Maureen Kösters kommt an kalten Freitagen mit ihren Kindern Kaja und Maiko in die Thomaskirche. Klaus-Dieter Glaser, Leiter der Begegnungsstätte, organisiert dort den Winterspielplatz. Foto: Alessa Becker

Die Thomaskirche in Stuttgart-Kaltental wird freitags zum Winterspielplatz. Eltern können sich kennenlernen, während ihre Kinder toben. Wir haben uns einmal umgeschaut.

Kaltental - Maureen Kösters sitzt mit ihren Kindern auf dem Boden. Drüben in der Ecke steht Kaffee, aber Töchterchen Kaja serviert ihrer Mutter lieber etwas Unsichtbares aus der Puppentasse. Draußen ist es bitterkalt. „Bei diesen Temperaturen könnten wir nicht auf den Spielplatz gehen“, sagt Kösters. Aber den ganzen Tag zu Hause sitzen, ist auch keine Lösung. „Da wird man ja verrückt.“ Also ist sie mit ihren zwei und vier Jahre alten Kindern an diesem Nachmittag in die Thomaskirche gekommen. Noch bis zum 16. März gibt es dort jeden Freitag von 14 bis 17 Uhr ein Winterspielplatz. Eltern können sich mit Tee oder Kaffee aufwärmen, die Kleinen nach Herzenslust toben.

„Für meine Kinder ist es in dem großen Raum wie auf einer Party“, sagt Kösters und lacht. Die Partymusik dazu kommt aus einem CD-Player: „Wo ist der Daumen? Guten Tag Herr Daumen“. Kaja und Maiko tanzen munter im Takt. Das ruhige Kaffeekränzchen wird schnell beendet. Kaja findet die Rutsche am Ende des Raumes besonders aufregend und düst auf einem Bobbycar dorthin, während Maiko es auf das Bällebad abgesehen hat.

Eltern können sich austauschen

In dem Raum im Untergeschoss, wo für gewöhnlich Konfirmandenunterricht, Musikunterricht und Sprachkurse stattfinden, bringen Kaja und Maiko nun Übermut und Leben rein. „Die Räumlichkeiten, die wir haben, sollen allen zur Verfügung stehen“, sagt Klaus-Dieter Glaser. Er ist der Leiter der Begegnungsstätte und Organisator des Winterspielplatzes. Zwischen acht und 16 Kinder im Alter von ein bis fünf Jahren toben sich wöchentlich bei dem kostenlosen Angebot aus. „Ich wohne nur fünf Minuten entfernt und sehe das auch als Chance, andere Mütter in der Nachbarschaft kennenzulernen“, erklärt Kösters. Sie lebt seit zehn Jahren in Deutschland. Nur ein leichter Akzent erinnert noch an ihr Heimatland, die USA. Sie ruft ihren Kindern etwas auf Englisch zu. Kaja und Maiko reagieren sofort, sie werden zweisprachig erzogen.

„Früher haben sich die Nachbarskinder einfach draußen zum Spielen getroffen, das geht heute nicht mehr so leicht, wenn sie den ganzen Tag im Kindergarten sind“, sagt Klaus-Dieter Glaser. Er hat einen Großteil der Spielsachen für den Winterspielplatz selbst beigesteuert. Einst gehörten sie seinen eigenen Kindern, die nun längst Jugendliche sind. „Für uns ist wichtig, dass die Leute in Kaltental über die Gartenzäune hinweg in Kontakt treten, das ist eine Frage der Nächstenliebe.“ Eigentlich sei er schwerpunktmäßig für die Seniorenarbeit zuständig. „Aber auch die Stadt richtet ihre Bezuschussung mittlerweile immer mehr auf generationenübergreifende Arbeit und Familienarbeit“, erklärt er.

Kinder können mit Gleichaltrigen toben

In anderen Gemeinden wurde die Idee eines Winterspielplatzes schon früher verwirklicht. „Es wurde höchste Zeit.“ Denn früher sei die Thomaskirche ein Vorreiter in Sachen Familienarbeit gewesen. „In den 70er Jahren war sie eine der ersten Kirchen, in denen Eltern-Kind-Spielgruppen angeboten wurden“, erzählt Glaser. Damals gab es noch nicht die Möglichkeit einer Kinderbetreuung vor dem Kindergartenalter. „Das war damals Frauensache, wohingegen heute durchaus auch Väter mit ihren Kindern zu unserem Winterspielplatz kommen“, sagt Glaser. Ihm ist wichtig, dass die Kinder Gleichaltrige treffen. „Und an kalten Tagen wie heute sollten sie nicht zu Hause vor dem Fernseher ruhig gestellt werden.“

Maureen Kösters stimmt ihm zu. „Ich finde das Angebot sehr hilfreich“, sagt sie. Und auch Maiko und Kaja scheinen da einer Meinung zu sein. Die Kinder toben und tanzen durch den Raum und freuen sich ganz offensichtlich über den neuen Spielplatz im Warmen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: