Das Neue Globe-Theatre in Hall spaltet die Stadt. Foto: Stadt Schwäbisch Hall

Der Schwäbisch Haller Gemeinderat bewilligt im zweiten Anlauf zähneknirschend Mehrkosten.

Schwäbisch Hall - Der Gemeinderat fühlt sich im „Entscheidungsdilemma“ (Joachim Härtig, Grüne), der Oberbürgermeister steht als „Druckmacher“ (Helmut Kaiser, SPD) in der Kritik – und die Entscheidung fällt mit 19 Für- und 15 Gegenstimmen knapp. Im zweiten Anlauf bewilligt das Gremium den Schwäbisch Haller Freilichtspielen für den Bau des Neuen Globe-Theaters zusätzlich 500 000 Euro und eine Ausfallbürgschaft in Höhe von einer Million Euro.

Zunächst 5,2 Millionen Euro, Stand heute schon 7,5 Millionen Euro, soll das neue Theater kosten. Gebaut wird es an der Stelle, an der einst das hölzerne Shakespeare-Rund stand, das in Berlin eine neue Heimat gefunden hat. Der Stadtplaner Dieter Koch macht Raumakustik, Schallschutz, technische Ausstattung, Bodenbeschaffenheit und konjunkturbedingt höhere Marktpreise als Ursachen für die Kostensteigerung um 43 Prozent aus.

Der neue Intendant Christian Doll sieht vor allem aufgrund nötiger Bühnentechnik so gut wie keine Einsparpotenziale. „Das Theater war nackt geplant“, sagte er unumwunden bei einer Informationsveranstaltung für die Bürgerschaft. Eine erneute Verzögerung, argumentiert die Verwaltung, würde die Kosten noch einmal in die Höhe treiben. Da die Freilichtspiele rund zwei Drittel ihres Etats selbst erwirtschafteten, müsse der Zeitplan eingehalten werden. Das neue Theater soll 2019 fertig sein.

Dem Widerstand, den drei Fraktionen im Gemeinderat leisteten, liege keine Geringschätzung für die Arbeit der Freilichtspiele zugrunde, führt der SDP-Fraktionschef Helmut Kaiser aus: „Aber es existiert ein weit verbreitetes Unbehagen, wie in dieser Stadt Entscheidungsprozesse verlaufen.“ Für den CDU-Sprecher Ludger Graf von Westerholt sind die Planungen aus den Fugen geraten. Statt eines „robusten, wetterfesteren Theaters im Stile des alten Globe“ sehe er sich mit einem Zwitter konfrontiert – „keine Sommerspielstätte und kein vernünftiger Theaterbau“ (der Grüne Joachim Härig). Der Intendant, dessen Etat nur die Freilichtspielsaison abdeckt, will das Theater zwischen September und März für Gastspiele und Events nutzen. Darüber hinaus plant er Kooperationsprojekte mit freien Gruppen aus dem Bereich Körpertheater und Tanz.

Auch wenn die Freien Wähler und die FDP vor der Entscheidung Zustimmung signalisierten: Die Mehrheit würde gerne zurück auf Start. Noch einmal kam die ganze Vorgeschichte auf den Ratstisch. Äußerlich ungerührt antwortete der Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim (SPD) auf die Kritikpunkte. Eine von der SPD geforderte Bürgerbeteiligung? Die Bürger seien 2013 im „Stadtleitbild“ zu Wort gekommen, das ein „ganzjährig bespielbares Theater“ als Ziel definiert habe. Ein von den Grünen geforderter Architekturwettbewerb? Nach einem umfangreichen Diskussionsprozess mit „externer fachlicher Expertise“ habe der Gemeinderat im vergangenen Sommer den Neubau beschlossen.

Was er nicht ansprach: dass das Stadtoberhaupt das Planungsbüro Hüls aus Münster, einen Studienfreund, mit ersten Plänen beauftragt hat, dass diese Pläne vom Stadtbauamt und damit auf Kosten der Steuerzahler weiterentwickelt wurden, dass erst auf Druck aus der Bürgerschaft Architekten der Stadt Entwürfe vorlegen durften, dass er höchstselbst die externen Experten berufen hat. „Können wir uns das Neue Globe-Theater als Stadt erlauben“, stellte sich der OB am Ende selbst die rhetorische Frage: „Ich meine ja!“

Nikolaos Sakellariou (SPD) sprach einen weiteren Punkt an, der das Verhältnis zum Rat belastet: den Verkauf des mit städtischem Geld errichteten Pflegeheims Sonnengarten an die Noch-Ehefrau des Oberbürgermeisters. Laut dem Regierungspräsidium Stuttgart war der OB bei dem Deal befangen. „Damals sind wir als Gemeinderat nicht informiert worden“, konstatiert der SPD-Mann, „und unser Beschluss wird nicht umgesetzt.“ Nach dem Willen der Mehrheit soll nämlich das Geschäft rückabgewickelt werden, die Kosten dafür sollen die Verursacher tragen – der OB oder der Geschäftsführer der städtischen Wohnungsbaugesellschaft. Sakellariou stimmt am Ende mit 14 Ratskollegen mehrerer Fraktionen gegen den Antrag der Stadtverwaltung. Nun: „Das hat jetzt doch länger gedauert“, konstatiert ein zufriedener Oberbürgermeister.

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