Das groteske Clowntrio von Martin Zimmermanns „Eins Zwei Drei“ tritt im Theaterhaus auf: am 28. und 29. Februar, jeweils um 20.30 Uhr. Foto: Nelly Ridriguez

Mit „Eins Zwei Drei“ inszeniert Martin Zimmermann ein Clowntrio in einem ultramodernen Museum. Die drei Tänzer, Artisten und Schauspieler Tarek Halaby, Dimitri Jourde und Romeu Runa verkörpern das Trio in einem dynamischen Bühnenbild. Im Interview spricht der Schweizer über seine neue Inszenierung.

Herr Zimmermann, woher stammt Ihre Faszination für Clowns?

Meine Mutter war die erste Person, die ich imitiert habe. Schon ganz früh war ich angezogen von dem, was mich zum Lachen brachte. Humor ist für mich das Allerwichtigste im Leben. Jeder Mensch ist für mich ein Clown. Ich mag skurrile Figuren und abgründige, bizarre Ausdrucksformen. Es ist der Humor, der meine Arbeit anleitet, dem ich nachspüre in allen Möglichkeiten und Unmöglichkeiten des menschlichen Daseins. Das Einzige, was uns noch retten kann, ist der Humor!

Wie hat sich die Figur des Clowns innerhalb des Theaters in den letzten 20 Jahren verändert?

Ich komme aus der Tradition von Charlie Chaplin, Buster Keaton und Charlie Rivel. Sie waren alle sehr physische Clowns. Ohne Worte. Mein Herz schlägt für sie. Mich interessiert der Körper viel mehr als das Wort. Gäbe es den Clown Grock noch, würde er große Hallen füllen, weil seine Arbeit so tief menschlich war. Für mich sind aber auch Christoph Marthaler, Lady Gaga oder Lucian Freud Clowns.

In einem Interview haben Sie einmal gesagt: „Der Clown ist der letzte Punk von heute.“ Was meinen Sie damit?

Der Clown ist lebenswichtig für uns alle, damit wir uns vergewissern, dass wir am Leben sind. Er ist ein Freigeist, ein Spinner, ein Querdenker und zeigt uns die Fragilität, das Spiegelbild des menschlichen Daseins.

Haben Sie mit Tarek Halaby, Dimitri Jourde und Romeu Runa schon zusammengearbeitet?

Ich kenne alle drei schon lange. Mit dem einen habe ich schon gearbeitet, mit dem anderen habe ich sogar im Alter von 19 Jahren an der Nationalen Zirkusschule C.N.A.C. in Paris studiert. Ich könnte nie so ein intimes Stück machen, hätte ich nicht so eine nahe Beziehung zu den Künstlern.

Warum haben Sie die drei für das Clowntrio ausgewählt?

Ich kreiere Stücke für Tänzer, physische Schauspieler und Akrobaten, die mich berühren und inspirieren. Mit den drei Weltklasse-Performern habe ich eine sehr persönliche Geschichte. Sie interpretieren nicht, sie spielen von tief drin nach außen zum Publikum. Ich experimentiere seit 20 Jahren mit der menschlichen Silhouette und dem Raum. Was man aber nicht vergessen darf, ist die Livemusik. Sie spielt eine zentrale Rolle neben den Figuren und dem Raum. Ich habe großes Glück, dass ich mit dem fantastischen Schweizer Komponisten Colin Vallon arbeiten kann. Seine Kompositionen umrahmen die absurden Figuren auf magische Art. Ich bin ein großer Fan seiner Musik.

Können Sie die Charaktere Ihres Clowntrios kurz beschreiben?

In meiner neuen Kreation setze ich mich mit dem vertrackten Verhältnis zwischen dem eitlen, gebildeten, besserwisserischen Weißclown und dem warmherzigen naiven August auseinander. Und mit dem verrückten Dritten, dem „contre-pitre“, der immer alles wieder durcheinanderbringt. Durch dieses Beziehungsdreieck versuche ich, die ganze Poesie, die Gewalt und die Komplexität von Beziehungen und Machtkämpfen der heutigen Zeit zu skizzieren. Für jeden der drei geht es um die Existenz und das nackte Überleben. Todernste Themen aus dem Leben, mit denen ich auf humorvolle Weise spiele, aber immer wieder das monströse Potenzial der Situationen durchschimmern lasse.

Mit welchen zentralen Objekten inszenieren Sie das Stück auf der Bühne?

Ich wollte einen wandelbaren Raum schaffen, der verschiedene Situationen hergeben kann. In diesem Raum gibt es einfache Objekte wie Sockel, Bilderrahmen, Türen, Treppen, die an ein Museum erinnern. Ich wollte aber vor allem in der Dramaturgie eine ultrageordnete Welt aufzeigen, die total in sich zusammenfällt. Unsere Welt ist so komisch organisiert, dass alles eigentlich nur noch auseinanderfallen kann. Das passiert auch in meinem Stück. Die Frage ist: Was kommt danach?

Warum haben Sie sich das Museum als Handlungsort ausgesucht?

Ich bekam eine Anfrage von der Fondation Beyeler in Basel, eine Woche lang Performances im Rahmen der Ausstellung von Alexander Calder & Fischli Weiss aufzuführen. Mir kam die Idee, einen Besucher zu spielen, der noch nie in einem Museum war und alles anders macht, als man es von ihm erwartet. Ich dachte: Das Thema hat auch Potenzial für ein Theaterstück. Das Museum als Metapher der heutigen Zeit mit so vielen Regeln, dass man nur alles falsch machen kann.

Info: „Eins Zwei Drei“: 28. und 29. Februar, 20.30 Uhr, Theaterhaus, Tickets unter 07 11 / 4 02 07 20 sowie auf der Homepage des Theaterhaus Stuttgart

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