Foto: Benjamin Beytekin

Kolchose-Mitbegründer Max Herre präsentierte den Stuttgarter Fans im Theaterhaus sein neuestes Album "Hallo Welt!" - eine Bildergalerie.

Stuttgart - "Stuttgart, ihr wart meine erste Liebe!“, ruft er hinaus in die Halle – und Stuttgart antwortet ihm mit Jubel. Mehr als 1600 ­Besucher füllten den Saal T1 im Theaterhaus restlos aus, als Max Herre am Montagabend mit dem Album „Hallo Welt! im Gepäck zurückkehrte, in seine Heimat und zu seinem Stil.

Und Gäste mitbrachte: Nicht nur seine Frau und Duettpartnerin Joy Denalane stand an diesem Abend mit ihm auf der Bühne, auch Herres alter Mitkämpfer aus Kolchosetagen, Afrob – und, spät am Abend, plötzlich, kurz – der neue Star aus Ludwigsburg, Philipp Poisel.

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Poisels Auftritt war der Höhepunkt eines musikalisch perfekt in Szene gesetzten Konzerts, das nur eines wollte: das Publikum packen. Die Menge, ob dieser Rückkehr des verlorenen Sohns der Stadt ohnehin zum Feiern aufgelegt, ließ sich das gerne gefallen. Und den neuen und alten Beats von Max Herre konnte und wollte sich keiner entziehen: Der Bass setzte ein und nicht mehr aus, Vom ersten Song an wogte der Saal. Keine zehn Minuten, und auch die Sitzplätze auf der Galerie wurden nicht mehr gebraucht.

Als Max Herre vor Jahren in der Liederhalle auftrat und ausführlich seiner Vorliebe für die 1970er Jahre huldigte, war von solcher Euphorie, solchem Andrang nur wenig zu spüren. Die Fans, das ist klar, wollen keinen Herre, der nach Wurzeln gräbt, sondern einen, der ihnen tanzbare und relaxte Musik für die Gegenwart gibt. Einen, dem es gelingt, seine Einflüsse zu aktualisieren. Herre, geboren 1973 in Stuttgart, hat den Blick zurück nicht aufgegeben – der Mann, der vor wenigen Jahren noch die Doobie Brothers sein wollte, schaut auch heute noch Vorbildern wie Bob Marley oder Marvin Gaye sehr konzentriert auf die Finger.

Aber die Soulballade mit Kopfstimme und perlendem Piano ist nun so dicht ein­gebettet in ein Set voll der groovenden Bässe, in dem der schlaksige Sänger mit Bart und kleiner Wollmütze, T-Shirt und Jacke umherspringt und mit rau-nasaler Stimme singt. Nicht nur die Stücke seines aktuellen Albums „Hallo Welt“. „A-N-N-A“, der Hit von 1996, gerät zur Hymne: „Immer wenn es regnet, muss ich an dich denken“. ­Welcher Stuttgarter hätte diese Zeilen vergessen?

Herre singt vor einer Skyline mit Fernsehturm, vor der eine Bretterbude steht – über ihr der Schriftzug „On Air“, in ihr ein Mann am Laptop, daneben je einer an Gitarre, Bass, Schlagzeug, zwei an den Keyboards. Gelegentlich lässt er sich die akustische oder elektrische Gitarre reichen, bei Balladen steht er in einem warmen gelben Lichtkegel, während die Band in blau schimmerndem Halbdunkel versinkt. Immer wieder treten Afrob und Joy Delalane an seine Seite – der Applaus, als Poisel dann zu Herre stößt, um mit ihm „Wolke 7“ zu singen, zwei minimalistisch hämmernde Akustikgitarren die Spannung in diesem Song auf die Spitze treiben, ist frenetisch.

Auch Caro, eine Zuschauerin, die auf die Bühne darf und mit Max Herre tanzt, ­bekommt ihren Beifall. Zuletzt fleht Herre eine Yvonne an, zum klassisch quirligen Reggae-Sound – jeder zappelt, jeder ist glücklich, lange schon. Eine Hommage, nicht an Joe Cocker, sondern an Billy ­Preston – „You Are So Beautiful“ – ist die nächste Hymne für den Saal. Dann ist es nach 23 Uhr, Max Herre und seine Band haben zwei Stunden gespielt, viel länger schon als angekündigt – aber das Stuttgarter Publikum fordert noch eine Zugabe. Und bekommt sie.


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