In vielen Gruppen geht es um Suchterkrankungen Foto: dpa/K-D. Gabbert

Angebote zur Selbsthilfe sind breit gefächert: Auch Messis, Narzissten und hochsensible Menschen finden Unterstützung, eine Corona-Gruppe ist jetzt in der Gründungsphase.

Stuttgart - Fast 600 Selbsthilfegruppen gibt es allein im Raum Stuttgart, das Angebot ist breit gefächert. Die KISS-Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen in Stuttgart hat die Problemstellungen in Bereiche geordnet. Da ist zunächst das große Feld von Behinderungen und körperlichen Erkrankungen. Krebsgruppen finden sich dort, aber auch der bekannte Verein Amsel, der sich um Menschen mit Multipler Sklerose kümmert. Zu den unbekannteren Gruppen gehören die für Kehlkopfoperierte, für Menschen mit Bluthochdruck, übergewichtige Frauen, Kinder mit Diabetes oder Bluterkrankheit.

 

Lebenskrisen sind ein großes Themenfeld

Stark nachgefragt sind die Bereiche Suchterkrankungen sowie psychische Erkrankungen, gefolgt von Themenbereichen wie Lebenskrise und Umbruchsituation, Partnerschaft und Sexualität und sexuelle Identifikation. Gerade im Feld Lebenskrise haben sich neue Gesprächskreise gegründet: Da sind Inzest-Betroffene ebenso wie Aussteiger aus der Neuapostolischen Kirche und mehrere Gruppen von „Trauernden nach Suizid“.

Auch die Angehörigen formieren sich

Jan Siegert von KISS berichtet, dass Themen wie Depressionen und das Borderline-Syndrom – eine von starken Stimmungsschwankungen geprägte psychische Erkrankung – gerade Zulauf hätten. Auch das Thema Narzissmus – die krankhafte Selbstverliebtheit eines Menschen – finde zunehmend Aufmerksamkeit. Gegründet worden sei eine Gruppe der Angehörigen von Narzissten. Die Selbsthilfegruppen der direkt Betroffenen sind das eine, die für deren Familienmitglieder und Partner das andere. So besteht eine Gruppe für Messies – Menschen die nichts wegwerfen können und deren Wohnung vermüllt. Gegründet werden soll nun eine Gruppe von Angehörigen, deren Initiatoren sagen, dass sich auch „seelischer Zustand“ verschlechtere und die sich fragen, wie sie auf ihren Partner reagieren sollen: Mit „liebevollem Verständnis oder mit der Aufforderung, für Ordnung zu sorgen“?

Und in der Gründungsphase ist auch eine Gruppe „Corona – leben mit Einschränkungen“, die sich mit den psychischen Folgen der Pandemie befasst. Neu sei auch das Phänomen der Hochsensibilität, sagt Siegert. Menschen mit extrem ausgeprägtem Geruchs-, Gehör- oder Sehempfinden wünschten sich eine Gruppe. Sie seien im Alltag eingeschränkt, manche könnten keine U-Bahn fahren, da sie den Lärm oder Geruch nicht ertragen. Unter www.kiss-stuttgart.de ist KISS zu finden.