Szene mit der belgischen Theatergruppe The happy few, die zu Gast in Stuttgart sind. Foto: CLARA HERMANS/CLARA HERMANS

Gender, Europa und internationale Theaterentwicklung: Wie sich das Stuttgarter Theaterfestival „Schöne Aussicht“ mit der Zukunft beschäftigt.

Das Kinder- und Jugendtheaterfestival „Schöne Aussicht“ steht in diesem Jahr „Im Zeichen des Wandels“. Wir haben einige Höhepunkte zusammengestellt, die man auf keinen Fall verpassen sollte.

 

Vom Ende zum Anfang

Nicht nur künstlerisch setzt sich das Festival mit dem Wandel auseinander, es markiert auch einen ganz realen Übergang. Brigitte Dethier legt am Ende der aktuellen Spielzeit die Intendanz des Jes nach 20 Jahren nieder. Ihre Nachfolgerin steht bereits fest: Grete Pagan. Dieser Wechsel bringt es mit sich, dass Dethier gemeinsam mit Christian Schönfelder in diesem Jahr zum letzten Mal die künstlerische Leitung des Festivals übernimmt – und das unter besonderen Umständen: „Die Sichtungen waren wegen der Pandemie etwas schwieriger als sonst“, erzählt Schönfelder. Viele der Produktionen konnte das Team vorab nur online sehen. Für „Schöne Aussicht“ 2022 hat das Team daher sowohl Theatergruppen eingeladen, die sie bereits in der Vergangenheit begeisterten, als auch Kompanien und Künstler, die sie schon immer mal gerne in Stuttgart begrüßen wollten, zum Beispiel das Kabinet K mit „Promise Me“.

„Promise Me“: 8.5., 19 Uhr; 9.5., 10 Uhr

Prägungen der Gesellschaften

Wie Menschen fühlen, handeln und bewerten, hängt zu großen Teilen davon ab, in welcher Gesellschaft sie aufwachsen. Mit diesem Gegenspiel beschäftigen sich gleich mehrere der diesjährigen Gastspiele: Die niederländische Lecture-Performance „Met zonder Ballen“ („Mit ohne Eier“) zeichnet die Auseinandersetzung von Mutter und Kind mit der Transsexualität nach. In „dÄmonen“ entführt das Schweizer Theater Sgaramusch die Zuschauenden dokumentarisch in die Konfrontation mit den dunklen Stimmen im Inneren. Das Stück „Morwa, the Rising Son“ des botsuanischen Theatermachers Tefo Paya reflektiert Männlichkeitssymboliken und geschlechterspezifische Stereotype in Botswana – und stellt sie dem eigenen Aufwachsen gegenüber.

„Met zonder Ballen“: 9. 5., 16 Uhr und 20 Uhr, „dÄmonen“: 12.5., 19 Uhr; 13.5., 10 Uhr„Morwa, the Rising Son“: 13.5., 11 Uhr und 21 Uhr, 14.5., 19 Uhr.

Bühne gegen Perspektivlosigkeit

Wer in den Wellblechhütten der Townships in Kapstadt aufwächst, lebt in widrigsten Umständen. Die Armenviertel sind durchzogen von Perspektivlosigkeit und Vernachlässigung – ein Klima, das besonders jungen Menschen kaum Hoffnung gibt. Das Magnet Theatre aus Kapstadt arbeitet dagegen an und bietet jungen Menschen aus den Townships eine künstlerische Ausbildung. Vier von ihnen kommen jetzt gemeinsam mit Jennie Reznek, der Künstlerischen Leiterin des Theaters, nach Stuttgart. Mit „Stone Play“ haben sie ein Stück im Gepäck, das fast vollständig ohne Sprache auskommt und so für alle zugänglich ist. „Stone Play“ spielt in einer vergessenen Welt aus Licht und Schatten, in der Figuren Klänge, Rhythmen und Werte für sich entdecken.

„Stone Play“: 13.5., 10 Uhr, 14.5., 11 Uhr und 15 Uhr, 15.5., 11 Uhr.

Austausch der Autoren

„Schöne Aussicht“ ist nicht nur Publikumsfestival, sondern auch Fachtreffen und vergibt den Jugendtheaterpreis Baden-Württemberg samt Stipendium für eine Stückentwicklung. In diesem Jahr liegt der Fokus dabei statt auf einer traditionellen Preisverleihung auf dem Austausch: In einer „Autor*innen-Lounge“ sollen alle Preisträgerinnen zu Wort kommen. „Wir wollen in einer lockeren Stimmung darüber sprechen, was es heißt, heute Autor für Kinder und Jugendliche zu sein“, so Christian Schönfelder.

Übrigens: Vor einigen Jahren hat die Theatermacherin Christina Kettering den Preis gewonnen. Gemeinsam mit dem Jungen Theater Baden-Baden stellt sie nun beim diesjährigen Festival das Stück „Im Wald“ vor, das mithilfe des damaligen Stipendiums entstanden ist.

„Im Wald“: 13.5., 13 und 16 Uhr.

Infos

Rahmenbedingungen
Das internationale und baden-württembergische Kinder- und Jugendfestival „Schöne Aussicht“ findet vom 8. bis zum 15. Mai 2022 in Stuttgart statt. Die Veranstaltungen finden an verschiedenen Orten und Spielstätten live statt und sind mit voller Auslastung geplant.

Inklusion
Das Leitungsteam hat zudem ein Zugänglichkeitskonzept entwickelt, so werden einige Vorstellungen in deutscher Gebärdensprache, mit Flüsterübersetzungen, Tastführung sowie mit Untertiteln für Gehörlose angeboten.

Weitere Infos unter: www.schoene-aussicht.org