Die Schauspieler wollen gegen Vorurteile angehen. Foto: Ronny Schönebaum

An diesem Wochenende feiert das Projekt „Tauben“ im Stuttgarter Theater Rampe Premiere.

S-Süd - Unten am Marienplatz sitzen die Künstler, genießen die ersten warmen Sonnenstrahlen des noch jungen Jahres und informieren gleichzeitig über ihr anstehendes Projekt im Theater Rampe. Zur gleichen Zeit fliegen etliche Meter darüber gelassen und virtuos einige Tauben über den Platz, lassen sich eher zögernd als fordernd bei den Ständen des Wochenmarkts nieder, um gleich darauf wieder abzuheben.

So wie an diesem Vormittag sollte es Normalität sein, das gute Mit- und Nebeneinander von Stadtmensch und Stadttaube. Doch die Realität sieht leider überwiegend anders aus, deshalb haben Lotte Lindenborn und Jonas Bolle das Projekt „Tauben“ entwickelt. Der Start der Premiere und der weiteren Aufführungen ist an diesem Sonntag um 19 Uhr an der Marienkirche beim Österreichischen Platz.

Das schlechte Image der Tauben in der Stadt

„Die Taube in der Stadt hat ein überwiegend schlechtes Image, von vielen wird sie als lästig empfunden oder als Erreger von Krankheiten angesehen“, so Lindenborn, „aber das beruht auf viel Unkenntnis.“ Was die Vorurteile gegenüber Tauben betrifft, hat sie vieles ganz konkret erlebt: Sowohl während ihrer Schauspielausbildung in Stuttgart als auch jetzt war und ist die Choreografin und Tänzerin seit zwei Jahren Taubenwärterin beim Stadttaubenprojekt Stuttgart, ist dabei für die Betreuung von zwei Taubenschläge in der Stadt zuständig.

Künstlerisch geht sie einen Schritt weiter: „Die Tauben werden ausgegrenzt in dieser Gesellschaft, häufig mit dem Argument, sie seien schmutzig oder Träger von Krankheiten. Viele sehen sie als Schädlinge. Ausgegrenzt werden aber auch Randgruppen unter uns Menschen.“

Mit dem Projekt „Tauben“ wollen Lindenborn und Bolle Sensibilität entwickeln und mit Vorurteilen aufräumen. Deshalb findet ihr Theater nicht nur in den Räumen der Rampe statt, sondern auch im öffentlichen Raum. So startet die Aufführung in der Marienkirche und am Österreichischen Platz und führt über den Marienplatz schließlich ins Theater Rampe.

„Tänzerisch schaffen wir anfangs Kontraste. Da ist zum einen Amjad Aliwadi aus Palästina. Er hat viel mit Breakdance zu tun, orientiert sich aber auch am klassischen Ballett. Und da ist Jonas Bolle.“ Und dieser: „Wir haben ganz verschiedene Körperlichkeiten. Und mit diesen Unterschiedlichkeiten arbeiten wir erst mal.“ Begleitet von Lautsprecher-Einspielungen, geht es dann die Tübinger Straße entlang.

Abschluss in der Rampe

Bolle: „Wir haben Interviews zu diesen Themen geführt, von denen wir Zitate einspielen. Dazu gehören auch Leute, die sich um die Pflege von Stadttauben kümmern.“ Jeweils zwei Aufführungsbesucher bekommen dazu einen Schirm, unter denen kleine Lautsprecher angebracht sind. „Das führt zum Thema näher hin, hinzu kommen Soundflächen passend zur Umgebung“. Und ganz isoliert sind die Theatergänger dadurch nicht von der unmittelbaren Umgebung wie etwa durch Kopfhörer. „Mittels der Schirme soll die Gruppe als solche erkennbar sein, wir wollen nicht, dass die Leute vereinzelt laufen“, so Bolle.

Und danach geht es – notwendig bei dieser Jahreszeit – zum Abschluss der Aufführung ins warme Theater Rampe. Er und Lindenborn haben Erfahrung mit dieser Art von Theater, Bolle auch als Teil des Citizen-Kane-Kollektivs.

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