonnen

Generell hat der ganze Ortsverband stetig an Aufgaben dazu gewonnen – was auch mit dem derzeitigen weltpolitischen Klima zusammenhängt. „Das Thema Zivilschutz wird immer aktueller. Und dafür müssen wir auch Material und Verbrauchsgüter vorhalten.“ Mit der alten Unterkunft werde das immer schwieriger.

Auch zwei Fahrzeuge und ein Anhänger stehen derzeit zwangsläufig im Freien, da es in der Halle keinen Platz mehr gibt. Für Material hat man außerdem seit einiger Zeit ein Lager zwei Häuser weiter angemietet.

Auch die Helfenden selbst müssen sich inzwischen in die Räumlichkeiten quetschen – was auch an den wachsenden Aufgaben liegt. Ein Beispiel ist die Fachgruppe Ölschadensbekämpfung, die landesweit zum Einsatz kommt, aber in Leonberg angesiedelt ist. „Der Ortsverband Leonberg ist fast ein Opfer der eigenen tollen Arbeit, denn die Situation vor Ort genügt nicht dem Bedarf, den man hat“, so Bernhard.

90 Spinde im Männer-Umkleidebereich – mehr geht nicht

Konkret bedeutet das: In den Umkleidebereich der Männer hat das THW inzwischen 90 Spinde gepresst. „Mehr passen nicht mehr rein“, betont Daniel Lok. Auch die Büros und der Lehrsaal seien inzwischen viel zu klein. „Wir sind am Ende unserer Kapazität angelangt“, so der Ortsbeauftragte.

Lok hegt die Hoffnung, dass die neue Regierung das THW stärke, „auch den Liegenschaftsteil“. Schnell den ersten Schritt zu machen, sei in der Angelegenheit sehr wichtig. „Damit wir noch dieses oder vielleicht nächstes Jahr das Gelände für die nächsten Schritte übernehmen können.“

THW in Deutschland

Helfende
88 000 ehrenamtliche und 2200 hauptamtliche Helfer sowie 800 Personen im Bundesfreiwilligendienst engagieren sich bundesweit im THW. Es gibt 668 Ortsverbände, 66 Regionalstellen und acht Landesverbände. Die THW-Leitung sitzt in Bonn.

Leitung
Die THW-Leitung sitzt in Bonn.