Aktivisten blockieren den Haupteingang des Alten Rathauses. Der ehemalige Bundesminister Thomas de Maizière (CDU) sollte im Rahmen des Göttinger Literaturherbstes aus seinem Buch lesen Foto: dpa/Stefan Rampfel

Thomas de Maizière will in Göttingen aus seinem neuen Buch lesen. Doch die Zuhörer der ausverkauften Veranstaltung müssen draußen bleiben, weil Demonstranten den Veranstaltungsort blockieren.

Göttingen - Linke Aktivisten haben beim Göttinger Literaturherbst eine Lesung des früheren Bundesinnenministers Thomas de Maizière (CDU) verhindert. Wie die Polizei am Dienstag mitteilte, beteiligten sich knapp 100 Demonstranten an der unangemeldeten Aktion. Rund 300 Zuhörern blieb der Zutritt zu der ausverkauften Veranstaltung verwehrt.

Der Geschäftsführer des Literaturherbstes, Johannes-Peter Herberhold, wurde nach eigenen Angaben von Demonstranten attackiert. Dabei seien Teile seiner Kleidung zerrissen worden. Verletzte gab es nach Angaben der Polizei nicht. De Maizière wollte beim Literaturherbst aus seinem Buch „Regieren“ lesen und anschließend mit den Zuhörern diskutieren. Von dem früheren Innen- und Verteidigungsminister gab es zu dem Vorfall zunächst keine Stellungnahme.

Protest gegen den Angriff der Türkei auf Nordsyrien

Die Teilnehmer der Blockade-Aktion hätten jede Kommunikation mit der Polizei abgelehnt, sagte eine Polizeisprecherin. Auch bei einer Zwangsräumung hätte die Lesung nicht mehr termingerecht beginnen können. Erst nach der Absage hätten die Blockierer das Rathaus und den Marktplatz verlassen. Die Polizei habe strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet.

Der Göttinger Literaturherbst, bei dem noch bis zum 28. Oktober zahlreiche prominente Autorinnen und Autoren auftreten, ist mit 80 Veranstaltungen eines der größten Lese-Festivals Europa.

Die Blockade der Lesung de Maizières sei ein Protest gegen den Angriff der Türkei auf Nordsyrien, erklärte die Gruppe „Basisdemokratische Linke“ in einer Pressemitteilung. De Maizière, der von 2013 bis 2018 Innenminister war, sei mitverantwortlich für das Flüchtlingsabkommen mit fder Türkei, das „zu einer beispiellos zahnlosen Haltung der Bundesregierung“ gegenüber Ankara führe.

Vergleichbare Aktion gegen einen Autoren habe es nie zuvor gegeben

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) verurteilte die Aktion als „nicht hinnehmbar“ und „Bärendienst an der Demokratie.“ Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) erklärte: „Die Blockade in Göttingen durch die Antifaschistische Linke ist eine unerhörte Missachtung von Recht und Person, die wir nicht hinnehmen dürfen!“ Literaturherbst-Geschäftsführer Herberhold sagte, die Veranstaltungsreihe sei seit 28 Jahren „ein Fest der Kunst, des Wissens und der Meinungsfreiheit“. Eine vergleichbare Aktion gegen einen Autoren habe es nie zuvor gegeben.

Der Literaturherbst will die de Maizières Lesung kurzfristig am gleichen Ort nachholen. Der genaue Termin steht noch nicht fest.

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