Dem Ludwigsburger Theatersommer macht der Regen zu schaffen. Zudem wurde ein Stück abgesagt. Dazu, zu seiner letzten Spielzeit und zur Zukunft der Kulturreihe äußert sich Intendant Peter Kratz im Interview.
Schon seit Juni und noch bis September können große und kleine Bühnenfans unter freiem Himmel im Cluss-Garten bei den Aufführungen des Ludwigsburger Theatersommers mitfiebern. Intendant Peter Kratz ist mit dem Publikumszuspruch bislang trotz des leidigen Regens unterm Strich zufrieden, auch wenn ein Stück mangels Interesse jetzt abgesagt wurde. Dazu und zur Zukunft des Kulturevents äußert er sich im Interview.
Die stetigen Regenfälle der vergangenen Wochen müssten eigentlich Gift für eine Open-Air-Veranstaltung sein. Oder sind die Auswirkungen auf den Theatersommer gar nicht so dramatisch?
Die Niederschläge sind schon schlimm. Ich mache das jetzt seit 33 Jahren, aber eine so verregnete Saison habe ich bisher selten erlebt. Das Perfide ist, dass sich die Himmelsschleusen oft im ungünstigsten Moment öffnen. Man wischt die ganzen Stühle trocken, baut das Equipment auf und ist bereit für die Vorstellung. Die Zuschauer sitzen gespannt auf ihren Plätzen. Dann fängt es an zu regnen und man muss 200 Leuten sagen: Sorry, ihr müsst wieder nach Hause gehen, wir können nicht spielen. Das ist heftig.
Was passiert in so einem Fall mit den Eintrittskarten?
Das Geld wird entweder rückerstattet oder man bucht auf einen anderen Termin um. Dahinter steckt für uns aber erneut ein größerer Arbeitsaufwand.
Führt das auch zu einem finanziellen Desaster?
Wirtschaftlich ist das zu verkraften. Wir hatten ja anfangs auch Glück mit dem Wetter. Zudem waren etliche Vorstellungen ausverkauft. Das lässt sich also kompensieren. Bei „Bezahlt wird nicht!“ nach Dario Fo haben wir aktuell im Schnitt immer 200 bis 230 Besucher. Und beim Kindertheater sind quasi immer alle Karten vergriffen, oft sogar schon Wochen im Voraus. Nachmittags, wenn die Vorstellungen für das junge Publikum angeboten werden, gab es bis dato auch häufiger Regenpausen.
War das Wetter dafür ausschlaggebend, dass „Die Blechtrommel“ nun abgesetzt wurde?
Nein, dahinter stecken rein wirtschaftliche Erwägungen. Wir wollten mit dem Stück jetzt in die dritte Spielzeit gehen und hatten gehofft, damit erneut den Nerv des Publikums zu treffen. Doch der Vorverkauf lief so schlecht, dass wir die Reißleine ziehen mussten, um größere finanzielle Verluste abzuwenden. Das Stück hätte aber ohnehin nur kurz auf dem Spielplan gestanden. Die Absage ist zwar bedauerlich, aber auch nicht dramatisch.
Sie klingen trotz der suboptimalen Wetterbedingungen ganz zufrieden. Kommt aber zumindest etwas Abschiedsschmerz auf bei Ihnen? Sie wollen sich nach dieser Saison vom Theatersommer verabschieden.
Ich bin tatsächlich alles in allem bislang zufrieden mit der bisherigen Spielzeit. Und nein: Abschiedsschmerz verspüre ich kaum. Nach 33 Jahren ist es einfach genug, zumal die Stadt sich seit 20 Jahren bei den Zuschüssen nicht bewegt. Unter diesen finanziellen Voraussetzungen vermisst man von der Politik auch die Wertschätzung dafür, dass man über Jahrzehnte ein tolles Kulturangebot für vergleichsweise sehr wenig Geld mit viel Idealismus umgesetzt hat.
Befindet sich der Theatersommer damit in seiner letzten Saison?
Es ist definitiv nicht ausgeschlossen! Wir sind ja alle Generalisten. Das ganze Kernteam nimmt mehrere Aufgaben wahr. Ich zum Beispiel bin geschäftsführender Intendant, inszeniere, entwerfe die Bühnenbilder und bin auch noch für die Werbung zuständig. Mit den gegenwärtigen Geldern wäre ein adäquater Ersatz jedenfalls nicht finanzierbar, zumal ich nicht der Einzige aus dem Kernteam bin, der zum Jahresende aufhört.
Der Gründer und die Kulturreihe
Abschied
Peter Kratz hat den Ludwigsburger Theatersommer vor 33 Jahren mitbegründet und wird sich nach dieser Spielzeit verabschieden. Kratz inszenierte über 30 Stücke, darunter viele Klassiker, Filmadaptionen und Komödien. Das beliebte Freilichttheater steht nun vielleicht vor dem Aus. Professorin Raphaela Henze und Studentinnen der Hochschule Heilbronn, Campus Künzelsau, erarbeiten denkbare Träger- und Finanzierungsmodelle. Erste Ideen sollen im September präsentiert werden.
Vorstellungen
Die aktuelle Saison läuft noch. An ein jüngeres Publikum richtet sich „Der kleine Prinz“, der nachmittags gezeigt wird. Abends ist bis 25. August „Bezahlt wird nicht!“ nach Dario Fo im Cluss Garten zu sehen. Weitere Infos unter www.theatersommer.net.