Liebe auf den ersten Blick: Lisa Müller will auf D’avie Erfolge holen. Foto: imago/Sven Simon

Mit ihrem neuen Paradepferd wartet die Frau des Bayern-Spielers noch auf den sportlichen Erfolg – in der Zucht hat sie ihn schon.

Donaueschingen - Die Schleyerhalle am 16. November 2019. Thomas Müller reckt seine Faust in die Höhe, fuchtelt wild mit den Armen umher, als hätte er das entscheidende Tor erzielt für seinen FC Bayern. Doch seine Siegerpose und der kräftige Applaus von den Tribünen gelten seiner Frau Lisa – die hat mit Bravour im Sattel ihres zwölfjährigen Oldenburgers Stand by me, Kosename Stedi, den Grand Prix gewonnen. Isabell Werth, ihre Trainerin und ihr großes Vorbild, hat auf Emilio keinen guten Tag, wird am Ende nur Vierte. Für Lisa Müller ist es ihr bis dato größter Erfolg, ihr Siegesritt kursiert bis heute im Internet. Bundestrainerin Monica Theodorescu beruft sie in den Perspektivkader – Lisas Traum, ein Startplatz beim legendären Chio in der Aachener Soers, könnte 2020 Wirklichkeit werden. Aber alles kommt ganz anders.

 

Jetzt, knapp zwei Jahre nach ihrem viel beachteten Erfolg von Stuttgart, sitzt Lisa Müller beim Traditionsturnier im Schlosspark zu Donaueschingen am Rande der Dressurarena. Sie sagt: „2020 wollte ich durchstarten, aber die Pandemie hat auch mir einen Strich durch die Rechnung gemacht. Etwas Gutes hatte es allerdings: Mein Stedi, das Siegerpferd von Stuttgart, hat sich im Frühjahr 2020 auf der Koppel verletzt – er brauchte lange Schonung, erst seit einigen Wochen ist er wieder im Training, in nächster Zeit soll er erste Turniere gehen, damit wir sehen, wie er sich zurechtfindet.“ Den Traum vom Start beim Chio in Aachen, so sagt die 31-Jährige mit leuchtenden Augen, „diesen Traum hege ich nach wie vor“.

Dieser Fuchshengst sei eine Persönlichkeit

Wenn Mitte September das nächste „Tschio“ in der Soers stattfindet, wird Lisa Müller noch nicht dabei sein – vielleicht klappt es 2022. Worauf sie ihre Hoffnung gründet, geht so: „Schon vor meinem Erfolg in Stuttgart waren Thomas und ich auf der Suche nach einem zweiten tollen Grand-Prix-Pferd.“ Bei dem dänischen Olympiareiter und Pferdehändler Andreas Helgstrand, einem weltweit agierenden Spezialisten für Dressurpferde, seien sie fündig geworden. Lisa Müller plaudert aus ihrem Nähkästchen: „Andreas hatte damals einen neunjährigen Hannoveraner Hengst namens D’avie im Stall – bei unseren ersten Besuchen zeigte er ihn gar nicht, weil er ihn behalten wollte. Dann hat sich Isabell eingeschaltet – schließlich hat Andreas ihn uns verkauft. Als Thomas und ich diesen Hengst zum ersten Mal sahen – es war das quasi Liebe auf den ersten Blick.“ Dieser Fuchshengst sei eine Persönlichkeit, solch ein Pferd sei ihnen vorher noch nie begegnet: „Unser D’avie ist neugierig und hellwach, uns Menschen zugetan, aber auch ein kleiner Lausbub, der gerne seinen Kopf durchsetzt. Als Hengst ist er völlig unkompliziert, macht keinerlei Sperenzchen!“ D’avie habe in dieser Decksaison 2021 bereits 75 Stuten gedeckt.

Thomas Müller zog 2009 sein erstes Fohlen

An dieser Stelle kommt Thomas Müller ins Spiel, die lebende Legende des FC Bayern. Was wohl nur die wenigsten seiner vielen Fans in den Fußballstadien wissen: Ihr Idol ist ein kenntnisreicher Pferdezüchter mit Passion und Geschick. Seine Frau erzählt: „Schon 2009, als wir geheiratet haben, hat Thomas sein erstes Fohlen gezogen. Mittlerweile halten wir ein Dutzend Zuchtstuten. Wir haben auf unserem Gestüt Gut Wettlkam, südlich von München, drei Zuchthengste. Wenn es seine knappe Zeit erlaubt, geht Thomas zu den Hengstschauen, tauscht sich mit anderen Züchtern aus.“

Zucht und Spitzensport

Mit ihrem neuen Paradepferd wollen die stolzen Besitzer zweigleisig fahren: Zucht und Spitzensport: „Ich reite mit ihm Dressur, damit er mehr Erfahrung und Routine bekommt. Dafür ist ein Turnier wie Donaueschingen prima geeignet. Und Thomas wird unsren wunderschönen Hengst in der Zucht einsetzen und interessierten Züchtern für ihre Stuten anbieten.“ Wie liegen da die Preise? „500 Euro kostet der Samen, weitere 1100 Euro sind fällig, wenn die Stute tragend wird und ein Fohlen gebiert.“ Aber der Sport habe Priorität, betont Lisa Müller: „Meinen großen Traum gebe ich nicht auf: Antreten beim Chio in Aachen, mit den deutschen Nationalfarben am Ärmel!“ Jetzt in Donaueschingen war D’avie der Hingucker schlechthin, aber es klappte im Wettkampf noch nicht wie gewünscht – bei D’avie kam der Lausbub durch, seine Reiterin musste allerhand Lehrgeld bezahlen. Als Preisgeld bekam das Paar äußerst bescheidene 100 Euro. Kein Witz.

Zu den Kosten schweigt Lisa Müller

Freche Schlussfrage: Was hat denn ihr „Wunderhengst“ gekostet? Lisa lächelt – antwortet natürlich nicht. In der gesprächigen Reiterszene heißt es, Müllers neuer „Kracher“ habe wohl zwei Millionen gekostet, es könnten aber auch fünf gewesen sein. Irgendwo dazwischen liegt die Wahrheit. Nun, große Träume, die die Reiter hegen, sind mitunter recht teuer.