Jörg Pauly und Diana Gantner in „Den schickt der Himmel“ Foto: Kalle Kalmbach

Die Komödie „Den schickt der Himmel“ von Renée Taylor und Joseph Bologna zeigt einen Machtkampf zwischen einem Mann und einer Frau, der trotz aller Ulkigkeit viel Tiefenschärfe gewinnt.

Stuttgart - Diese Frau hat schon ein gewaltiges Durchsetzungsvermögen. Bei einem Casting für einen Werbespot gebärdet die Schauspielerin Tilda sich als völlig verpeilte und hysterische Schreckschraube. Dennoch schafft sie es in Rekordtempo, den bei ihrem Auftritt anwesenden Produzenten Vico ins Bett zu kriegen. „Der Sex war sehr erfreulich“, meint der reichlich hölzerne Schlipsträger anschließend. Ansonsten versucht er, so schnell wie möglich aus Tildas Wohnung zu fliehen, denn Tilda (Diana Gantner) arbeitet mit dem Holzhammer, um den Filmmenschen nicht nur als Bettgenossen, sondern als veritablen Liebhaber für sich zu gewinnen. Doch das klappt nicht. Vico (Jörg Pauly) outet sich erstaunlich ehrlich als absoluter Frauenverbraucher, der nie auf feste Beziehungen aus sei.

Tilda aber gibt nicht auf. Die Komödie „Den schickt der Himmel“ von Renée Taylor und Joseph Bologna, die jetzt im Cannstatter Theaterschiff Premiere hatte (Regie: Cordula Polster), zeigt einen ulkigen Machtkampf. Das Schöne und richtig Moderne an diesem Geschlechterkampf ist, dass die Frau die Zügel in der Hand hat, der Mann dagegen als ungelenker Tropf durch die Handlung stolpert. Bisweilen wird Vico aber auch richtig pampig und weist Tilda derb zurück. Männer halten es nicht aus, wenn Frauen ihnen erotisch massiv auf die Pelle rücken, so könnte eine Botschaft des Stücks lauten.

Diana Gantner ist ein Theatertier

Wie aber kriegt die Komödie die Kurve? Sie verwandelt sich irgendwann ganz leise und Schritt für Schritt vom knalligen Amüsierstück zum Psycho-Drama. Tilda deckt Vicos grundsätzliche Lebensdefizite auf, und damit nimmt die Komödie eine Wendung – leider erst spät. Das alles anzuschauen, macht dem Publikum aber großen Spaß, im Theaterschiff wird heftig gelacht, und das am laufenden Band. Das ist vor allem der umwerfenden Diana Gantner als Tilda zu danken. Gantner ist ein Theatertier, sie brüllt, weint, schmeichelt, sie tanzt als Irrwisch auf der Bühne. Meistens agiert sie schrecklich überdreht und rührend komisch, und wenn sie auch einmal leise und ernst wird, klingt das schön.

Vorstellungen mittwochs bis sonntags bis zum 28. Januar.

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