Das Staatstheater Augsburg schickt seinem Publikum die Virtual-Reality-Brille auch ins Haus. Foto: dpa/Hendrik Schmidt

Mit einfachen Gratis-Streams haben viele Theater beim ersten Lockdown im Frühjahr versucht, ihr Publikum zu binden. Einige Bühnen gehen nun ein, zwei Schritte weiter. Mehr Erlebnis soll dann aber auch etwas kosten.

Augsburg - Mit kommerziellen Videoangeboten wollen einige Theaterhäuser in der Corona-Krise zusätzliche Einnahmen generieren. Das Augsburger Staatstheater will in diesem Bereich bundesweit führend sein und hat deswegen inzwischen eine eigene Mediathek im Angebot.

Kulturfreunde können einzelne Inszenierungen kaufen und sich daheim anschauen. Auch das Weihnachtskonzert der Augsburger Philharmoniker wird in diesem Jahr ausschließlich online präsentiert. Auch andere Bühnen haben solche Video-on-Demand-Angebote bereits erprobt.

Eine virtuelle Welt

Das Augsburger Theater hat zunächst zwei Stücke im Angebot: die Tanztheater-Uraufführung „Winterreise“ sowie das Videoprojekt „Bovary, ein Fall von Schwärmerei“. Beide Stücke können für 6,90 Euro gebucht werden, 48 Stunden lang steht dann ein Videostream über das Internet zur Verfügung.

Die Augsburger hatten bereits vor der Pandemie begonnen, klassische Inszenierungen mit Virtual Reality (VR) zu mischen. Dazu wurden zunächst bei der Oper „Orfeo ed Euridice“ von Christoph Willibald Gluck die Realdarstellung auf der Bühne und eine virtuelle Welt, die das Publikum per VR-Brille erlebt, miteinander verwoben.

In der Krise hat das Theater die Erfahrung mit VR weiterentwickelt. Mittlerweile bietet die schwäbische Bühne fünf 3D-Produktionen an. Interessenten aus ganz Deutschland können sich dafür eine VR-Brille für zwei Tage nach Hause bestellen. Dies kostet inklusive Hin- und Rückversand knapp 30 Euro. Wer selbst eine VR-Brille besitzt, kann für 5,90 Euro jedes Stück ein Mal anschauen.

Neue Möglichkeiten erschließen

Die Augsburger wollen das Digitalangebot konsequent ausbauen und haben mittlerweile eine eigene Projektleiterin dafür eingestellt. „Nach dem großen Erfolg unserer digitalen Experimente im Bereich Virtual Reality wollen wir den nächsten Schritt machen und die neuen, kreativen Möglichkeiten erschließen, die uns der digitale Raum bietet“, sagt Intendant André Bücker.

Während der Theaterschließungen durch die Corona-Pandemie hatten im Frühjahr viele kommunalen und freien Bühnen, so auch die Stuttgarter Theater, begonnen, mit Videoangeboten den Kontakt zu ihrem Publikum zu halten. Im Regelfall sind dies aber kostenlose Angebote.

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