Stefan Pursche, Ulrike von Dellemann und Josefine Franke (von links) Foto: Barbara Scherer

Die Mensa im Theodor-Heuss-Gymnasium (THG) feiert heute ihr 50-jähriges Bestehen. Ein ehrenamtliches Team kocht täglich mehr als 200 Essen für die Schüler und Schülerinnen. Das gibt es in dieser Form in Esslingen kaum noch.

Es duftet bereits verführerisch an diesem Vormittag. Putengeschnetzeltes in Sahnesoße steht auf dem Speiseplan, für die, die es vegetarisch möchten, wird Brokkoli in Rahmsoße angeboten. Stefan Pursche steht in der professionell eingerichteten Großküche und rührt die helle, orange gesprenkelte Soße durch, der Reis gart in einem Konvektomat. Pursche gehört zum Kochteam, das an diesem Tag die Aufgabe der Essenszubereitung in der Mensa des THG übernommen hat. „Kochvater“ Pursche wird unterstützt von Josefine Franke und Ulrike von Dellemann. Die beiden Frauen haben die Ausgabestationen vorbereitet, denn demnächst werden mehr als 200 Jungen und Mädchen in die Mensa strömen, sich ein Tablett schnappen und sich die Teller füllen lassen.

 

Jeden Vormittag wird frisch gekocht

„Von 11.45 bis etwa 13.30 Uhr, manchmal noch später, kommen die Schülerinnen und Schüler um zu essen“, erklärt Andrea Herdtle, die Vorsitzende des Mensavereins, und gleichzeitig die Koordinatorin der Kocheltern. 150 Frauen und Männer – diese stellen etwa ein Drittel der Kochenden – bilden das ehrenamtliche Team, das jeden Tag ein frisches abwechslungsreiches Mahl zubereitet. Es gibt ein fleisch- oder fischhaltiges Gericht und ein vegetarisches. Allergene werden per Aushang ausgewiesen. Salate oder auch Desserts ergänzen die Gerichte. Ein Automat lässt kostenloses Wasser mit und ohne Kohlensäure raus. Das Mittagessen kostet drei Euro, ein Nachschlag für Hungrige ist immer drin. Im Sommer essen die Kids im Hof vor der Mensa. Kinder, deren Eltern kochen, essen an diesen Tagen kostenlos. Bezahlt wird über eine Chip-Karte, auf die Geld aufgeladen wird. „Der Preis für das Essen ist kostendeckend“, erklärt Dorothee Frohnmaier. Sie teilt sich mit Antigona Beka die hauptamtliche Stelle der Mensaleitung, die die Stadt Esslingen finanziert.

Wer sich mit Herdtle und Frohnmaier unterhält, nimmt Stolz auf das Erreichte wahr und gleichzeitig die Energie, regelmäßig ein anspruchsvolles Angebot auf die Beine zu stellen. Die Aufgaben sind vielfältig: Bestellung, Einkauf, Organisation der Kochteams und die Koordination aller Abläufe bis hin zur Entsorgung übrig gebliebener Essen.

„Das ist eine gewachsene Geschichte“, sagt Herdtle, „das könnte man heute so nicht mehr aufziehen.“ Begonnen hat alles vor 50 Jahren mit einer Cafeteria, in der es zunächst belegte Brötchen und Leberkäsweckle gab. Das Angebot wurde schrittweise erweitert; Kartoffelsalat mit Würstchen stand auf der Speisekarte und auch der Renner Pasta Bolognese. Der Spruch, man gehe in die „Cafe“ essen, hielt sich noch jahrzehntelang, auch als aus der Cafeteria eine echte Mensa geworden war. Spaghetti Bolo steht auch heute ganz oben auf der Skala der beliebtesten Gerichte – gefolgt von Linsen mit Spätzle und paniertem Fischfilet.

Die Suche nach Kocheltern ist schwieriger geworden

Was sich im Lauf der Jahre geändert hat, ist die Suche nach Kocheltern. „Das ist erheblich schwieriger geworden, da Eltern oft beide arbeiten“, berichtet Andrea Hertdle, die immer vor den Sommerferien die neuen Einteilungen machen muss. Geändert haben sich auch Zusammensetzungen: Haben sich früher ausschließlich Frauen die blaue THG-Schürze umgebunden, sind es heute auch Männer, die kochen. Sogar eine komplette Männergruppe gibt es mittlerweile. Frohnmaier hat festgestellt: „Männer kochen entspannter.“ Rezepte sind in einem Ordner hinterlegt, dennoch gebe es persönliche Handschriften, wie Herdtle erzählt. Vor allem bei der Herstellung von Salatsoßen scheint es manifeste Glaubenssätze zu geben. „Mit oder ohne Senf, viel oder wenig Essig, gerührt, geschüttelt, mit der Gabel, dem Schneebesen oder dem Mixer aufgeschlagen“, zählt Herdtle auf. Am Ende eines Schuljahres bedanken sich die Schülerinnen und Schüler bei den kochenden Eltern mit einem ihrerseits gekochten Mahl, das sie den Erwachsenen auch am Tisch servieren.

Von Ehrenamtlichen selbstgekochtes Essen gibt es außer im THG nur noch im Mörike-Gymnasium sowie in der Realschule Oberesslingen (RSO). Dort jedoch müssen sich die Kinder vorab anmelden. Das THG-Angebot war 1974 landesweit das erste.

Lebensmittelverschwendung gibt es in der Mensa nicht

Organisation
Die Stadt stellt die Räume, hat die Geräte angeschafft, übernimmt den Service dafür sowie sämtliche Energiekosten. Auf der anderen Seite gibt es den Mensa-Verein Schülerförderung THG-Café, er fungiert als rechtliches Backup für die kochenden Eltern.

Feier
An diesem Freitag um 16 Uhr feiert die THG-Mensa ihr 50-jähriges Jubiläum in der THG-Aula. Eingeladen sind Vertreter und Vertreterinnen der Stadt Esslingen, die Schulleitung, die ehemalige Schulleitung samt Sekretariat, Lehrerschaft, Förderverein, Elternbeirat, Mensaleitung und ehemalige Mensaleitungen sowie Kochgruppenleitende.

Lebensmittel
liefern Erzeuger aus der nahen Umgebung. Die Mensa macht kaum Reste. Übriggebliebenes wird entweder eingefroren, weiterverarbeitet oder von Kocheltern mitgenommen. Gelingt das nicht, würden Herdtle und Frohnmaier gerne an Bedürftige spenden. Sie wünschen sich, dass bürokratische Hürden, die das verhindern, abgebaut würden. Reste von den Tellern gehen in eine gesonderte Tonne, die wöchentlich abgeholt wird. Sie ist laut Frohnmaier nie mehr als zur Hälfte gefüllt.