Renate Staiger schminkt Pearl Kraus, die den Hund Holly spielt. Foto: Theresa Ritzer

Derzeit wird am Theater unter den Kuppeln in Stetten (Leinfelden-Echterdingen) das Stück „Der Zauberer von Oz“ aufgeführt. Bei einem Besuch vor Ort bekam die Redaktion zu sehen, was dem Zuschauer sonst verborgen bleibt.

Stetten - Joel Jetter sitzt ganz entspannt auf dem Drehstuhl vor dem großen Spiegel und lässt sich von Gregor Prust fettige Pomade in die Haare schmieren. „Joel kennt die Prozedur schon“, sagt Prust. „Er ist schon so lange dabei, er ist fast ein alter Hase.“ In diesem Jahr führen die Schauspieler des Theaters unter den Kuppeln das Kinderstück „Der Zauberer von Oz“ auf. Joel spielt dabei den titelgebenden Zauberer. „Der Zauberer von Oz muss ein bisschen schleimig aussehen“, findet Prust. „Deswegen bekommt er viel Pomade ins Haar.“ Dann nebelt er Joels neue Frisur noch mit extra viel Haarspray ein. „Die Frisur muss auch bei Regen halten“, sagt er. Schließlich stehen die Schauspieler auf einer Freilichtbühne.

Die Maske, in der die Schauspieler des Kindertheaters vor ihrem Auftritt geschminkt werden, ist ein kleiner Raum unter dem Theaterfoyer. An der einen Wand hängen zwei großflächige Spiegel, eine andere Wand ist bis zur Decke mit Schränken zugestellt. Immer zwei Maskenbildner schminken dort die Schauspieler. An diesem Mittwochnachmittag sind es Gregor Prust und Renate Staiger.

Tiergesichter sind am aufwendigsten

Ihre Arbeit beginnt zwei Stunden vor der Aufführung. Nacheinander nehmen die Schauspieler auf den Drehstühlen vor den großen Spiegeln Platz. Einen genauen Zeitplan, wer wann geschminkt wird, gibt es nicht. „Wir kümmern uns einfach um den, der kommt“, sagt Staiger. Das kann insbesondere mittwochs stressig werden. „Da sind die meisten Schauspieler bis kurz vorher in der Schule“, sagt Staiger, „Um 13 Uhr ist noch fast keiner da.“ Dafür stehen sie laut ihr dann eine Stunde später Schlange.

Staiger tunkt einen kleinen Schwamm in braune Schminkfarbe. Mit ihm streicht sie Pearl Kraus über Wangen und Stirn. Die Nase wird weiß, nur die Nasenspitze malt Staiger schwarz an. Nach und nach verwandelt sich Pearl in Holly, den kleinen Hund, der im Stück zusammen mit seiner Herrin Dorothee von einem Wirbelsturm in ein fremdes Land geweht wird. „Tiergesichter zu schminken ist das Aufwendigste“, sagt Staiger. Bei denen müsse man nämlich erst die Grundfarbe auftragen, bevor man überhaupt mit dem eigentlichen Schminken beginnen könne.

Staiger schminkt seit fünf Jahren Kindergesichter am Theater unter den Kuppeln. „Eigentlich kümmre ich mich um die Kostüme“, sagt sie und lacht. Als 2013 ihre Tochter bei damaligen Kinderstück Peter Pan eine größere Rolle spielte, schminkte Staiger sie. Die Kollegen hätten das super gefunden und sie überredet, mal in der Maske mitzuarbeiten. „Seither helfe ich hier jedes Jahr aus“, sagt sie.

So viel Zeit wie die Profis haben sie nicht

Zur Aufgabe eines Maskenbildners gehört mehr als nur das Schminken. So bekommt die gute Hexe Aglaia aus dem Stück eine wallende, rosafarbene Perücke auf. Als sich Aglaia vorbeugt, damit Prust ihr das Gummi der Perücke im Nacken schließen kann, fallen mit leisem Klicken drei Perlen auf den Boden. „Mist! Mein Ohrring!“ ruft sie aus, „Was mache ich jetzt?“ Denn die Ohrringe gehören zum Kostüm. Prust weiß Rat. Schwungvoll zieht er eine Schublade auf. Darin liegen Haarbänder, Armreifen, Sonnenbrillen – und Ohrringe. „Bedien dich!“ sagt er.

Prust ist seit vier Jahren beim Theater unter den Kuppeln. „In dieser Saison bin ich bei fast jedem Spieltermin des Kindertheaters hier“, sagt er. Wie Staiger hat auch er hauptberuflich nichts mit Schminken zu tun. „Wir machen das genauso freiwillig wie die Schauspieler“, sagt Prust.

Eine Grundausbildung in der Maske haben sie dennoch. Das Theater unter den Kuppeln schickt seine Maskenbildner zu Schulungen des Landesverbands Amateurtheater. „Bei dem haben uns Profis gezeigt, was in der Maske alles möglich ist“, sagt Staiger. Dabei habe sie auch erfahren, dass Profis einen Schauspieler durchaus auch mal eineinhalb Stunden schminken. „Die Zeit hätten wir gar nicht“, sagt Staiger und Prust ergänzt: „Wir haben zehn Minuten, maximal.“ Schließlich haben sie für alle Schauspieler nur zwei Stunden Zeit.

Nicht alle der 60 Darsteller werden geschminkt

Insgesamt stehen bei „Der Zauberer von Oz“ 60 Darsteller auf der Freilichtbühne. „Die schminken wir aber nicht alle“, sagt Prust und lacht. „Das würden wir gar nicht schaffen.“ Um viele kümmern sich die Eltern. Denn alle Schauspieler werden geschminkt. Und wenn es nur ein Lidstrich unter dem Auge ist. Der sei sogar das Wichtigste. „Obwohl das nur ein Strich ist, ist die Wirkung enorm“, sagt Prust. „Man sieht den Ausdruck der Augen so viel besser.“ Dieses Schönschminken, wie Prust es nennt, übernehmen beim Kindertheater zumeist die Eltern.

Die Maskenbildner kümmern sich um die Schauspieler mit den aufwendigeren Gesichtern. Damit die nicht jedes Mal anders aussehen, hängen zwischen den Spiegeln DIN-A4-Papiere, auf denen aufgezeichnet ist, welche Rolle wie aussehen soll. Manchmal geht trotzdem etwas schief. „Beim letzten Mal, als ich die Vogelscheuche geschminkt habe, habe ich das falsche Gelb erwischt“, sagt Prust und lacht. Der Schauspieler habe danach ein bisschen wie ein Kürbis ausgesehen. Dieses falsche Gelb hat Prust sofort danach aus dem Schminkkasten entfernt, „damit mir das nicht noch einmal passiert.“

An diesem Nachmittag jedoch passiert kein Missgeschick. Fünf Minuten vor Beginn des Stücks ist auch der letzte Schauspieler fertig geschminkt. Während die Regisseurin oben auf der Freilichtbühne die Zuschauer begrüßt, räumen Renate Staiger und Gregor Prust die Schwämme und die Schminke, die Pinsel und die Kämme zusammen. Als für die Schauspieler die eigentliche Arbeit losgeht, haben die Maskenbildner ihre bereits getan.

Das Kinderstück wird noch am 12. August aufgeführt, und zwar von 15 Uhr an. Karten kosten je nach Sitzplatz acht oder zehn Euro. Einlass ist eine Stunde vor Beginn der Vorstellung. Das Theater unter den Kuppeln befindet sich am Gräbleswiesenweg 32. Mehr Informationen gibt es unter www.tudk.de.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: