Das ist das neue Führungstandem des Theatersommers. Susanne Schmidt (links) ist für die Geschäftsführung zuständig, Christine Hofer übernimmt die Intendanz. Foto: Geronimo Schmidt/ (links) und Daniel Biskup

Neue Geschäftsführung und neue Intendanz: Nach dem Weggang von Peter Kratz übernimmt ein Frauentandem die Verantwortung für den Theatersommer. Dazu gehört auch, bei Gemeinderat und Verwaltung der Stadt Ludwigsburg für mehr Geld zu werben.

Ein Sprichwort sagt: Wer kämpft, kann verlieren. Aber wer nicht kämpft, hat schon verloren. Auch die Organisatoren des Theatersommers im Cluss-Garten wollen die Köpfe nicht wegen unklarer Finanzen hängen lassen. Im Gegenteil: Man hat mit Christine Hofer eine neue Intendantin und mit Susanne Schmidt eine neue Geschäftsführerin eingestellt.

 

Beides war notwendig, weil sich der Theatersommer-Allrounder Peter Kratz – Mitbegründer, Intendant, künstlerischer Leiter, Geschäftsführer, Autor und Dramaturg in Personalunion – nach 33 Jahren verabschiedet hat. Mit einigem Frust darüber, dass „sich die Stadt bei den Zuschüssen seit 20 Jahren nicht bewegt“. Er vermisse da die Wertschätzung der Politik dafür, dass man über Jahrzehnte ein tolles Kulturangebot für vergleichsweise sehr wenig Geld mit viel Idealismus umgesetzt habe, sagte Kratz im August unserer Zeitung.

Trotz guter Auslastung wird mehr Geld benötigt

Die Pressesprecherin des Theatersommers, Nicola Steller, macht deutlich, dass die Aufgabenfülle von Kratz ohnehin nur „mit einer guten Portion Selbstausbeutung erkauft“ gewesen sei. Eine einzelne Person hätte diese Fußstapfen gar nicht ausfüllen können. Deshalb tritt nun das Tandem Hofer/Schmidt an. Susanne Schmidt ist schon seit 18 Jahren beim Theatersommer dabei, immer mehr reingewachsen und in der Stadt extrem gut vernetzt, Christine Hofer hingegen bringt den frischen Blick von außen und neue Ideen mit. Beides zusammen, so hoffen sie, wird auch Gemeinderat und Stadtverwaltung davon überzeugen, dass der Theatersommer nicht sterben darf. „So etwas aufzugeben oder auch nur zu reduzieren, wäre ein Frevel“, sagt Hofer.

Unterstützung erhofft man sich auch durch ein Gutachten der Hochschule Heilbronn unter der Federführung der Kulturmanagement-Dozentin Raphaela Henze, das der Theatersommer mit Unterstützung der Wüstenrot Stiftung in Auftrag gegeben hatte. Dieses macht deutlich, dass nur ein um 100 000 Euro aufgestockter Gesamtetat den sicheren Fortbestand des Theatersommers garantieren würde. Diese Erhöhung wäre demnach zu erreichen, wenn der Theatersommer die jährlich eingeworbene Summe an Drittmitteln von bislang etwa 40 000 bis 50 000 Euro auf 100 000 Euro steigert und die Stadt Ludwigsburg ihre Förderung gleichzeitig um 50 000 Euro anhebt, so wie es die Trägergesellschaft für den Haushalt 2024 beantragt hat. Andererseits: Die Stadt muss sparen. Bei der Kultur, so Oberbürgermeister Matthias Knecht, werde es auf eine harte Priorisierung hinauslaufen, „bei der wir uns dann entscheiden müssen, dass uns zwei, drei Institutionen mehr wert sind, und zwei, drei andere weniger.“

Theatersommer ist einzigartig

Das ist auch der neuen Theatersommer-Geschäftsführerin bewusst. Dennoch hofft sie darauf, doch noch genügend kommunale Unterstützung zu bekommen, „damit sich auch die Arbeitszeiten mehr in Richtung Realismus verschieben“. Sie betont, man wolle versuchen, mit der Stadt etwas zu bewegen, und dazu auch in die Fraktionen des Gemeinderats gehen. „Es muss allen klar sein: Wenn der Theatersommer wegfällt, gibt es in Ludwigsburg kein professionell produziertes Theater mehr mit angestellten Künstlern und einem drei Monate dauernden Programm. Es gibt dann auch kein Kindertheater mehr und kein Schülertheater.“ Kurz gesagt: Der Stadt falle dann ein Kulturbereich weg, den sie selbst nicht abdecke. Ein Bereich zudem, dessen Bedeutung Knecht immer wieder betont habe.

Speziell das Schülertheater stoße regelmäßig auf eine riesige Resonanz, sagt Schmidt. „Von den Anmeldezahlen her könnten wir fünf Monate Schülertheater spielen. 3000 Kinder sind beim letzten Mal gekommen, und es hätten doppelt so viele sein können, wenn wir nicht einigen Schulen im gesamten Landkreis hätten absagen müssen.“ Und: Mit dem Schülertheater erreiche man auch Kinder, die über ihre Eltern keinen Zugang zum Theater hätten.

Neue Ideen sollen frischen Schwung bringen

Christine Hofer wundert sich ohnehin, „woher die Probleme angesichts der Auslastung überhaupt kommen“. Im Vergleich zu den Zuschauerzahlen bei Landestheatern sei der Zuspruch enorm. „Und ich bin sehr zuversichtlich, dass die Politik das auch erkennt.“ Sie selbst schwärmt von den Möglichkeiten, die ein Freilichttheater bietet. „Die Hemmschwelle ist hier wesentlich niedriger, und trotzdem gibt es Theaterflair.“ Hinzu komme, dass öffentliche Räume Gelegenheit für Kontakte böten: „Wir müssen uns sonst fragen, ob wir nur noch zu Hause Netflix spielen wollen.“

Für den Ludwigsburger Theatersommer möchte sie, dass Klassiker die Brücke zur Gegenwart finden, dass Denkprozesse angestoßen werden. Vorstellen könnte sie sich auch ein Figurentheater mit übergroßen Stabhochpuppen in tschechischer Tradition, denn die würden in der freien Natur ganz anders wirken. „Das soll aber nicht andere Theaterformen ersetzen“, sagt Hofer.

Das sind die beiden Neuen beim Theatersommer

Intendanz
 Die gebürtige Brandenburgerin Christine Hofer ist in Berlin aufgewachsen und fand dort den Weg zum Theater. Sie arbeitete in freien Gruppen sowie am Staatstheater Braunschweig, bevor sie im Jahr 2001 ein Regiestudium an der Berliner Ernst-Busch-Schule aufnahm. Derzeit ist sie Interimsintendantin des Landestheaters Schwaben in Memmingen.

Geschäftsführung
 Susanne Schmidt ist seit vielen Jahren im Bereich Organisation, Verwaltung und Finanzen für den Theatersommer tätig. Sie studierte Kulturmanagement in Liverpool und machte später ihren Master im Management von Kultur- und Non-Profit-Organisationen an der TU Kaiserslautern. In Ludwigsburg ist sie bestens vernetzt, beispielsweise mit den Schlossfestspielen oder dem Scala.