Thompson, im Krieg mit eben einer solchen bewaffnet, besingt seine Liebe zu Kroatien. Foto: Ott

Im Hot Spot wird am Wochenende der umstrittene kroatische Musiker Thompson spielen. Manche meinen, er sei ein Patriot, andere ein Faschist. Der Verwaltung ist die ganze Angelegenheit ein Dorn im Auge. Die Polizei bleibt gelassen.

Filderstadt - Man muss schon verstehen, dass die Kroaten ein ganz besonders stolzes Volk sind. Schließlich haben sie vor gerade einmal zweieinhalb Jahrzehnten mit dem Gewehr in der Hand ihr junges Land verteidigt. Nur so lässt sich nämlich auch verstehen, warum ein Musiker, der damals mit einer Maschinenpistole Marke Thompson im Schützengraben lag, auf Heimat machen kann, obwohl seine Liedtexte nicht nur für deutsche Ohren teils doch ziemlich nationalistisch daherkommen. Auch so manche Kroaten fühlen sich an die rechtsextreme Ustascha-Bewegung erinnert und kreuzen gerne mit entsprechenden rechten Insignien bei den Konzerten auf.

Am Freitag und Samstag wird Thompson – er nennt sich tatsächlich so – zwei Konzerte im Club Hot Spot in Bernhausen geben und damit zum ersten Mal seit längerer Zeit wieder in Deutschland singen. „Die Kroaten lieben ihn, weil er heimatverbunden ist“, sagt Maria Maric von der Eventagentur Urnebes, die das Konzert organisiert. Er singt gern über die Liebe, wahlweise zu Frauen oder seinem Land. In seinen Texten gehe es „um unsere Kultur, um unser Essen, unser Meer“, sagt Maric. Mag schon sein, meinen andere, und sehen es trotzdem ganz anders. In seinen Texten gehe es nämlich um Ideen wie Blut und Boden oder Frauen an den Herd. Was die Eventmanagerin so nicht sieht. „Er leidet unter seinem schlechten Ruf“, sagt Maric.

In Liebe zu seinem Land

Ob er nun ein missverstandener Künstler ist oder nicht, die Filderstädter Verwaltung jedenfalls hat eine ziemlich eindeutige Meinung zu dem Thema. „Wir möchten nicht, dass solche Konzerte in Filderstadt stattfinden“, sagt Ellen Schweizer, die Pressesprecherin der Großen Kreisstadt. Da spreche sie auch ganz explizit für ihren Oberbürgermeister Christoph Traub, betont sie. „Wir hatten aber keine rechtlichen Möglichkeiten, dagegen etwas zu unternehmen.“ Es fehlte schlicht die Handhabe, die Konzerte nicht zu genehmigen, obwohl sich mehrere Ämter mit dem Thema beschäftigt hatten.

Radikale Fans haben keine Chance

Zwei Familienkonzerte mit jeweils 300 Gästen soll es also geben, am Wochenende, und tatsächlich ist es nicht unüblich, dass wirklich ganze Familien kommen, wenn der Musiker auf der Bühne steht. Aber eben nicht nur. Man habe sich ganz genau angeschaut, wer denn da Karten kaufen will, meint Maric. Bei einem Interessenten etwa hätten die Veranstalter „auf der Facebook-Seite verfassungswidrige Zeichen erkannt“, sagt sie. Dieser habe dann keine Karten bekommen. „Hinter solchen Fans stehen wir nicht.“ Wer zu dem Konzert mit entsprechenden T-Shirts erscheint, hat sich umsonst auf den Weg gemacht. Das gilt auch für diejenigen, die noch an der Abendkasse ihr Ticket lösen wollen. Denn diese gibt es gar nicht, „um Tumulte vor der Tür zu vermeiden“.

Stattdessen streicht die Frau von der Eventagentur heraus, dass sich Thompson, mit bürgerlichem Namen übrigens Marko Perkovic, sozial engagiere. Immer wieder setze er sich für Kinder oder Behinderte ein. So auch am Wochenende. „Es wird Geld für ein 15-jähriges Mädchen gesammelt, das an MS leidet“, sagt Maric.

Die Polizei ist gewappnet, aber entspannt

Sein bekanntestes Lied „Bojna Cavoglave“ wird der Sänger nicht spielen. Der Ohrwurm war damals sein Durchbruch, im Krieg, nicht nur wegen der eingängigen Melodie. Das Lied beschreibt die Kämpfer aus Cavoglave, die sich den Serben entgegenstellen. Brüder, die ihre Heimat verteidigen. Zu seiner Zeit völlig verständlich, dass es der Titel zu Ruhm brachte. Gern wird er halt aber auch mit dem Schlachtruf der kroatischen Ustascha eingeleitet. Die Milizionäre standen im Zweiten Weltkrieg firm an der Seite des Deutschen Reichs.

Der Polizei wird derweil nicht wirklich bang. „Wir haben keine Erkenntnisse, dass es Störungen geben soll“, sagt Josef Hönes vom zuständigen Polizeipräsidium Reutlingen. „Wir werden an den beiden Tagen aber mit dem Veranstalter in Kontakt stehen.“ Ausreichend Beamte sind an dem Wochenende ohnehin im Einsatz, „wir halten genügend Personal vor“, sagt Hönes.

Denn auf der Landesmesse wird es zeitgleich noch eine größere, obschon unkritischere Veranstaltung geben. Dort werden von Samstag auf Sonntag nämlich bis zu 18 000 tanzwillige Freunde der elektronischen Musik erwartet. Auf dem Stuttgart Electronic Music Festival, kurz SEMF, wollen die Techno- und House-Fans von 20 Uhr an die ganze Nacht bis in die frühen Morgenstunden durchtanzen.

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