Zum Auftakt seiner neuen Show „Gottschalk feiert: Nochmal 18!“ hatte Gottschalk Jutta Speidel, Kai Pflaume und Max Giesinger da. Und servierte Alkohol. Wir haben uns das mal angeschaut.
Stuttgart - Kai Pflaume ist erstaunt: „Ach, wir geben’s uns gleich richtig hier,ja ?“ Thomas Gottschalk – „Ja klar“ – räumt alle Zweifel aus. Die Schnapsflaschen auf den Tischchen sind keine Deko und enthalten wirklich Doppelkorn,und zum Mixen ist „DDR-Brause“ da, wie Jutta Speidel die Ostalgie-Cola korrekt identifiziert. „Das mit der Party, das steht nicht nur auf dem Plakat, das machen wir wirklich“, erklärt der Altmoderator das Konzept seiner neuen SWR-Show „Gottschalk feiert: Nochmal 18!“. Seine drei Gäste – neben Pflaume und Speidel ist noch Max Giesinger dabei – nehmen das Angebot an. Im Fortgang der Sendung könnte man tatsächlich hie und da von gelockerter Stimmung sprechen.
Drei Gäste aus drei Generationen erleben mit Gottschalk zusammen nach, wie das damals war, an ihrem 18. Geburtstag. Es geht um die Musik, die Klamotten, die Frisuren und die Rituale jener Zeit, um Rührendes und Peinliches, um Klassiker und kurzlebige Moden. Max Giesinger, der seinen 18. Geburtstag 2006 feierte, lernt zum Beispiel, dass die autoreifengroße Partybrezel keinesfalls schon zu Zeiten von Jutta Speidel, die 1972 18 wurde, und in der DDR, wo Kai Pflaume 1985 ins Wehrdienstalter kam, die Standardverpflegung bei Teenie-Feten war.
Ist Slade ein großer Name?
Dafür sind die anderen baff, das dem Musiker Giesinger, der sich doch durchaus mit Pop von gestern und vorgestern beschäftigt, die Band Slade überhaupt nichts sagt. „Ich kenn’ so die großen Namen“, will Giesinger erklären, was Gottschalk aber eine ziemlich authentische Verzweiflungseruption entlockt: „Slade ist ein großer Name!“
Das ist zwar schon ziemlich das Gipfelniveau zeitgeschichtlicher Erkenntnisse, die man in der ersten Folge erlangen konnte. Aber gerade in Corona-Zeiten, in denen private Feiern auf den St.-Inzidenzius-Tag verschoben oder als kleine Zoomsitzung am Bildschirm abgehalten werden, erscheint eine Geburtstagsfeiershow gar keine so schlechte Idee. Menschen aus verschiedenen Generationen ins lockere Gespräch zu bringen, dabei eben nicht streng auf ein Talkformat zu achten, sondern ein bisschen Fetencharakter hineinzubringen - das ist nun Teil der Trostmöglichkeiten des Fernsehens. Und nicht nur für jene, die gar niemanden haben, der sie mal zu einer Zoomfeierrunde einlädt.
Gottschalk als Problem
Es gibt tatsächlich nette Momente in „Gottschalk feiert: Nochmal 18!“, vor allem eine spektakulär schöne Akustik-Version von „Goodbye, Miss American Pie“, die Giesinger für Jutta Speidel singt und spielt. Auf das zu setzen, was die Gäste mitbringen können, wäre wohl eine gute Leitlinie für die Show.
Das Problem ist der Moderator Thomas Gottschalk selbst. Der tritt längst in vielen Sendungen mit einer Attitüde auf, die er selbst wohl für unterhaltsam schnoddrige Abgeklärtheit hält. Aber sie klingt oft wie eine Mischung aus der Arroganz, alles schon mal besser erlebt zu haben, aus der Verbiesterung, nicht mehr Showstar Nummer eins zu sein, und aus der in subtile Aggression verwandelten Schizophrenie, das Rampenlicht nicht räumen zu wollen, sich aber in aktuellen Formaten unter Wert verkauft zu fühlen. Besonders in den ersten Minuten klingeln einem in der Auftaktfolge öfter die Ohren.
Kai Pflaume fängt was auf
Den Moderatorenkollegen Kai Pflaume etwa stellt Gottschalk in fettig gönnerhaftem Ton so vor: „Er gehört zum deutschen Fernsehen wie – wie früher mal ich, möcht’ ich fast sagen.“ Pflaume aber ist der unverkrampft heiterste Mann im deutschen Showgeschäft. Er ist von einer unglaublich kratzfesten Freundlichkeit und fängt die Tonverrutscher Gottschalks auf, als nehme er sie tatsächlich gar nicht wahr, als seien es witzige Freundlichkeiten.
Nachdem der „Wetten, dass“-Veteran ein paar Hinweise zur eigenen Bedeutung so schadlos ventilieren kann, findet er tatsächlich zu einem verträglicheren Plaudermodus. Mit einem anderen ersten Gesprächspartner als Kai Pflaume hätte aber schnell ein gereizter Ton in die Show kommen können. Aus „Gottschalk feiert: Nochmal 18!“ könnte mit ein bisschen Feinarbeit noch eine nette Kleinigkeit werden. Es könnte aber auch ganz arg schief gehen. Man kennt das ja von Geburtstagsfeiern.
Die Sendung kann man hier in der ARD-Mediathek abrufen, bis zum 16. April 2022.