Bei „Ladies Night“ in der Komödie im Marquardt schreit das Publikum vor Vergnügen.
In zwölf Sprachen wurde der Bühnenknaller „Ladies Night“ übersetzt. Jetzt ist das Stück der Neuseeländer Anthony McCarten und Stephen Sinclair in der Komödie im Marquardt zu sehen, und man denkt sofort an nackte Männer-Pos und kreischende Zuschauerinnen. Uraufgeführt wurde das reine Männerdrama (es sind sechs dieser Spezies, Frauen existieren nur in den Verlautbarungen der Herren) im Jahre 1987. Funktioniert dieses Stück noch oder ist es heute, mit ungleich mehr sexuellen Aufregungsangeboten in viel mehr Medien, schon leicht angestaubt? Man war gespannt.
Arbeitslose Verbrenner-Fans
Liebevoll und stimmig hat Beate Zoff (Ausstattung) die Bühne als Männerkneipe gestaltet – samt Bar mit aufeinandergestapelten Bierkästen, einer gepolsterten Sitzbank und Fußballwimpeln an der Wand (darunter der VfB-Wimpel). Sechs Männer betreten die Szene. Sie sind arbeitslos geworden. Der Regisseur des Abends, Murat Yeginer, hat das Stück behutsam schwäbifiziert. Seine Protagonisten haben in der Automobilproduktion einer Stadt gearbeitet, wo laut Gerhard (Andreas Klaue) ein gutes Auto mit einem Stern anfängt und mit einem Auspuff endet. Die sechs Herren treten als entschiedene Verbrenner-Fans auf.
Wer sind die sechs frisch Entlassenen? Gerhard (Andreas Klaue) ist eine Anführer-Natur, Michael wird von Gideon Rapp als ganz lockere Gegenwartstype gespielt, während Ambrogio Vinella als Marco mit definitivem Schwäbisch den bedächtigen Klein-Philosophen gibt. Leon (Aron Keleta) ist stets ganz klar, eine Insel der Vernunft im bisweilen leicht dämlichen Männerhaufen. Den Kollegen Cem spielt Irfan Kars anrührend als zögerliche Figur. Und dann ist da noch Jürgen (Dieter Gring), der ewige Stichler und Meckerer, der nie mitmachen will.
Jede Menge schlüpfrige Witze
Es ist schön nüchtern, wie die Autoren diese etwas traurige Bande sprechen lässt. Man pflaumt sich derb an, sagt mal „Leck mich“ und rauft sich doch zusammen. Ausgerechnet diese Truppe soll nun einen Männerstriptease vor Publikum vollführen, so die Idee von Gerhard. Man müsse schließlich Geld verdienen. Nun wird es bizarr, denn die Männer sollen erst einmal allein eine Art Tanznummer präsentieren. Das gerät unterirdisch und erinnert an das sogenannte Männerballett, eine schaurige Veranstaltung vergangener Zeiten. Und es gibt noch ein fundamentales Problem: manche der Herren sind figurmäßig gut aufgestellt, andere haben Probleme mit ihrem Body Mass Index. Kann das gutgehen? Denn es geht ja darum, was Frauen scharf macht. Die Herren trainieren, gehen ins Fitnessstudio. Doch bei Michael drohen Eheprobleme. Er hat nämlich bereits, was für ein schauderhafter Begriff, „eine erektile Dysfunktion“, weil er Angst davor hat, vor vielen Frauen nackt aufzutreten. Zwei der entkleidungsbereiten Herren haben einen Migrationshintergrund, und das wird im Stück schön bearbeitet. „Was tanzt man denn in deiner Heimat?“, fragt man Leon, den man wohl in Afrika beheimatet. Leon darauf: „In Pforzheim?“
Doch fraglos ist das Stück schon etwas angejahrt. Frauen finden Typen stark, die einen Waschbrettbauch haben und möglichst auch noch reich sind? Das klingt nach den 80er Jahren. Egal. Immerhin ist eine Menge Witz geboten, selbstverständlich auch schlüpfriger Art. Schaffen die sechs Kumpel nun ihren Auftritt oder versagen sie kläglich? Die Inszenierung von Murat Yeginer jedenfalls funktioniert reibungslos. Das Publikum im Marquardt ist völlig aus dem Häuschen. Schon nach zehn Minuten wird rhythmisch geklatscht und später vor Begeisterung ohrenbetäubend geschrien. Hinreißend, als Glanzpunkt der Aufführung, gerät der Auftritt von Ambrogio Vinella als Drag Queen. Herrlich von der Kostümbildnerin Beate Zoff aufgebrezelt erscheint Vinella am Bühnenrand und meint: „Ich möchte, dass ihr euch heute so richtig gehen lasst.“ Wunderbares Theater.
Weitere Termine bis 6. Juli