Theresia Bauer zum Prüfungseklat „Auch die Uni Hohenheim ist für den Studienerfolg verantwortlich“

Von Inge Jacobs 

Wissenschaftsministerin Theresia Bauer Foto: dpa
Wissenschaftsministerin Theresia Bauer Foto: dpa

Im Nachgang zur Attest-Affäre an der Uni Hohenheim erklärt Wissenschaftsministerin Theresia Bauer im Interview, worauf es bei der Lehre ankommt – und was noch besser werden muss.

Stuttgart - Im Nachgang zur Attest-Affäre an der Uni Hohenheim erklärt Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne), worauf es bei der Lehre ankommt.

Frau Bauer, der Massenabbruch von 48 Wirtschaftsstudenten in Hohenheim signalisiert, dass diese mit den Anforderungen des Studiums nicht klargekommen sind. Hat die Uni da was falsch gemacht?
Das kann ich nicht beurteilen. Es ist korrekt, dass die Uni Hohenheim dafür sorgt, dass Spielregeln eingehalten werden. Aber: der Studienerfolg ist nicht nur eine Privatangelegenheit, sondern liegt auch in der Gesamtverantwortung der Uni. Sie muss wissen, wo Handlungsbedarf ist. Das gilt besonders für die Studieneingangsphase.
Sind Massenveranstaltungen wie in den Hohenheimer Wirtschaftswissenschaften mit 600 Leuten heute das richtige Lehrformat?
Wenn das ausschließlich so wäre, wäre das nicht angemessen. Es kommt auf den richtigen Mix an. Es sollten auch Formate angeboten werden, die zum aktiven Mittun, Selberdenken, Präsentieren, Kommunizieren in kleinen Gruppen befähigen – samt dem Einsatz digitaler Lehrmöglichkeiten.
Hohenheimer Dekane würden gern Übungsgruppen mit 20 Studierenden bilden, doch dazu fehlt ihnen das Personal.
Ja, unsere Hochschulen sind stark gewachsen – die Zusatzmittel aber nicht im gleichen Ausmaß. Wir erkennen den personellen Druck an, trotz Fortschritts, und werden das beim Hochschulfinanzierungsvertrag berücksichtigen. Man kann auch über Mentorensysteme, studentisches Engagement und Doktoranden viele aktivierende Lehrformen finden.
Seit Jahren reagieren die Hochschulen auf die Defizite der Studienanfänger mit Förderangeboten vor und während des Studiums. Wirkt das?
Ja. Wir fördern seit Jahren verschiedene solcher Modelle in der Eingangsphase. Es wird sehr früh Rückmeldung gegeben, wo die Studierenden ihre Kenntnisse erweitern müssen. Durch Begleitforschung wissen wir genau, was wirkt.
Professoren berichten, dass oft diejenigen diese Angebote nutzen, die es nicht nötig hätten – nicht aber die, die es nötig hätten und auf die Leistungsanforderungen der Uni nicht vorbereitet sind. Was läuft schief?
Wir wissen das. Deshalb halten wir es für wichtig, Verbindlichkeit in der Eingangsphase herzustellen – durch Feedbacks, aber auch verbindliche Begleitangebote. Wir wollen diese verstetigen.
Die Spanne zwischen guten und schlechten Studierenden ist größer geworden. Wären härtere Eingangstests eine Lösung?
Es gibt Berufswahlfreiheit: Wer die allgemeine Hochschulzugangsberechtigung hat, darf grundsätzlich auch studieren. Wir arbeiten bereits gemeinsam mit den Hochschulen an Auswahl- und Eignungsfeststellungen. Nicht Abschreckung ist das Ziel, sondern über realistische Selbsteinschätzung und gezielte Programme möglichst viele zu einem Studienerfolg zu führen, der nicht erkauft wird durch Rabatt bei der Qualität.
Wie sieht gute Lehre aus?
Ich erwarte von guter Lehre den Blick über den Tellerrand hinaus – und die Bereitschaft der Lehrenden, an der Persönlichkeitsentwicklung der Studierenden mitzuarbeiten. Gute Lehre befähigt unsere Studierenden dazu, eigenständig kritisch zu denken, wissenschaftlich zu arbeiten, sich in komplexen Zusammenhängen zurechtzufinden und am Ende verantwortlich zu handeln.

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