Nora Brown tanzt Bridget Breiners Choreografie in „The Dying Swans Project“. Foto: Maks Richter

Seit dem 8. Februar arbeitet Gauthier Dance, die Dance Company des Theaterhauses Stuttgart, mit 16 renommierten Choreografen, Musik- und Filmschaffenden an „The Dying Swans Project“. Zu sehen sein wird das Tanzprojekt zunächst auf den Online-Kanälen des Theaterhauses.

Nein, Höhenflüge sind im Bereich der Kultur im Allgemeinen und im Tanz im Besonderen gerade wirklich nicht an der Tagesordnung. Umso schöner ist die Aussicht, dass ganz besondere Vögel ihre Gefieder pflegen, um bald wieder in den Tanzhimmel zu starten und ihr Publikum – vorerst online – mitzunehmen. Möglich wird das durch „The Dying Swans Project“ von Gauthier Dance, der Dance Company des Theaterhauses Stuttgart.

Ins Leben gerufen hat es Company-Chef Eric Gauthier Anfang des Jahres und er konnte dafür auch schnell die Unterstützung der Daimler-Initiative „be a mover“ gewinnen. Sie ist Teil des weltweiten „Corporate Citizenship“-Engagements des Konzerns.

Bridget Breiner entwickelt eine der 16 Choreographien

Seit dem 8. Februar arbeiten nun die 16 Mitglieder von Gauthier mit 16 renommierten Choreografinnen und Choreografen, Musik- und Filmschaffenden an „The Dying Swans Project“, das zunächst auf den Online-Kanälen des Theaterhauses zu sehen sein wird – und, sobald aus dieser Sehnsucht Wirklichkeit werden kann, natürlich auch live auf der Bühne.

Eine der 16 Choreografien entwickelt Bridget Breiner zusammen mit dem Company-Mitglied Nora Brown. Breiner, ehemalige erste Solistin des Stuttgarter Balletts, ist seit der Spielzeit 2019/20 Ballettdirektorin und Chefchoreografin Staatstheater Karlsruhe. Geprobt wird gerade im Theaterhaus via Zoom. Ballettmeister Luis Eduardo Sayago, live mit Tänzerin Nora Brown in der Halle T3, leistet dabei wichtige Unterstützung.

Frau Breiner, ein wichtiges Element Ihrer Choreografie ist der Spitzentanz. Warum haben Sie diese klassische Technik gewählt und wie setzen Sie sie ein?

Meine eigene Karriere als Tänzerin erwuchs aus meiner Liebe zum klassischen Tanz und der Faszination, welche die Technik des Spitzenschuhs auf mich ausübte. Das habe ich irgendwie in mein choreografisches Tun übernommen und arbeite weiterhin damit. Es ist eine wunderbare Herausforderung, auf neue Weise mit einer solchermaßen strukturierten Form von Tanz umzugehen.

Ich hatte auch das große Glück, mit der Tänzerin Nora Brown zu arbeiten, als sie bei Ballett im Revier tanzte und ich dort Direktorin war. Daher wusste ich, dass sie wunderbar sein würde – und der Aufgabe in jedem Fall gewachsen.

Ihre Choreografie enthält Bewegungen und Positionen, die unmittelbar an Schwäne erinnern, die man aus der klassischen Balletttradition kennt, etwa im „Schwanensee“. Was ist der Grund dafür? Und wie verwenden Sie diese Elemente?

Der Titel „Dying Swans Project“ inspirierte mich, mit diesen Elementen zu beginnen: Sterben und Schwan. Wir haben diese Worte und Themen einfach genommen, um unseren eigenen Prozess zu beginnen und uns dann von ihnen inspirieren lassen. Was die Schwan-Bewegungen des klassischen Balletts betrifft: Die Bewegungen selbst sind so fragil und stark. Wenn man sie ausführt, ist ganz automatisch ein Gefühl von Lebenskraft im Körper – diese physische Bewegung hat uns dabei geholfen, die emotionale Richtung des Solos zu finden.

Was können Sie uns zur Musik sagen?

Die Musik wird von meinem Bruder Patrick Breiner komponiert und gespielt. Er und ich haben schon einige Projekte miteinander gemacht – das erste war übrigens für eine Benefiz-Gala von Gauthier Dance. Patrick hat einen Jazz-Hintergrund, aber er kann sich in unterschiedlichen Musikrichtungen bewegen.

Für dieses Stück hat er sich selbst an der Klarinette, der Bassklarinette und am Tenorsaxofon aufgenommen und dann die verschiedenen Tonspuren übereinandergelegt. Als wir über das Projekt gesprochen haben, ging es viel um das Alleinsein, wenn man zu den darstellenden Künstlern zählt, vor allem gerade jetzt. Das hört man in dieser Musik. Man hört auch die Hoffnung. Patrick sprach über ein tägliches Ritual: „Was ist die eine kleine Sache, die ich heute angehen kann?“ Eine kleine Komposition – das ist Hoffnung.

Warum ist diese Hoffnung ein wichtiges Thema in Ihrer Choreografie?

Im vergangenen Jahr mussten wir alle unsere Kunst um ihrer selbst willen ausüben. Das ist Hoffnung. Fortzufahren, an unserer Kunstform zu arbeiten, nicht für Beifall und Applaus, sondern weil es uns braucht. Wenn wir das Tanzen nicht praktizieren, existiert der Tanz nicht. Die Tatsache, dass überhaupt ein Tänzer gerade jetzt tanzt, ist schon ein unglaubliches Zeichen der Hoffnung.

Info: „The Dying Swans Project“: Choreografien von Mauro Bigonzetti, Bridget Breiner, Virginie Brunelle, Kinsun Chan, Edward Clug, Dominique Dumais, Andonis Foniadakis, Itzik Galili, Eric Gauthier, Smadar Goshen, Anita Hanke,Guillaume Hulot, Nicki Liszta, Constanza Macras, Kevin O’Day, Elisabeth Schilling. Ausgeführt von Gauthier Dance.

Zu sehen ab Anfang April auf www.theaterhaus.com