Seit einer Woche haben die Theater Terrassen vor dem Opernhaus Stuttgart geöffnet. Wer hier sitzt, ist im Stadtzentrum und doch scheinbar in einer anderen Welt.
Am Samstagnachmittag ist es heiß in Stuttgarts Stadtmitte. Wind ist nicht zu spüren. Der Kleine Schlossplatz fiebert fast – doch es merkt kaum jemand. Der Platz ist weitgehend leer. „Unten“, zwischen Theodor-Heuss-Straße und Schlossplatz, gehen die letzten der Samstagseinkäuferinnen und Samstagseinkäufer – jetzt gehört die Stadt jenen, die flanieren. Weit kommen sie nicht – der Radius aller Menschen ist begrenzt an diesem Nachmittag. „Es ist einfach zu heiß“, sagt ein Herr der nurmehr seine Radhose und seine Radschuhe trägt. Die freien (Männer-)Oberkörper interessieren indes kaum noch jemand in der City – das neue Normal hat seine eigene Geschwindigkeit.
Über den Schlossplatz und zwischen Kunstgebäude und Neuem Schloss hindurch geht es zum Eckensee. Das Opernhaus taucht auf, davor große, sehr große Schirme. Theater Terrassen haben die Staatstheater und Gastronom Scholz das neue Außengastronomie-Angebot getauft. Vor einer Woche eröffnet, ist der Besuch am Samstagnachmittag nicht überbordend. Dafür aber erholsam. „Mitten im Zentrum, aber wie in einer anderen Welt“, raunt es am Nachbartisch. Und kühler als um und auf dem Schlossplatz zudem. Die großen Bäume und der Eckensee zeigen Wirkung.
Tatsächlich ist man mittendrin in der Stadt – aber wie! „Dieser Ort“, sagt denn auch Marc-Oliver Hendriks, Geschäftsführender Intendant der Staatstheater Stuttgart, „bietet eine einzigartige Atmosphäre, in der nicht nur unsere Gäste ihre Zeit vor den Vorstellungen verbringen“. Hendriks sieht die Theater Terrassen als Ort, „der durchgängig zu den Öffnungszeiten auch weitere Besucherinnen und Besucher des Oberen Schlossgartens anlockt“.
Kaum Fahrradverkehr bei 35 Grad
Und die Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrer? Immerhin verläuft hier die Hauptradroute 1 der Landeshauptstadt. Am Samstagnachmittag sind sie nur vereinzelt unterwegs – und halten sich bis auf eine Ausnahme sogar an die lange Zeit doch eher abstrakt wahrgenommene, ausgeschilderte Schrittgeschwindigkeit in diesem Bereich. Diese Debatte wird sicher weitergehen.
Den Littmann-Bau neu schätzen lernen
Für Marc-Oliver Hendriks zählt jedoch zunächst, dass es die Theater Terrassen überhaupt gibt. Auch er, sagt Hendriks, erlebe das Staatstheater-Areal mit Opernhaus, Verwaltung und Schauspielhaus nun noch einmal neu. „Wir sind stolz darauf“, sagt Hendriks, „dass wir den Menschen in Stuttgart und darüber hinaus einen Ort bieten können, an dem sie die Schönheit des Littmann-Baus und das herrliche Ambiente des Eckensees in Verbindung mit einem gastronomischen Angebot genießen können“. An diesem Sonntag, 17. Juli, wieder von 12 bis 22 Uhr.