Dario Fos „Bezahlt wird nicht“ beim Ludwigsburger Theatersommer im Cluss-Garten ist ein absurdes Vergnügen. Der Inszenierung von Peter Kratz gelingt es, einen grell-komischen Abend zu kreieren.
Einen Arbeiterhaushalt im Italien der 70er Jahre bringt die Bühne von Enno Craiss beim Ludwigsburger Theatersommer gekonnt auf den Punkt. Dort ist eine behagliche Wohnküche mit Couch aufgebaut, ein Bild mit Karl Marx auf einem Surfbrett fordert „Weniger Arbeit für alle“ – das klingt ein bisschen wie BRD 2023. Die Farce „Bezahlt wird nicht“ von Dario Fo wurde 1974 uraufgeführt, und sie ist mit ihrem klassenkämpferischen Impuls fraglos ein bisschen angestaubt. Doch der in ihrem Timing absolut stimmigen Inszenierung von Peter Kratz gelingt es, den nicht zeitgebundenen Witz der Posse aus dem Text zu ziehen und einen grell-komischen Abend auf die Bühne zu bringen.
In einem Supermarkt protestieren Kunden massiv gegen erhöhte Preise und sacken schließlich Lebensmittel ein, ohne sie zu bezahlen. Die Arbeiterfrauen Antonia und Margherita, die kaum noch Geld für den Alltag haben, machen mit. Antonia (herrlich tough: Janina Zamani) fürchtet allerdings, ihr Gatte Giovanni (Andreas Klaue) werde den Diebstahl entschieden verurteilen. So verstecken die Frauen, von Anja Müller (Kostüme) mit knallbunten Kleidern ausgestattet, ihre Beute. Margherita stopft sich Pasta-Packungen vor den Bauch und wird der Außenwelt als Schwangere verkauft. Ein Polizist (schön komisch: Lennart Alessandro Naether) droht mit einer Hausdurchsuchung, erweist sich aber als Linker: „Gegen den Diebstahl der Marktwirtschaft hilft nur der Ladendiebstahl.“
Was folgt, ist ein irrwitziger Reigen von Missverständnissen, Lügen und grotesken Einfällen. Immer wieder werden kapitalismuskritische Töne angestimmt, Margheritas Gatte Luigi (Jörg Pauly) doziert über Frust und Entfremdung am Arbeitsplatz. Fos Komödie ist absolut absurd, irgendwann kann man sich einfach locker durch die grotesken Szenen treiben lassen. Am Schluss steht das Publikum mit großem Beifall auf.
Zu sehen war die letzte Regiearbeit von Peter Kratz, dessen Intendanz mit dieser Spielzeit endet. Gemeinsam mit seiner Frau Christiane Wolff gründete er das Theater im Cluss-Garten vor 33 Jahren. Das Markenzeichen seiner Inszenierungen war die intelligente und amüsant-schräge Transformation von Klassikern. Ein letzter Blick im wunderbaren Cluss-Garten auf das grüne Rund der Bäume und den türkisenen Himmel darüber. Der Abschied von der Ära Kratz mit vielen vergnüglichen und berührenden Produktionen fällt schwer.
Bezahlt wird nicht: 1. bis 25. August