Thomas Bopp ist nach 17 Jahren als Vorsitzender des Verbands Region Stuttgart verabschiedet worden. Warum ihn sogar die Grünen vermissen werden.
Das ist keine gewöhnliche Sitzung der Regionalversammlung Stuttgart gewesen. Nicht nur, dass gleich 43 – und damit nahezu die Hälfte – der 88 bisherigen Regionalräte zum letzten Mal dabei waren. Das Gremium, das unter anderem über wesentliche Entwicklungen im ÖPNV, bei der Gewerbeflächenentwicklung und beim Grünzonenschutz in Stuttgart und den fünf angrenzenden Kreisen entscheidet, steht vor einem großen personellen Umbruch.
Einer dieser Regionalräte ist seit der Gründung des Verbands Region Stuttgart (VRS) dabei gewesen und hat das Gremium die vergangenen 17 Jahren mit Leidenschaft und großem persönlichen Engagement geleitet – und muss jetzt trotzdem gehen. Denn Thomas Bopp ist das Opfer einer parteiinternen Intrige seiner CDU geworden. Die stellvertretende Verbandsvorsitzende Ingrid Grischtschenko von den Grünen konnte es sich am Schluss ihrer launigen Laudatio deshalb auch nicht verkneifen, das zu thematisieren: „Sie mussten erfahren, dass gleichfarbige Weggefährten manchmal nicht so nett sind wie die andersfarbigen.“ Zuvor hatte Grischtschenko wichtige Stationen Bopps als Verbandschef Revue passieren lassen. Sie erinnerte an die Anfangszeit, als er zusammen mit dem ersten Regionaldirektor Bernd Steinacher bis zu dessen Tod 2008 ein „kongeniales Team gebildet habe, das den Mehrwert der einst umstrittenen Region in alle Rathäuser und Mehrzweckhallen getragen“ habe. Unglaublich sei dabei sein Detailwissen gewesen: Habe Rainald Enßlin, der legendäre Vorgänger des heutigen Chefplaners Thomas Kiwitt, jeden Holzstoß in der Region gekannt, „wussten Sie, Herr Bopp, die Gemarkung und den Bürgermeister dazu“.
Kongeniales Team mit Bernd Steinacher
So, wie es Thomas Bopp wichtig gewesen sei, Ortskenntnis in die Region einzubinden, haben er mit der gleichen Überzeugungskraft die Region in das europäisches Netz eingehängt. Diesen Perspektivwechsel – den Blick von Brüssel auf den Holzstoß und umgekehrt – habe Bopp richtig gut hinbekommen und vorgelebt.
Kampf für Einhaltung der Zusagen
Bei der Stärkung des öffentlichen Personennahverkehrs sei der scheidende Vorsitzende der „Transmissionsriemen zum Land“ gewesen. In seiner Amtszeit gab es unter anderem den ÖPNV-Pakt 2014, die große Tarifzonenreform 2019 und die Vollintegration des Landkreises Göppingen in den VVS 2021. Außerdem hat die Region 76 neue S-Bahn-Züge bestellt.
Mit großem Engagement kämpfte Thomas Bopp zudem für die Digitalisierung des Schienenverkehrs. Seine Bilanz: Alles ist beschlossen, das meiste im Bau, es fehlt lediglich noch eine Unterschrift der Bahn zur Verwirklichung des Digitalen Knotens Stuttgart. Bopp: „Ich kämpfe noch bis zum letzten Tag meiner Amtszeit gemeinsam mit dem Landesverkehrsminister für die Einhaltung der gegebenen Zusagen.“
Gute Zusammenarbeit als Erfolgsrezept
Aber Ingrid Grischtschenko erwähnte noch weitere Schwerpunkte: Mit den Landschaftsparkprojekten zur Aufwertung der stadtnahen Erholungsgebiete und vor allem mit der Remstal-Gartenschau im Jahr 2019 habe Bopp beispielhaft gezeigt, was eine gute Zusammenarbeit möglich mache. Das gilt auch für eine Herzensangelegenheit Bopps, aus der er in seiner Abschiedsworten kein Hehl machte: die Internationale Bauausstellung (IBA) 2027 Stadtregion Stuttgart. Frühzeitig hat Bopp das Potenzial einer solchen zukunftsweisenden Schau zum 100. Geburtstag der Weißenhofsiedlung erkannt und daraus ein Projekt für die gesamte Region Stuttgart gemacht. Ingrid Grischtschenko hob hervor, dass Thomas Bopp seit Jahren den Gedanken der Stadtregion mit „großer Verve“ vorantreibe: „Ich hoffe, dass dieses Engagement 2027 von Erfolg gekrönt sein wird und Sie in einer wichtigen Funktion dabei sein werden.“
910 Sitzungen des Verbands Region Stuttgart hat Thomas Bopp während der vergangenen 17 Jahren als Vorsitzender geleitet. Für die Zukunft wünscht er sich, „dass die Diskussionskultur und Kompromissfähigkeit der demokratischen Fraktionen auch in den nächsten Jahren so bleibt, wie ich sie habe erleben und leiten dürfen. Dann wird sichtbar, dass es keiner Extremisten bedarf, um eine gute Entwicklung der Region Stuttgart zu ermöglichen und gleichzeitig die Demokratie zu festigen.“