Stimmungsvolle Notlösung: Im Theaterhaus Stuttgart lassen sich bei der Reihe „Sommerfestspiele im Hof“ Konzerte, Theater, Kabarett und Comedy auf einer mobilen Bühne unter freiem Himmel samt Bewirtung am Tisch genießen. Foto: Gero Wagner

Aus der Not eine Tugend gemacht: Das Theaterhaus Stuttgart präsentiert seine „Sommerfestspiele im Hof“ noch bis 13. September. Mittels mobiler Bühne lassen sich Konzerte, Theater sowie Kabarett- und Comedy-Auftritte unter freiem Himmel genießen.

Werner Schretzmeier hatte in seiner Branche eigentlich schon alles erlebt: als Intendant und Vater des Theaterhauses, dereinst TV-Macher, Regisseur, Kabarettclubgründer, Musiker, Autor, Achtundsechziger, Kulturschaffender und -ermöglicher und was noch alles. Bis vor wenigen Monaten gab es vermutlich nichts Irdisches, was ihn noch hätte überraschen können. Nichts, was er bei all seiner Erfahrung nicht irgendwann schon einmal so oder so ähnlich mitgemacht und zu bewerkstelligen gewusst hätte.

Dann kam eine Pandemie. „Sie beschäftigt uns nun schon seit vier Monaten. Am 13. März fiel der Vorhang hier im Haus und anderswo, langsam wird wieder mit Vorsicht geöffnet“, schreibt Schretzmeier im Vorfeld der Theaterhaus Sommerfestspiele, die am 1. August beginnen werden und bis zum 13. September endlich wieder das vielfältige Programm bieten, auf das man in diesem denkwürdigen Jahr so lange verzichten musste. Jenes einzigartige Programm, das das Theaterhaus von allen anderen Einrichtungen unterscheidet und es so wichtig für diese Stadt macht.

Dass das Theaterhaus nicht nur die Gäste braucht, sondern auch die Gäste das Theaterhaus brauchen, war in den letzten Monaten zu spüren. „Viele Menschen, die schon vor Monaten Karten für nun ausgefallene Veranstaltungen gekauft haben, machten uns eine große Freude, indem sie ihr Eintrittsgeld dem Theaterhaus spendeten“, so Schretzmeier. Solidarität ist vielleicht die zentrale Botschaft, die das Theaterhaus seit jeher zu über­mitteln versucht. Und sie scheint bis­weilen anzukommen.

Latin Music und Chanson mit dem Jazztrio Berta Epple

Nach erfolgreichen „Testveranstaltungen“, wie Schretzmeier die im Juli erprobte Reihe „Sommer im Hof“ nennt, können also die Sommerfestspiele nun starten. Wieder mal ist es dem Theaterhaus-Team damit gelungen, aus der Not eine Tugend zu machen: Der Hof ist stimmungsvoll beleuchtet, das besondere Flair der Außenwände und zugehöriger Pflanzen lässt schnell vergessen, dass das hier ja eigentlich eine Notlösung ist. Mittels mobiler Bühne lassen sich Konzerte, Theater sowie Kabarett- und Comedy-Auftritte unter freiem Himmel samt Bewirtung am Tisch genießen. Bei schlechtem Wetter geht es in die Säle, die freilich entsprechend allen Sicherheits- und Hygienevorgaben eingerichtet sind.

Gebührend eröffnet werden die Sommerfestspiele schwungvoll mit Swing vom Count Baischy Orchester am 1. August: Vollblutmusiker und -komiker Roland Baisch verwandelt den Hof mit seinen Kollegen Frank Wekenmann, Thilo Wagner und Veit Hübner in einen Nachtclub. Gute Musik mit fröhlichem Witz – besser kann es ja kaum losgehen! Und wer da nicht kann: Baisch und Wekenmann spielen hier am 16. August auch noch ein Best-of ihrer „Songs und Stories“.

Am 7. August macht das Jazztrio Berta Epple gute Laune: Wer sich wie Bobbi Fischer, Veit Hübner und Gregor Hübner nach einem Neckardampfschiff benennt, muss wohl gar nicht erst als besonders unterhaltsam angekündigt werden. Und musikalisch haben’s die Herren eh drauf: Latin Music, Jazz, Weltmusik, Chanson – alles mit dabei.

„Sommerfestspiele im Hof“ bieten Mix aus Kabarett, Musik und Theater

Am Folgetag, dem 8. August, gibt’s dann etwas nachzufeiern: An diesem Tag vor genau 28 Jahren gewann Dieter Baumann Gold bei den Olympischen Spielen in Barcelona. Nun vergoldet er diesen Triumph mit einem Auftritt auf dem Laufband am Pragsattel: Während er die Kilometer auf der Bühne abspult, erzählt er außerdem noch amüsante Anekdoten – hoffen wir für ihn, dass es an diesem Tag nicht ganz so heiß wird!

Mit einer Mischung aus Musik und Komik hat das Theaterhaus das perfekte Angebot für einen ungewöhnlichen Sommer gefunden: Walter Sittler bestreitet gemeinsam mit Sängerin Katrin Avison und Pianist Tizian Jost den musikalischen Abend „Apfelblüten bei Nacht“ (23. August). Sittler kommt übrigens noch mal, nämlich am 4. September, dann aber solo: An dem Abend liest und spielt er Dieter Hildebrandts Texte.

Doch zurück in den August: Da wechseln sich Spaßmacherinnen und Spaßmacher wie Karsten Kaie (14. August), Patrizia Moresco (28. und 29. August) und Rolf Miller (6. September) ab mit Virtuosen wie dem Duo Loisach Marci (9. August), die „Heavy Dialekt handmade in Germany“ versprechen, also traditionelle bayrische Instrumente mit Elektrobeats verbinden. „Jazz at its best“ gibt’s zudem mit dem Trio Anne Czichowsky, Lorenzo Petrocca und Axel Kühn am 15. August.

Lucie Mackert und Roman Roth spielen ihre Show „Me and Mr Cash“

Neben Kabarett und Musik kommt auch das Theater so langsam wieder zurück: Am 21. und 22. August spielen Lucie Mackert und Roman Roth ihre Show „Me and Mr Cash“. Dabei tauchen sie gemeinsam mit dem Gitarristen Thomas Maos in die Welt von Johnny Cash und June Carter ein, erzählen von deren Liebe, dem Show­geschäft und interpretieren natürlich auch die Country-Klassiker, ohne die so ein Abend ja undenkbar wäre.

Und da dieser Text mit dem Theaterhaus-Gründer Schretzmeier eingeleitet wurde, soll er mit einer anderen menschlichen Theaterhaus-Säule geschlossen werden: Peter Grohmann, ebenfalls bedeutender Wegbereiter der Einrichtung und nicht zu bändigender Gesellschaftsverbesserer. Er tritt am 30. August auf, unterstützt von der Band Odalys. Der Titel des Abends: „Deutschland stirbt aus. Nur einer weiß, warum“. Das Theaterhaus indes möge noch lange leben.

Info: „Sommerfestspiele im Hof“: 1. August bis 13. September, verschiedene Veranstaltungen, Theaterhaus, Tickets 07 11 / 4 02 07 20, Programm einsehbar auf der Homepage

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