Mädchennamen in den schönsten Tönen gesungen von diesen jungen Damen. Foto: Gert Daemen

Steven und Stijn Kolacny sind mit ihrem Scala-Chor immer wieder für eine Überraschung gut. Seit 2002 bringen sie Pop-und-Rocksongs im Chor-Klanggewand auf die Bühne. Das geht unter die Haut und kann ganz schön grooven. Am 21. November kommt das belgische Ensemble nach Stuttgart ins Theaterhaus.

Nein, für einen Männerchor könne er nicht komponieren, sagt Steven Kolacny. Es ist dieser ganz spezielle Sound, wenn die Stimmen junger Frauen zusammenklingen, der ihm Gänsehaut mache. Und deswegen schreibt er Arrangement um Arrangement, Hit um Hit für das Ensemble Scala – das aus jungen Frauen besteht.

Wer selbst den Gänsehaut-Test machen möchte, sollte sich auf jeden Fall den 21. November 2019, 20 Uhr, vormerken. Da kommen Scala & Kolacny Brothers nach Stuttgart ins Theaterhaus. Damit keine Missverständnisse aufkommen: Der Tour-Titel hat nichts mit den persönlichen Daten der Vokalistinnen zu tun. Vielmehr hat Steven Kolacny in den vergangenen 25 Jahren so viele Titel aus der Pop- und Rockwelt in Chorsätze umgewandelt – an die 400 sind es wohl –, dass Scala inzwischen eine ganze Reihe von Stücken im Repertoire hat, in denen eine Frau besungen wird. „Es gibt so viele Titel mit Mädchennamen“, sagt Steven Kolacny.

Die stilistische Bandbreite reicht dabei von Falcos „Jeanny“ über „Elke“ von den Ärzten bis hin zu „Rosa“, das allerdings keine Bearbeitung ist, sondern von den Brüdern eigens für Scala geschrieben wurde. „Unsere Fans durften auf Facebook Vorschläge machen!“, erzählt der Frauenstimmen-Fan, der bei den Konzerten am Piano sitzt, während sein Bruder Stijn dirigiert. So ist die Liste entstanden, auf der sich Titel wie „Bonnie und Clyde“ oder „Emanuela“ finden.

Stimmungsvolles Licht-Design gehört dazu

Bei Scala & Kolacny Brothers ist Bewegung drin. Nicht nur auf der Bühne, wenn die jungen Frauen zu einer stimmungsvoll designten Lichtshow immer wieder die Positionen wechseln. Die ganze Geschichte dieses außergewöhnlichen Chors ist dynamisch. Steven Kolacny erinnert sich: „Scala gibt es seit 1996. Erst war es ein gemischter Chor mit jüngeren Mädchen ab 14 Jahren und Jungen. Nach und nach wurde dann ein reiner Mädchenchor daraus, der einen ganz eigenen Klangcharakter besaß. Die Mädchen wurden älter, und da beschlossen wir, auch ältere Sängerinnen zuzulassen.“

Inzwischen sind die meisten zwischen Anfang und Mitte zwanzig. Gehen müsse niemand, betont Steven Kolacny. Aber das Leben der jungen Frauen fülle sich in der Regel zunehmend mit neuen Aufgaben. Und obwohl sie auch schon junge Mütter mitsamt ihren Babys mit auf Tournee genommen hätten, wird es mit der Zeit dann meistens doch zu viel.

Bereits ehe sie Scala gründeten, waren die Klavier spielenden Brüder Stijn und Steven Kolacny von Stimmen fasziniert, wie Steven erzählt. Schon immer hätten sie viel mit Chören gearbeitet. „Aber dann wollten wir etwas Eigenes machen.“ Sie beobachteten und machten sich Gedanken, was die Menschen berühren könnte, was sie mögen würden.

Rammstein zählt zu den Scala-Fans

Bis 2002 war Scala ein gewöhnlicher Chor. Doch dann fiel die Entscheidung, das Repertoire des Chors zu ändern. „Warum singen alle Chöre immer dieselben klassischen Lieder?“, fragten sich die Brüder. „Warum singen sie keine zeitgenössischen Titel aus den Bereichen Rock und Pop? Warum schreibt niemand so etwas?“

Sie machten sich ans Werk, und so wurde aus dem Radiohead-Titel „Creep“ das Chorwerk, das ihnen den Durchbruch bescherte. Die belgische Presse war begeistert, und schon bald folgten goldene Schallplatten und Einladungen zu Festivals – auch Rockfestivals. „Rammstein gehört zu unseren Fans“, verrät Steven Kolacny. Das liegt daran, wie Scala deren Hit „Engel“ verwandelte. „Das ist eine ganz spezielle Atmosphäre, sehr emotional.“

Inzwischen finden sich Scala-Tracks auch in Hollywood-Serien, wie „Desperate Housewives“, und sie sind auch im Trailer zu David Finch’s Film „Social Network“ zu hören.

Die Sängerinnen lieben Weihnachtsmärkte in Deutschland

Die Organisation des Chors ist ebenfalls außergewöhnlich. Steven Kolacny beschreibt: „Die Mädchen kommen von überall her aus dem flämischsprachigen Teil Belgiens. Geprobt wir in Aarschot, einer kleinen Stadt, immer am Samstag. Wenn wir auf Tour sind, dient uns der Soundcheck als Probe.“

Während laut Liste um die hundert Vokalistinnen Scala-Mitglieder sind, hört und sieht das Publikum bei den Shows in der Regel nur ein gutes Dutzend. „Wir geben immer rechtzeitig eine Liste mit allen anstehenden Konzerten aus und fragen, wer kann und wer nicht.“ Keine muss einen Grund angeben, wenn sie keine Zeit hat. „Alle sind in etwa auf demselben Level. Das ist wie bei einem guten Fußballteam“, sagt Steven Kolacny und lacht.

Auch für seinen Posten als Pianisten und den seines Bruders Stijn gibt es Ersatz, wenn Not am Manne ist. In der Regel sind sie jedoch mit von der Partie. Auf der Mädchennamen-Tour werden zwölf junge Frauen zusammen mit den Brüdern sowie einem Drummer mit von der Partie sein. 18 Köpfe zählt dann das Ensemble, das in Deutschland im Nightliner-Bus auf Tour ist.

In Deutschland waren sie zum ersten Mal 2004 unterwegs. Inzwischen ist es für das Ensemble zur zweiten Heimat geworden. Dass sie nun in der Vorweihnachtszeit hier auf Reisen sein werden, freut sie besonders. Warum? „Sie lieben die deutschen Weihnachtsmärkte“, sagt Steven Kolacny und schmunzelt.

Info: Scala & Kolacny Brothers; Mädchennamen-Tour, 21. November, 20 Uhr, Theaterhaus Stuttgart, Tickets unter unter 0711/84 96 16 72 oder hier.

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