Hitzlsperger (li.) neben Interimspräsident Bernd Gaiser Foto: Baumann

Warum Thomas Hitzlspergers Aufstieg beim VfB Stuttgart selbst den von Uli Hoeneß bei den Bayern in den Schatten stellt. Und warum sich der VfB für ihn – und gegen acht weitere Kandidaten entschied.

Stuttgart - In lediglich 40 Monaten vom bis dato in Funktionärsfragen völlig unbeleckten Ex-Fußballer bis hinauf in den Chefsessel des Vorstandsvorsitzenden der VfB Stuttgart 1893 AG – der steile Karriereweg des Thomas Hitzlsperger ist ein ganz imposanter, der im deutschen Profifußball seinesgleichen sucht. Nicht einmal Uli Hoeneß kann da mit seinem ehemaligen Spross aus der FC-Bayern-Jugend mithalten. Denn Hoeneß, der impulsive Metzgerssohn aus Ulm, stieg zwar mit 27 Jahren ein, blieb aber über drei Dekaden an der Säbener Straße „nur“ Manager.

Dreijahresvertrag für den 37-Jährigen

Thomas Hitzlsperger ist derweil mit 37 Jahren ganz oben angekommen. „Ich habe mir immer sehr viel Mühe gegeben, habe mich angestrengt, um meine Ziele zu erreichen“, sagte der einstige Mittelfeldspieler, der nun auch offiziell den nächsten Karriereschritt absolviert hat. Am Dienstag wurde die Beförderung offiziell: Thomas Hitzlsperger tritt am 15. Oktober seine zunächst bis zum 31. Oktober 2022 befristete Stelle als Vorstandschef beim VfB an. Neben der Verantwortung für den Sport übernimmt der 52-fache Nationalspieler noch die Bereiche Unternehmensstrategie und Kommunikation. Das bedeutet, dass der Sportdirektor Sven Mislintat bis auf weiteres nicht auf Hitzlspergers alten Posten des Sportvorstandes nachrückt. Dies ist so, weil der Aufsichtsrat einen dreiköpfigen Vorstand bei einem Zweitligisten als angemessen erachtet. Mislintat darf sich also erst im Fall des direkten Wiederaufstiegs Hoffnungen machen.

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„Es ist heute ein sehr guter Tag für den VfB“, sagte der Aufsichtsratschef Bernd Gaiser, der nach dem letztlich selbst gewählten Abschied des Ex-Präsidenten Wolfgang Dietrich bis zur Wahl eines Nachfolgers auch dem Stammverein als Interimspräsident vorsteht. Bereits im Frühjahr, so Gaiser, habe die Suche nach einer geeigneten Persönlichkeit für den neu geschaffenen Posten des Vorstandsvorsitzenden begonnen. Ursprünglich seien neun Kandidaten im Rennen gewesen, „deren Profil wir als geeignet erachtet haben“. Vier der neun Kandidaten seien dann zu Folgegesprächen eingeladen worden. Zu diesem Zeitpunkt war mit der VfB-Ikone Jürgen Klinsmann der berühmteste Kandidat schon nicht mehr dabei. Klinsmann war unter anderem die Zuschaltung eines Personalberaters sauer aufgestoßen, zudem hatte er den Austausch mit dem VfB als „nicht zielführend“ bezeichnet. Lange als Favorit gehandelt wurde derweil Bernhard Heusler, der Ex-Präsident des FC Basel, der anders als Hitzlsperger bereits mehrjährige Erfahrung in der Führung eines renommierten Proficlubs besitzt. Doch letztlich bekam der 55-jährige Schweizer seine diversen weiteren Engagements in- und außerhalb des Fußballs auch nach der Auffassung der Aufsichtsräte nicht mit dem VfB-Job unter einen Hut.

Hitzlsperger ist die Größe der Aufgabe bewusst

„Thomas verkörpert alle Werte, die der VfB benötigt“, sagte Bernd Gaiser somit, als er am Dienstagnachmittag gemeinsam mit Hitzlsperger das Pressepodium betreten hatte. „Er besitzt eine hohe Kompetenz, Leidenschaft und Glaubwürdigkeit und ist ein anerkannter Fußballexperte“, ergänzte Gaiser: „Zudem hat er nicht zuletzt beim großen Kaderumbau in diesem Sommer gezeigt, dass er entscheidungsstark ist.“

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Hitzlsperger („Der VfB ist ein großer Club mit vielen Möglichkeiten, die er aber nicht immer voll ausschöpft“) will seine neue Aufgabe nun mit viel Schwung angehen. „Ich weiß, dass Ex-Fußballer gerne kritisch beurteilt werden – und auch die Größe der Aufgabe ist mir bewusst“, sagte der Meisterspieler von 2007: „Aber mich hat schon immer mehr interessiert als allein das Ergebnis vom Wochenende. Ich will hier gemeinsam etwas bewegen.“

Die Akquise des zweiten Investors, einem Thema, dessen Erledigungstermin nun auf 2020 verschoben wurde, oder der Umbau des Stadions mit Blick auf die EM 2024 – all dies sind Themen, die Hitzlsperger vor dem alles überragenden Ziel, dem direkten Wiederaufstieg in die Bundesliga, nun angehen muss. Auch Bernd Gaiser und seine Rats-Kollegen wissen, dass der neue VfB-Boss in diesem Bereichen wenig erfahren ist. „Doch Thomas ist ein intelligenter Kopf, der wissbegierig ist und schnell dazulernt.“

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